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Gestörte Harmonie

Die Limmat-Nixen gewannen bei der Schweizer Meisterschaft im Synchronschwimmen vier Medaillen. Verdient hätten sie aber fünf, moniert der Klub. Die Hintergründe zum nationalen Ungleichgewicht.

Von Deborah Bucher Susi Morger ist bemüht um Diplomatie, wenn sie sich in Rage redet. Über die Differenzen, die seit längerem zwischen den Limmat-Nixen und dem Landesverband der Synchronschwimmerinnen herrschen. «Immer wenn internationale Selektionen anstehen, haben die Richter Mühe mit ihrer Objektivität», findet die Technische Direktorin der Zürcherinnen. Diesen Vorwurf illustriert die bald 70-Jährige an den Resultaten in derDuett-Entscheidung bei den nationalen Titelkämpfen vom letzten Wochenende im Heimbad Leimbach. Marina Saurenmann/Sereina Richner belegten den 4. Platz, der sie – im Gegensatz zur gezeigten Darbietung – in keiner Art und Weise zufriedenstellt. «Die zwei setzten die Kriterien der Raumverteilung, Choreografie, Synchronität und der Balance zwischen langsamen sowie schnellen Elementen überzeugend um. Mit der Spitze waren sie absolut ebenbürtig», lautet die Einschätzung von Morger. Daraus schliesst sie, dass der Vorstoss in die Top 3 legitim, ja gar zwingend gewesen wäre. Sie führt auch gleich einen Grund an, weshalb sich ihre Überzeugung im Klassement nicht niedergeschlagen hat: «Das Bern-lastige Jury-Gremium.» Hinter der siegreichen Kombination Pamela Fischer/Anja Nyffeler (Mittelland) beanspruchten Manon Zryd/Elisa Boffi (Morges) und das Zwillingspaar Pascale und Simone Zwicky (Bern) die Podestplätze. In die Opposition gegangen Julia Vasileva, Leistungssport-Chefin bei Swiss Synchro, stellte keine Unregelmässigkeiten bei der Medaillenvergabe fest und findet deshalb die Beanstandungen unangebracht. «Zudem sind die Ergebnisse ein Abbild jener vom German Open und bestätigten die Hierarchie in der Schweiz», führt die Verantwortliche aus. Vor vier Wochen in Bonn behaupteten sich Fischer/Nyffeler im internationalen Feld an Position 12. Die Zwickys folgten an 15., Zryd/Boffi an 20. und die Zürcherinnen erst an 26. Stelle. Dass das Duo der Limmat-Nixen bei der SM den Abstand verkürzen konnte, ist laut Vasileva nicht unbedingt durch eine Leistungssteigerung zu erklären. «Weil die beiden in Bonn nicht als Schweizer Vertretung, sondern für ihren Klub starteten, dürfte bei der Bewertung ein strengerer Massstab angewendet worden sein.» Die Zürcher Abnabelung ist die Folge eines schwelenden Konflikts oder das Signal, «dass wir uns nicht alles gefallen lassen» (Morger). Aus Frust über die Verbandspolitik zog sich vor zwei Saisons das Duett Stephanie Jost/Sarah Amrein zurück, das zum Abschluss bei der WM in Rom einen beachtlichen 16. Platz erreicht hatte. Nach der EM 2010 in Budapest und Rang 11 trennte sich Saurenmann von Fischer und von gemeinsamen internationalen Wettkampfplänen. Die 21-Jährige aus Dielsdorf wälzte den unerwarteten Rücktritt aus dem Nationalteam auf das Psychologiestudium ab. In einer vereinsübergreifenden Partnerschaft holten Fischer/Saurenmann bei der letzten SM Gold. Ihren verlorenen Podestplatz im Duett holte die Unterländerin heuer mit Silber im Solo nach. Hinter ihr etablierte sich Klubkollegin Laura Ermano (18) mit einer künstlerisch anspruchsvollen Kür erstmals in den Medaillenrängen. Ihre Choreografie ist im Herbst während ihres Trainingsaufenthalts in Kalifornien entstanden. Ein Jubiläumsfest in Minne Mit viermal Edelmetall (davon zwei unbestrittenen Titeln in Team und Combo) führen die Gastgeberinnen den Medaillenspiegel weiterhin an. Auch Synchro Mittelland Bern, ein erst 2008 gegründeter Fusionsverein, der die Klubs Bern, Schönenwerd und Thun zusammenfasst, konnte mit drei Auszeichnungen (1/2/0) diesen Status nicht infrage stellen. «Nicht einmal mit gebündelten Kräften kommen sie gegen uns an», stellt Morger zynisch fest. Dagegen widerspiegelt die Zusammensetzung des Nationalteams diese Kräfteverhältnisse nicht. Bei der Elite gehören nur drei Zürcherinnen (Ermano, Audrey Canova und Maxi Lotz) dem elfköpfigen Kader an. «Vom Potenzial her würden mehr Mitglieder der Limmat-Nixen Berücksichtigung finden», räumt Vasileva ein. Die Realität ist eine andere, weil viele Zürcherinnen den hohen finanziellen und zeitlichen Aufwand im Dienst des Nationalteams nicht tragen wollten oder könnten und durch den eigenen Klub schon übermässig beansprucht seien. «Die Zusammenarbeit und die Planung mit anderen Vereinen funktioniert definitiv besser», bestätigt und bedauert Vasileva gleichzeitig. Trotzdem zeigt die Strategie, die die Limmat-Nixen verfolgen, nebst Erfolg auch Nachhaltigkeit. Im Dezember feiern sie ihr 50-jähriges Bestehen mit einer spektakulären Show im Wasser. Geladen sind die russischen Duett-Weltmeister, mit Bill May der beste männliche Exponent dieser Sparte und selbstverständlich Vertreter des Schweizer Verbands. Denn Morger beteuert ihre Bereitschaft für einvernehmliche Lösungen. So übernahm Zürich auch kurzfristig die Ausrichtung der SM. Schweizer Meisterschaften (in Zürich-Leimbach). Solo: 1. Pamela Fischer (Lausanne) 167,5. 2. Marina Saurenmann (Limmat-Nixen) 162,5. 3. Laura Ermano (Limmat-Nixen) 159,2916. – Ferner die weiteren Zürcherinnen: 6. Sascia Kraus 153,2083. – 17 Klassierte.Duett: 1. Pamela Fischer/Anja Nyffeler (Snychro Mittelland BE) 166,0. 2. Manon Zryd/Elisa Boffi (Morges) 162,125. 3. Pascal Zwicky/Simone Zwicky (Synchronschwimmen Bern) 161,7916. 4. Saurenmann/Sereina Richner (Limmat-Nixen) 158,9166. – 11 Klassierte.Team: 1. Limmat-Nixen 165,0. 2. Synchro Mittelland BE 159,25. 3. Morges 157,875. – Ferner: 5. Limmat-NixenII 146,7083. – 9 Klassierte.Kombination: 1. Limmat-Nixen 83,6666. 2. Synchro Mittelland BE 80,8333. 3. Alliance Snychro 74,3333. 4. Limmat-Nixen II 72,0. – 5 Klassierte. Die Limmat-Nixen überragten die Konkurrenz in zwei Wertungen, gleichwohl schlug die SM hohe Wellen. Foto: Beat Marti

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