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«Gibt der Muni auch Milch?»

Auf dem Bio-Bauernhof Eichholz oberhalb von Wetzikon packen 20 Kinder diese Woche mit an. Misten, Füttern, Melken – für viele ist so manches neu.

Von Fabienne Riklin Wetzikon – «Hooolua, Hooolua, so vorwärts los», mit diesen Worten treibt Bertha Mlosch ein halbes Dutzend Kühe und den Muni Kongo aus dem Stall auf die Weide. Der 22-Jähigen, die zurzeit die Bauernausbildung absolviert, helfen fünf Kinder. «Haltet Abstand zu Kongo», mahnt Mlosch. Warum, will der elfjährige Fabian wissen. Komme man Kongo zu nahe, könne sich dieser provoziert fühlen und auf einen losgehen, erklärt die angehende Bäuerin. Freiwillig auf Distanz geht die achtjährige Mira: Sie habe Angst, wenn die Kühe mit ihren Hörnern so nah an ihr vorbeigehen. «Aber die Kälber, die machen nichts», sagt sie und sieht mit einem Stöckchen in der Hand zu, dass auch das kleinste den Weg zu den Weiden findet. «Es geht noch ganz ‹gwagglig›», erklärt sie. 20 Kinder zwischen acht und elf Jahren helfen diese Woche auf dem Bio-Bauernhof Eichholz oberhalb von Wetzikon mit und wohnen im Lagerhaus Pflueg. Sie besuchen eines der rund 40 WWF-Ferienlager in der Schweiz. Die Botschaft, die den Kindern in dieser Woche vermittelt wird: Die Milch, das Gemüse oder die Pouletflügeli stammen nicht von Grossverteilern. «Sicher sind viele Kinder darunter, deren Eltern auf die Umwelt sensibilisiert sind, doch wir haben Kinder aus allen sozialen Schichten», sagt Chantal Steinegger. Die 19-Jährige ist eine der freiwilligen Lagerleiterinnen. Schön zu sehen sei, mit wie viel Elan und Freude die Kinder mitanpackten. «Klar, kommt es auch mal vor, dass eines am Abend nach dem Fernseher fragt», erzählt sie. Aber das sei selten. Milch direkt ab Kuh trinkbar Bäuerin Mlosch erkennt sofort, ob ein Kind auch sonst im Wald spielt oder wandern geht: «Kinder aus den Städten ekeln sich schneller als solche, die sich gewöhnt sind, draussen zu werkeln.» Am meisten erstaune die Kinder, wie eine Kuh, die nicht immer sauber ist, weisse Milch gebe. Und dass diese erst noch direkt getrunken werden könne. «Sie sind oft irritiert, dass die Milch nicht erst in die Fabrik muss», sagt Mlosch schmunzelnd. Es komme auch immer wieder vor, dass Kinder sie fragen, ob der Muni Kongo auch Milch gebe. «Güggel hat uns geweckt» Aufs Melken hat sich vor allem der neunjährige Joel gefreut. «Leider ist nicht so viel Milch aus dem Euter gekommen», sagt er und fegt die Kuhfladen vom Vorplatz. Auch das gehört zu den morgendlichen Aufgaben. «Die Kühe machen schon sehr viel Dreck, aber sie fressen auch so viel», sagt Joel. Die Dimensionen würden die Kinder immer wieder verwundern, erzählt die angehende Bäuerin. «Den Muni Kongo beispielsweise hätten sie viel älter geschätzt», sagt Mlosch. Dreijährig und schon so gross, das sei aber bei den Menschen anders, bekomme sie oft zu hören. Nach dem Misten und Saubermachen geht es ab in den Riedstock. Mlosch gibt Anweisungen, wie mit der Heugabel am meisten Ried aufgeladen werden kann, damit möglichst wenig Staub aufwirbelt. Gabel für Gabel werfen die Kinder vom Riedstock in den Stall. «Dürfen wir jetzt in den Haufen springen?», fragt Fabian. Und schon landen alle fünf im staubigen Ried. «Da unten sind auch die jungen Kätzchen», erzählt Jessica. Die möge sie neben den Eseln am liebsten. Anders als auf den Kühen könne man auf denen reiten. Erschöpft setzten sich die Ferienlagerkinder nach getaner Arbeit vor den Bauernhof Eichholz auf die Treppe. Der Güggel habe sie bereits um sechs Uhr in der Früh geweckt, erzählt Nina. «Der schreit ständig», fügt Joel an und reibt sich die Augen. Für heute haben sie genug gearbeitet. An den Nachmittagen stehen Spiele, Wanderungen oder Naturkunde auf dem Programm.

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