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«Germanizzazione» und «Latinité»

Der Welschschweiz und vor allem dem Tessin brennt die Frage der Minderheitenvertretung in der Landesregierung mehr unter den Nägeln als der Deutschschweiz. Dies zeigten gestern zumindest die unterschiedlichen Schwerpunkte der drei Landesfernsehsender, die über die Bundesratswahl berichteten.

Der Eindruck entstand auch deshalb, weil die Sender möglichst jene Parlamentarier vor die Kamera holten, die ihre Sprache beherrschen. Doch der Unterschied war frappant. «Arena»-Moderator Reto Brennwald und Politikexperte Iwan Rickenbacher erörterten auf SF 1 praktisch nur parteipolitische Taktiken und Folgen. Die Tessiner Reporter Paola Ceresetti und Reto Ceschi hingegen brachten auf dem Sender RSI der italienischen Schweiz immer wieder das Thema «Germanizzazione» der Landespolitik ins Gespräch - also die «Verdeutschschweizerung» von Bundesrat, Parlament und Verwaltung.

Marina Carobbio Guscetti (SP, TI) sagte, die «Germanizzazione» des Landes fange schon damit an, dass die meisten Gesetze zuerst auf Deutsch ausgearbeitet und erst später übersetzt würden. Die 34 Stimmen, die der Tessiner FDP-Ständerat Dick Marty im ersten Durchgang erhielt, interpretierte er selber als Zeichen, mal einen Moment innezuhalten «und das Verhältnis der Deutsch- und der Südschweiz zu überdenken» - eine Beziehung, die auch der Zürcher FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger als schwierig bezeichnete. Fabio Abate (FDP, TI) bedauerte das Ausscheiden von Marty aber nicht: «Es war keine Sache des Herzens, sondern des Kopfes. Die Tessiner Anliegen mussten hinter parteipolitischen Interessen zurückstehen.»

Im Westschweizer Fernsehen brachte Alain Rebetez die Frage der «Latinité» und eines Tessiner Bundesrats ebenfalls aufs Tapet. Ob das heute eine Rolle spiele, wollte er von CVP-Vizepräsident Dominique de Buman (FR) wissen. Dieser hielt die Frage nicht für entscheidend. Anderseits zeigten sich mehrere welsche Parlamentarier sehr glücklich, dass die «lateinische Sensibilität» im Bundesrat eine Fortsetzung finde. (has)

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