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Gemeinde behindert Landwirt

An der Fahrverbotstafel bei seinem Grundstück kommt auch Landwirt Peter Ulrich nicht vorbei – obwohl das Schild ihm die Durchfahrt eigentlich erlauben würde.

Von Caroline Bossert Stadel – Peter Ulrich ist wütend. Seit über einem Jahr ärgert sich der Stadler Landwirt über eine Verkehrstafel, die direkt an sein Grundstück grenzt und an der er nicht vorbeikommt. Sie wurde falsch angebracht. «Über den Wildwuchs von Wahlkampfplakaten kann sich der Gemeinderat aufregen, aber selber hält er sich nicht an die Vorschriften.» Damit meint Ulrich das Ultimatum des Gemeinderates an die Adresse zweier SVP-Kantonsratskandidaten. Christian Lucek, Präsident der SVP Dänikon, und der Steinmaurer Pascal Theiler, Vorstand der Jungen SVP des Kantons Zürich, hatten am Ortseingang von Stadel je zwei ihrer Wahlplakate an einem Stall angebracht. Ein weiteres Plakat mit den Regierungsräten Ernst Stocker und Markus Kägi sowie eines mit der überdimensionierten Listennummer 1 komplettierten ihren Auftritt. Je drei Plakate mit der lachenden SVP-Sonne strahlten danach auf die Zürcherstrasse herab – zu viel für den Gemeinderat. «Bei Wahlen ist in der geschützten Kernzone lediglich ein Plakat pro Fassade gestattet», erklärt SVP-Gemeinderat Hans Huber damals. (TA vom 16. 2.). Verbot abschraubbar Laut der Signalisationsverordnung müsste die Verkehrstafel eigentlich einen Mindestabstand von einem halben Meter zum Strassenrand aufweisen. Die Fahrverbotstafel am Stadlersee wurde aber so nah am Flurweg montiert, dass Ulrich mit Traktor und Anhänger nicht mehr an ihr vorbeifahren kann, ohne auf fremdes Land auszuweichen. Einige Male habe er sich bei solchen Manövern fast seinen Seitenspiegel ruiniert. Nun steigt er jedes Mal aus seinem Traktor und muss die ungeliebte Tafel abschrauben und wieder anbringen. «Mit uns Bauern kann man ja solche Sachen machen. Die glauben wohl, wir haben Zeit für so was», schimpft Ulrich. Schon im Sommer hat er sich über diesen Missstand bei der Unterhaltsgenossenschaft, die für die Flurwege verantwortlich ist, beklagt. «Der Gemeinderat hat garantiert davon erfahren. Aber ich habe bis heute noch nichts von ihm gehört.» Sicherheitsvorsteher Hans Huber ist bereit für ein Treffen mit Ulrich und nimmt vor Ort einen Augenschein. Es kommt zu einem heissen Wortgefecht. Der Gemeinderat räumt ein: «Ja, die Tafel steht falsch. Aber hätten wir den korrekten Abstand eingehalten, dann stünde sie auf Ulrichs Grundstück und er hätte wieder einen Grund zum Schimpfen.» Dieser entgegnet: «Natürlich will ich die Tafel nicht auf meinem Boden. Aber sie hätten sie auch links des Weges setzen können, auf dem Gemeindegrundstück.» Die Signalisationsverordnung sieht links stehende Tafeln in Ausnahmefällen vor. Das wäre möglich, gibt Huber zu und fügt gleich an: «Warum sind Sie nicht gleich zu uns gekommen? Ich sehe hier kein Tafelproblem, sondern nur ein Kommunikationsproblem», sagt er und beteuert, von Ulrichs Anliegen nie etwas gehört zu haben. Stadel im «Schilderwahn» Doch Ulrichs Wut zielt nicht nur auf das eine Schild. Auch andere Verkehrstafeln rund um den Stadlersee seien nicht korrekt angebracht und stünden von den vielen Zusammenstössen mit Landwirtschaftsfahrzeugen schon ganz schief. Zudem sei im ganzen Dorf der Schilderwahn ausgebrochen. «Über die vielen neuen Verkehrstafeln ärgert sich so mancher. Sie sind in den Beizen ein Stammtischgespräch», poltert Ulrich. «Hat nicht der Bund kürzlich beschlossen, den Schilderwald auf unseren Strassen massiv zu reduzieren?» Die Verbotsschilder würden ohnehin nichts bringen, sondern nur Geld kosten, findet der Landwirt und wirft dem Sicherheitsvorsteher vor, er würde selber eines der Fahrverbote ständig missachten. Neun Schilder für mehr Ruhe Huber will davon nichts wissen. Genauso wenig lässt er den Vorwurf gelten, in Stadel sei der Schilderwahn ausgebrochen. Im Zuge des neuen Verkehrskonzeptes, das seit einem Jahr in Kraft ist, seien lediglich neun neue Verkehrsschilder hinzugekommen. «Wir wollten damit den Durchgangsverkehr von Bachs über die Birch nach Neerach unterbinden und Ruhezonen im Dorfkern schaffen.» Viele Bewohner würden diese Massnahmen begrüssen. Reklamationen habe er bisher erst eine erhalten. Dort habe ebenfalls ein Bauer beanstandet, dass er mit dem Traktor nicht am Schild vorbeikomme. Seither habe man die abschraubbaren Tafeln eingeführt. Eine Lösung, der Ulrich nichts abgewinnen kann. Der Landwirt hofft nur, dass er seinen Schraubschlüssel in naher Zukunft wieder zu Hause lassen kann. Peter Ulrich kann nur vorbei, wenn er die Tafel entfernt hat.Foto: Caroline Bossert Will Peter Ulrich durchfahren, muss er erst die Tafel abschrauben.Foto: Caroline Bossert

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