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Gefängnis für filmreifen Kampf vor dem Theater

Was als harmlose verbale Auseinandersetzung zwischen zwei jungen Männern begann, endete für den einen im Spital. Der andere muss ins Gefängnis.

Von Patrick Gut Adliswil/Zürich – Der heute 24-jährige Adliswiler ist Anfang November 2009 in Zürich so richtig versumpft. Um 5 Uhr in der Früh sprach er – angetrunken und bekifft – beim Schiffbauplatz im Kreis 5 einen etwa Gleichaltrigen – ebenfalls angetrunken und bekifft – an und wollte eine Zigarette schnorren. «Das habe ich wohl etwas forsch getan», gestand der Adliswiler am Donnerstag vor dem Zürcher Obergericht. Entsprechend kam die Antwort zurück: «Nein, und du könntest mir die Schuhe ablecken, ich würde dir keine Zigarette geben.» So weit handelte es sich noch um eine harmlose Anmache, wie sie wohl jeden Tag x-mal vorkommt. Die beiden jungen Männer trennten sich und gesellten sich jeweils zu ihren zwei Kollegen. Schlag mit der Bierflasche Aus der Gruppe des Adliswilers bekam der andere dann ein Schimpfwort zu hören, das auf ihn gemünzt war. Das liess er nicht auf sich sitzen. Er ging auf den Adliswiler zu und packte ihn am Kragen: «Willst du wirklich eine Schlägerei?», soll er ihn gefragt haben. Die Antwort folgte prompt mit einem Faustschlag mitten ins Gesicht. Nun nahm der Geschlagene seinen Kontrahenten in den Schwitzkasten und rang ihn zu Boden. Die beiden wälzten sich und teilten wacker Schläge aus. Der Adliswiler kam schliesslich unter den anderen zu liegen und konnte sich nicht mehr befreien. Am Boden liegend, bekam er eine Bierflasche der Marke Ittinger Klosterbräu zu fassen und schlug sie seinem Gegner mindestens zweimal auf den Kopf. Schon beim ersten Schlag zerbarst die Flasche. Der Geschädigte, so steht es in der Anklageschrift, erlitt diverse grosse, tiefe Schnittwunden an Kopf, Gesicht und Hals. Sein Nasenbein war zudem mehrfach gebrochen. Nach den Schlägen mit der Bierflasche konnte sich der Adliswiler befreien und eilte davon. Nur dank einer DNA-Analyse konnte ihn die Polizei schliesslich ausfindig machen. Vorher schon delinquent Für die Staatsanwaltschaft ein klarer Fall von versuchter schwerer Körperverletzung. Der Angeklagte habe gewusst, dass er dem Geschädigten mit der Glasflasche schwere bis lebensgefährliche Verletzungen zufügen könnte. Er habe das in Kauf genommen. Der 24-jährige Adliswiler sei mit einer unbedingten Gefängnisstrafe von 4 Jahren zu bestrafen. Die Staatsanwaltschaft forderte die Strafe nicht für die versuchte schwere Körperverletzung allein, sondern für eine ganze Anzahl von zusätzlichen kleineren Delikten. 2004 war der Adliswiler beispielsweise ins Restaurant Schlossgarten in Kilchberg eingebrochen. Im selben Jahr war er in die Adliswiler Stadtbibliothek eingestiegen. Er nötigte seine ehemalige Freundin, indem er sie daran hinderte, das Tram zu besteigen, und verstiess mehrfach gegen das Betäubungsmittelgesetz. Diese Taten waren allesamt unbestritten. Anders die versuchte schwere Körperverletzung. Der Verteidiger plädierte auf Freispruch. Sein Mandant sei in Panik geraten und habe aus Notwehr gehandelt. Faustkampf der «Toorebuebe» Das Obergericht folgte der Argumentation des Verteidigers nicht. Es verurteilte den Angeklagten zu dreieinhalb Jahren unbedingter Freiheitsstrafe. Die beiden Kontrahenten seien etwa gleich gross und kräftig gebaut. Es habe sich um einen Faustkampf unter zwei «Toorebuebe» gehandelt, wie der vorsitzende Richter Peter Marti sagte. Der Angeklagte sei dann zwar unterlegen, habe sich aber keinesfalls in einer ausweglosen Situation befunden. Von Notwehr könne keine Rede sein. Es handle sich um einen Gewaltexzess. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

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