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Hanni Schmied geht in Rente - und vererbt ihr Rezept

Die Wirtin Hanni Schmied tauscht «Hanni’s Hühnerstall» gegen ein ruhigeres Leben als Grossmutter. Nach zehn Jahren Pacht in Bettswil freut sie sich auf gemütliche Zeiten.

Bäretswil. - «Machen Sie doch endlich das, worauf Sie Lust haben», riet Hanni Schmieds damaliger Arzt gegen ihre wiederkehrende Migräne. Das musste er der gelernten Verkäuferin nicht zweimal sagen. Sofort erfüllte sie sich ihren lang gehegten Traum, erwarb das Wirte-Patent und führte mehrere Restaurants, bis sie schliesslich zusammen mit ihrem Ehemann die Pacht der «Halde» in Bettswil übernahm. Zusammen ergeben sie ein gutes Team. «Ich bin für alles, was drinnen passiert, zuständig, und er ist der Aussenminister», sagt sie fröhlich und zupft eine Blume zurecht. Das stimmt nicht ganz, denn schliesslich hatte er die Gaststube des Restaurants nach ihren Ideen in einen Hühnerstall verwandelt, «Hanni’s Hühnerstall» eben, und ist immer noch für den Unterhalt auch im Lokal drinnen zuständig. Hanni Schmieds ganzes Herzblut steckt in diesem Stall ohne Hühner - und auch viel eigenes Geld, obwohl sie doch nur Gerantin ist.

Notfalls springen die Nachbarn ein

Hanni’s Hühnerstall liegt zwar fast niemandem wirklich am Weg, dennoch läuft das Restaurant gut. Die Stammgäste folgten ihr stets in das neue Lokal, Reklame musste sie daher nie machen. Sogar prominente Geniesser fanden den Weg zu ihr ins Oberland. Das liege wohl an der familiären Atmosphäre, vermutet sie. Zudem kennt sie viele Gäste beim Namen, weiss, welches Mineralwasser sie trinken oder welchen Wein sie bevorzugen. Manche hätten sich sogar bei ihr im Restaurant kennen gelernt und verbringen seither jährlich Ferien zusammen. Auch ganz junge Leute kommen nach Bettswil. So haben eines Tages sechs Burschen lachend einen Traubenzucker-Schleckstängel verlangt - genau wie damals im Ochsen in Bäretswil, als sie noch kleine Kinder waren. Ganz stolz ist sie auf die Geschichte mit den Soldaten, die eines Tages aus dem Glarnerland angereist kamen. Diese machten den langen Weg extra wegen ihres Poulets im Chörbli.

Das ist für die Wirtin nun bald Vergangenheit. «Am 6. September sage ich ganz offiziell: und tschüss», lacht Hanni Schmied und winkt dazu symbolisch, um ihrer Aussage mehr Gewicht zu verleihen. Auf der Einladung zum inoffiziellen Abschied steht: «Euisi Zyt im Hüenerstall die isch verbi.» Einfach Tschüss sagen wollte sie eigentlich schon vor zehn Jahren, obwohl es an interessanten Angeboten nicht fehlte. Da gaben sie und ihr Mann sich noch einmal einen Ruck und übernahmen die Pacht für das Restaurant Halde. Doch diesmal meint sie es ernst, auch wenn es ein bisschen wehtut, schliesslich ist sie jetzt im Rentneralter. Sie wird die Gäste und den ganzen Betrieb vermissen. Und die Abgeschiedenheit des kleinen Ortes im Oberland, wo noch alles auf gegenseitigem Vertrauen basiert. Sogar die Lieferanten haben Schlüssel zum Restaurant und packen die Ware auch schon mal selber in das Kühlfach. Und wenn einmal alle Stricke reissen, springen einfach die Nachbarn ein.

Dennoch: Hanni Schmied mag nicht mehr, und eine Operation steht auch noch an. Danach freut sie sich auf lange, Spaziergänge mit ihrem «Schatz». «Aber nicht hier im Oberland», kontert dieser blitzschnell, denn viel lieber ist er mit seinem Töff unterwegs. Die Rentnerin is spe schaut verliebt zu ihrem Ehemann und schmunzelt ironisch: «Unser Problem beginnt schon bei der Frage, wohin wir gehen wollen.» Bis es so weit ist, gibt es aber noch einiges zu tun.

Der Hühnerstall bleibt erhalten

«Genau auf den Punkt!», schwärmte letzthin ein Gast und meinte damit sein Essen, das Poulet im Chörbli natürlich. Damit das auch so bleibt, hat Hanni Schmied das Geheimnis um das Rezept bereits an den neuen Pächter weitergegeben. Per Inserat hat sie einen würdigen Nachfolger gefunden, wie sie hofft. Dieser wird das gemütliche Restaurant unter ihrem Namen und mit ihrem Innendekor weiterführen. Das sei keine Bedingung gewesen, hält sie fest, es sei aber dennoch schön. Momentan freut sich Schmied auf das dritte Enkelkind, und ihr Sohn hat bereits fixe Pläne für seine Mutter. «Omi hat mehr Zeit», lautet seine Devise. Ob ihr mit den drei Enkelkindern tatsächlich ein ruhigeres Leben bevorsteht als im Hühnerstall, wird sich erst zeigen.

Ohne ihren Hühnerstall hat Hanni Schmied mehr Zeit für ihre Enkel.

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