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Geben Sie Velodieben keine Chance

33 Vorschläge sein Velo zu retten. Abschliessen allein ist nicht sicher genug: Stellen Sie besser einen Wachmann an. Oder machen Sie es wie die Gnus. Diese und ähnliche nützliche Tipps von Marcel Reuss

Sollten Sie sich irgendwann in den nächsten Jahrzehnten darüber wundern, dass Zürichs Strassen voller Polizisten sind, denken Sie daran: Mit dem Hochrisikospiel FC Zürich gegen den FC Uitikon wird es nichts zu tun haben. Es wird mit dem Vorstoss zusammenhängen, den eine Zürcher Gemeinderätin kürzlich eingereicht hat. Sie fordert darin von Stadtrat und Polizei, dass diese sich gefälligst mehr engagieren sollen. Was den Veloklau angeht nämlich. «Aha!» Genau. Velodiebstahl ist ein ganz trauriges Thema. Darüber müssen wir nicht diskutieren. Man braucht dazu nur zu sagen, was irgendwo geschrieben stand: dass in Zürich alle dreieinhalb Stunden ein Velodieb zuschlägt, nämlich. Man könnte sich nun fragen, wieso Diebe Velos verprügeln statt klauen – doch das ginge am Kern der Sache vorbei. Wir haben es mit einem veritablen Problem zu tun. Und weil es erfahrungsgemäss – denken Sie nur an die Sklaverei – Jahrzehnte dauert, bis für solch wichtige Geschäfte politische Lösungen parat sind, überlegt man sich besser heute schon, wie man sein Velo selber schützt. Wie man Selbstjustiz übt. Also kaufen Sie sich eine Knarre . . .Bitte! Etwas differenzierter sollten wir das Ganze schon angehen. Zum Beispiel mit dem Prinzip Hoffnung: Man summe Katie Meluas «There are Nine Million Bicycles in Beijing» und frage sich, wieso diese Velostrolche denn nicht nach China gehen. Ein schöner Gedanke, leider aber ein komplett sinnloser. Also kaufen Sie sich eine Knarre und nieten . . .Ganz ruhig. Es gibt sanftere Wege. Eine Knarre zu kaufen, ist die ganz harte Tour. Und überlegen Sie mal: Dann stellen Sie also Ihr Velo irgendwo ab und müssen so lang neben ihrer Gurke frieren, bis der Schurke endlich auftaucht? Da nimmt man doch gescheiter gleich das Tram. Dem können Sie schliesslich ruhig den Rücken zudrehen. Das klaut ihnen garantiert keiner. Also: Kaufen Sie sich besser ein Tram als eine Knarre. Das Rennvelo bleibt drin Doch um was geht es hier eigentlich? Darum, den Dieben keine Gelegenheit zu bieten. Sie könnten es also machen wie der Kollege, der seinen sauteuren Renner mehr liebt alles andere auf der Welt. Was zwar komisch, aber letztlich seine Sache ist. Seine Liebe geht jedenfalls so weit, dass er sich nicht mehr traut, mit seinem Renner auch nur einen Meter auf der Strasse zu fahren. Das kann doch nicht Sinn und Zweck eines Velos sein. Einen Vogel steckt man schliesslich auch nicht in den Kühlschrank, nur damit man ganz sicher ist, dass die Katze den Wellensittich nicht erwischt. Was also tun? Im folgenden ein paar Vorschläge: Machen Sie es wie die Mafia: Giessen Sie Ihr Rad in Beton, und versenken Sie es auf dem Seeboden. Ausser den Putztauchern der Seepolizei wird es dort garantiert keiner mitnehmen. Machen Sie es wie die Amerikaner im Kalten Krieg: Rüsten Sie auf, bis Sie die Welt dreimal in die Luft jagen können. Konkret: Hat das Nachbarvelo ein dünnes Schloss, nehmen Sie ein dickes. Hat das Nachbarvelo zwei Schlösser, nehmen Sie fünf. Ist das Nachbarvelo an einen Pfosten gebunden, fixieren Sie Ihres an einem dicken Baum. Sie verstehen das Prinzip. Ein halbes Jahr ins Salzwasser Empfehlenswert ist auch die gegenteilige Variante. Also machen Sie es wie die Sowjets nach dem Kalten Krieg: Rüsten Sie ab. Fehlt dem Nachbarvelo eine Bremse, nehmen Sie Ihrem neben Bremse gleich noch den Sattel ab. Hat das andere Velo einen platten Reifen: Lassen Sie Ihres mit zwei platten Reifen stehen. Ist das nächststehende Velo verrostet, tauchen Sie Ihres, bevor sie es das erste Mal benutzen, für ein halbes Jahr ins Salzwasser. Immer empfehlenswert sind daneben auch Beispiele aus der Natur. Machen Sie es wie die Gnus: Gehen Sie mit der Herde. Die tun das schliesslich auch nicht aus sozialen Gründen, sondern nur deswegen, weil der Löwe dann mit grösster Wahrscheinlichkeit den andern frisst. Stellen Sie Ihr Bike deshalb immer in den grössten Pulk. Verstellen Sie den Weg zu Ihrem Rad dabei mit ein paar besonders schönen andern Rädern. Dass ihr Nebenmann deswegen an die Kasse kommt, damit müssen sie leben. Sie werden gut damit leben. Oder machen Sie es wie ein Chamäleon. Streichen Sie Ihren Göppel in der Farbe der Wand, an die Sie es am liebsten anlehnen. Oder wie wärs mit den Holländern? Schweissen Sie ihr Rad an den Camper und fahren dann mit dem Wohnmobil in die Stadt. Oder machen Sie es wie die Nachtclubbesitzer: Stellen Sie einen Türsteher vor Ihr Rad. Selbstverständlich mit einer Gästeliste, auf der nur Sie stehen. Trost aus Buch und Film Und sollte das alles nichts helfen, dann vielleicht das: Lesen Sie bei einem guten Glas Wein Luigi Bartolinis Roman «Fahrraddiebe». Ein Buch voller wunderbarster Stimmungen. Es wird sie trösten und lehren: Seit es Velos gibt, werden diese auch geklaut. Sie sind also nicht der Einzige. Oder wie der Engländer in Fussballstadien zu singen pflegt: You’ll never bike alone. Für Nicht-so-Leser sei hingegen der Film «Ladri di biciclette» empfohlen, die Verfilmung von Bartolinis Roman oder Jörg Schneiders Hörspiel «De Velochlauer chunnt is Chefi». Helfen kann auch das Internet-Merkblatt der Stadt Zürich gegen den Fahrradklau. Auf dem steht: 1. Velos in einem abschliessbaren oder überwachten Raum einstellen. 2. Velo nicht nur abschliessen, sondern auch anschliessen. 3. Rahmennummer, Marke und Farbe des Velos auf den Abschnitt der Velovignette übertragen. Den Abschnitt aufbewahren. 4. Velos bei privaten Registern eintragen. 5. Einen Diebstahl bei der Polizei anzeigen und der Versicherung melden. 6. Kaufen Sie eine Knarre. Das Letzte war natürlich ein Scherz. Vielleicht sollten Sie sich aber ernsthaft fragen: «Wieso fahre ich eigentlich nicht mit Rollschuhen in die Stadt?» Kaufen Sie sich doch ein Tram. Dem können Sie getrost einmal den Rücken zudrehen – es klaut Ihnen garantiert niemand. Selbst Raubfische lassen Ihr Rad in Ruhe, wenn Sie es im Fluss parken. Foto: Doris Fanconi

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