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Grosser Einsatz für kleinen Falter

Ein besonderer Falter fliegt von Juli bis August in Grindelwald. Auf einer Exkursion wurde das Projekt zur Erhaltung des seltenen Mohrenfalters vorgestellt. Es ist eine Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirtschaft.

«Wie oft in Grindelwald sind eigentlich die Engländer an allem schuld», sagte der Mohrenfalter-Spezialist Peter Sonderegger am Start der Exkursion auf der Grossen Scheidegg. In den 1930er-Jahren beschrieben englische Besucher in Grindelwald «eine Art Sudeten-Mohrenfalter», die aber «etwas speziell» aussehe.1961 konnte der angehende Lehrer Sonderegger zeigen, dass es sich wirklich um eine dritte Unterart des Sudeten-Mohrenfalters (Erebia sudetica) handelte – zwei weitere Unterarten kommen an sechs kleinen Standorten in Osteuropa und in Frankreich vor. Die Grindelwalder Unterart «Erebia sudetica inalpina» fliegt bei der Pfingstegg und an der Sonnseite von der Grossen Scheidegg bis Lütschental – und sonst nirgends auf der Welt.Blumen statt BüscheDer Falter, der von Juli bis Mitte August fliegt, braucht blumenreiche Trocken- oder Feuchtwiesen – und trockene Hügelchen, damit der Nachwuchs, der als Raupe überwintert, nicht im Schmelzwasser ertrinkt. Diese Lebensräume gingen mit der Intensivierung der Nutzung im Tal und mit der verminderten Nutzung und Verbuschung von Alpen zum Teil stark zurück. Seit 2008 gibt ein gemeinsames Projekt von Pro Natura, Inforama Hondrich und Grindelwalder Landwirten Gegensteuer mit der Erhaltung besonders wichtiger Standorte. Bisher beteiligen sich die Bergschaft Grindel und vier Bewirtschafter auf Bort.Im Gebiet Stepfi, wo die Bergschaft Grindel 2008 und 2009 zwei Entbuschungsaktionen mit Schülern und Freiwilligen durchführte, sahen die Exkursionsteilnehmer am Samstag, wie nach dem Räumen von kleinen Tannen und Gebüsch wieder grosse Flächen für Weideland gewonnen wurden – und damit auch für Blumen wie Arnika, auf denen der Grindelwalder Mohrenfalter besonders gerne saugt.Bergschaftspräsident Fritz Schlunegger, der vor Ort über die Organisation der Alp und das Problem der Verbuschung orientierte, freut sich über die Freiwilligeneinsätze. Einen Grosseinsatz leisten aber auch die Besetzer, die pro Sommer und Kuh acht Stunden Gemeinwerk leisten – für den grössten Besetzer mit 22 Kühen sind das 176 Stunden Gratisarbeit.Der Preis der Vielfalt«Weil andere Arbeiten wie das Mistausbringen heute mit Maschinen schneller geht, bleibt wieder mehr Zeit zum Steineräumen oder Entbuschen», erklärte Schlunegger. Zudem konnte der Rinderbestand, der lange Zeit zu tief war, wieder erhöht werden. Und durch eine stärkere Unterteilung der Fläche sorgt der Hirte Ruedi Zurfluh dafür, dass die Rinder die Flächen gleichmässiger abweiden, sodass weniger Büsche aufkommen. Doch mehr Zäune bedeuten mehr Arbeit. Schlunegger sieht eine «mohrenfalter-freundliche» Bewirtschaftung der Alpen gewährleistet, solange genug gute Leute für die Saisonstellen als Hirten und Käser gefunden werden und solange die Politik die Rahmenbedingungen so setzt, dass die naturnahe, arbeitsintensive Berglandwirtschaft überlebt.Wegen des Zusatzaufwandes hat sich auch Peter Winterberger, der neben einem Vollzeitjob auf dem Bau zusammen mit seiner Frau Kälber zur Sömmerung auf Bort hat, gut überlegt, ob er beim Mohrenfalter-Projekt mitmachen wolle. Jetzt hat er, gleich wie drei Nachbarn auf Bort, einen Bewirtschaftervertrag abgeschlossen. Danach lassen die Landwirte einzelne Streifen ihrer Heuwiesen und Weiden mindestens bis Mitte August stehen, damit die Mohrenfalter genug Zeit für die Fortpflanzung haben; dafür zahlt Pro Natura Beiträge.Vernetzung und QualitätPeter Winterberger muss Teile seiner Kälberweide abhagen und später heuen. So schafft er eine Verbindung zwischen seiner steilen, von Hand bewirtschafteten Heuwiese und der Blumenwiese seines Nachbarn.Pro Natura führt das Projekt sicher bis 2014 weiter. Für die Zeit danach sucht Projektleiterin Agneta Heuman nach dauerhaften Lösungen. Heute schon zeichnet sich ab, dass der Grindelwalder Mohrenfalter im nächsten regionalen Richtplan eine «Leitart» für Vernetzungsbeiträge wird – denn weil der Falter artenreiche Lebensräume braucht, ist er ein «Gütesiegel» für ökologische Qualität überhaupt. Und weil auch Wanderer solche Landschaften besonders lieben, ist auf der neuesten Wanderkarte ein «Mohrenfalterweg» markiert.Sibylle Hunziker>

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