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Gemütlich auf der einstigen Rennstrecke

Mit einem Rundrennen haben rund 400 Sportwagen das GP Suisse Memorial beschlossen. 55 Jahre nach dem letzten Berner GP röhrten wieder alte Motoren. Die Echtheit der Oldtimer ist unter Kennern ein heikles Thema.

Für einmal spielt die Autobahn die akustische Nebenrolle im und ums Einkaufszentrum Westside. Um ein Vielfaches lauter dröhnen die Motoren der Rennboliden hinter dem Gebäudekomplex. Reihenweise fahren sie aus der Tiefgarage zum Tankstellenareal und gehen – ordentlich hintereinander – auf die acht Kilometer lange Rennschlaufe. Der Circuit hat mit der originalen Rennstrecke von 1954 wenig gemeinsam. Vom Westside aus dreht er eine Runde via Frauenkappelen, Riedbach und Buch. Die damaligen Rennen gingen durch den Bremgartenwald, was heute aus sicherheitstechnischen Gründen nicht mehr möglich ist. Der Start- und Zielraum beim Autobahnzubringer Westside bietet dafür genügend Platz für Begegnungen, sei es zwischen den Fahrern oder der Crème-de-la-Crème der Schweizer Rennsportszene. Kenner und Mitglied dieser Gesellschaft ist zum Beispiel Peter Ruch. Der heute freischaffende Automobiljournalist war Chefredaktor bei der «Automobil-Revue» und fährt auch bei solchen «Classics» mit. Ruch ist mit einem crèmefarbenen Jaguar am Start, Baujahr 1949. Als Kenner der Oldtimerszene weiss Ruch aber, dass nicht alles, was glänzt, auch Gold ist. «Heute kann man sich problemlos einen Oldtimer zusammenbauen, was an Treffen wie diesen dann eigentlich eher ‹Bschiss› ist.» Auch am Rennwochenende in Bern hat Ruch solche «Plagiate» gesehen, näher darauf eingehen will er aber nicht. Sänger mit Sammlerherz Mit dem Problem der historisch unkorrekten Fahrzeuge ist auch der sogenannte «Car Selecting Adviser» konfrontiert. Dieser stellt für ein Rennen die Kategorien zusammen – dabei muss er Standardausführungen und Jahrgänge genau definieren. Generell scheint sich aber niemand zu bekannten Fällen von unechten Oldtimern äussern zu wollen, die Branche übt sich zu diesem Thema in Zurückhaltung. Ein offenbar sehr kundiger Zaungast ist überzeugt, eine Fälschung vor sich zu haben. Der scharfe Beobachter will anonym bleiben und den «Übeltäter» zur Rede stellen, der Inhaber des angeblich neuen Oldtimers ist aber nicht auffindbar. Frei von Sorgen und gut gelaunt gibt sich Peter Kraus. Der deutsche Schauspieler, Schlagersänger und Entertainer ist ein grosser Jaguar-Fan. Obwohl er Teile seiner persönlichen Sammlung verkauft hat, ist er in Brünnen trotzdem mit seinem eigenen Bijou dabei. Lange bleibt der 70-jährige Münchner nicht am selben Ort; auch in Bern erkennt man ihn schnell. Schon bald ist ihm das Fernsehen auf der Spur – und flugs ist Kraus im nächsten Rennstall. Exklusive «Enzmänner» Wenige Meter daneben parkiert Kari Enzmann sein gleichnamiges Fahrzeug. Enzmann gehört der dritten Generation der Autobauerdynastie an, welche in den 60er-Jahren im luzernischen Entlebuch in Schüpfheim eine kleine Serie von Sportwagen gebaut hat. Versehen mit originalen VW-Teilen sind die Enzmann-Fahrzeuge heute ein begehrtes Sammlergut, Kari Enzmann fährt gar eine Sonderausgabe mit Porsche-Motor. «Hobbymässig sind wir heute wieder in die Produktion eingestiegen, unsere Kunden sind natürlich nur noch Sammler», sagt Enzmann, der hauptberuflich in Wetzikon als Lehrer arbeitet. Die ehrwürdigen «Enzmänner» kosten stolze 60000 Franken und sind in allen möglichen Motorvarianten erhältlich. «Das Chassis nehmen wir aber noch immer vom VW-Käfer», erklärt Kari Enzmann ein unverwechselbares Merkmal des Schweizer Originals. Ob Enzmanns Spezialanfertigungen, Peter Kraus’ Jaguar oder die angeblichen Oldtimer-Fälschungen, an Gesprächsstoff wird es den Auto-Freunden auch am nächsten GP-Revival nicht fehlen.Moritz Marthaler>

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