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GC: Lauter Fragezeichen und eine Hoffnung

Das 1:3 gegen St. Gallen war die vierte GC-Niederlage im fünften Spiel. Wieder war kein Leader auszumachen. Jetzt hofft Trainer Sforza gegen Basel auf Smiljanic.

Yann Sommer blieb zwar stehen, aber eine Erklärung für das Geschehene fand er in diesem Moment keine. Er nahm einen Anlauf: «Das war ein bitterer Abend.» Dann brach der Goalie von GC ab. Und bat bald einmal um Erlösung. Er könne jetzt nicht mehr sagen, er verspüre nur eine Leere. Fünf Mal ist Sommer mit GC in dieser Saison bisher angetreten. Die Zwischenbilanz ist besorgniserregend: 4 Niederlagen, 3 Punkte, ein Trainer, der rätselt, warum das, was im Alltag geübt wird, am Wochenende wie vergessen scheint. Und: Absturz auf Platz 10. Letztmals fanden sich die Zürcher am 26. September - ausgerechnet nach einem 2:5 in St. Gallen - am Tabellenende wieder und das auch erst nur für eine Nacht. Diesmal ist es ein Zustand, der mindestens eine Woche anhält. Und allen Grund zum Nachdenken gibt. Sommer kam zurück vom Pflichtbesuch bei jenen Fans, die den Letzigrund nicht schon zur Pause fluchtartig verlassen hatten, als GC gegen St. Gallen hoffnungslos 0:3 im Rückstand lag. Noch länger als die Spieler hielt sich der Chef bei den Anhängern auf, um sie anzuhören und ihnen dann seine Sicht der Dinge zu erklären. Als sich Ciriaco Sforza auf den Weg zurück in die Kabine machte, trug er einen GC-Schal um den Hals. Er stellte klar: «Die Leute sind nicht auf mich hässig. Sie fragen sich einfach, was los ist und warum wir nicht in der Lage sind, 90 Minuten eine gute Leistung abzuliefern.» Sforza war getroffen, trotzdem, gezeichnet von einer schmerzhaften 1:3-Niederlage gegen einen Aufsteiger, der sich mit schnörkellosem Fussball innert 19 Minuten den optimalen Lohn abholte. Merenda, Muntwiler und Costanzo erzielten die Tore und beförderten die Defizite der Grasshoppers schonungslos an die Oberfläche. Sie düpierten eine Abwehr, die den Gegner zum Toreschiessen einlud. Basha war der bemitleidenswerte Aushelfer auf der linken Seite, als ausgebildeter Mittelfeldspieler auf dieser Position aber überfordert. Zumindest sah Sforza ein, dass er sich einen Fehlgriff geleistet hatte. Berbig: «Wenigstens nicht 0:6» Auf der Tribüne beschlich GC-Präsident Roger Berbig ein ungutes Gefühl: «Wer gegen St. Gallen 0:3 zur Pause zurückliegt und mit einem Mann weniger auskommen muss, dem kann es nicht wohl sein.» Als Berbig am Samstagabend nach Hause fuhr, war sein Trost der, dass «wir wenigstens nicht 0:6 verloren, sondern in der zweiten Hälfte zu zehnt kämpferisch dagegen gehalten haben.» Basha war ein Problem der Grasshoppers vom Samstag, aber er war gewiss nicht das Problem, das die dritte Niederlage in Folge alleine verursachte. Es gab andere, zum Beispiel Vallori und Colina im Zentrum oder Feltscher rechts, die Teil einer desolaten Gruppe in der ersten Halbzeit waren. Cabanas wurde gegen St. Gallen zur Pause ausgewechselt, aber es hätte genauso gut Salatic treffen können. Oder Rennella. Oder Callà. Kurz: Im Grunde jeden. Sforzas Überlegung, Cabanas zu befreien, war der: «Wir lagen 0:3 zurück, Cabanas hat keine einfache Situation. Es brachte nichts mehr. Aber wer das Gefühl hat, für mich sei er der Sündenbock, liegt grundlegend falsch.» Sforzas Strafe für Dos Santos Auffällig wurde am Samstag neuerlich, wie sehr es GC an Persönlichkeiten fehlt. Keiner bot sich an, die Rolle des Chefs auszufüllen. Antonio Dos Santos war dafür schon gar nicht infrage gekommen. Sforza missfiel dessen Einstellung unter der Woche, worauf er ihn aus dem Kader strich. Ein Fragezeichen ist Lulic, der in einem Training der vergangenen Tage schon einmal gegen einen Mitspieler ausfällig und dafür von Sforza vorzeitig nach Hause geschickt worden war. Am Samstag leistete er sich gegen Nushi eine Entgleisung und bekam als Strafe dafür die rote Karte. Damit lieferte er auch ein Indiz für seine Unzufriedenheit, die damit zusammenhängen könnte, dass YB ihn will, dass er wohl zu den Young Boys möchte - aber dass GC sich gegen einen Weggang sperrt. Smiljanic: 90 Minuten mit der U-21 Die am Samstag dazu gekommenen Zweifel und all die Fragezeichen halten Sforza nicht davon ab, den unerschrockenen Kämpfer zu geben, der unverdrossen versichert, der Weg werde fortgesetzt, das Kader habe Qualität, die Jugend werde zeigen, was sie könne. Allerdings wartet er sehnlich auf einen Mann, in dem er den Leader erkennt, der laut werden und die braven Kollegen aufrütteln soll: Boris Smiljanic. Der 32-Jährige tastet sich nach monatelanger Verletzungspause zurück. Mit der U-21 von GC absolvierte er den 1.-Liga-Meisterschaftsstart in Winterthur (4:1) über 90 Minuten. Sforza sagte danach: «Die Chancen, dass Boris gegen Basel schon zurückkehrt, schätze ich hoch ein.» Dass ausgerechnet der FCB als nächste Aufgabe gelöst werden muss, beunruhigt weder den Präsidenten noch den Trainer. Berbig weiss: «Der FCB liegt uns.» Sforza findet: «Ich sehe es als Vorteil für uns.» Und um alle möglichen und unmöglichen Gerüchte gleich aus der Welt zu schaffen, bekräftigt Berbig: «Es gibt keinen Grund zur Panik.» Und bei Sforza tönt es so: «Es wird nichts passieren.» Vielleicht erinnerte er sich bei diesen Worten an das vergangene Jahr. Genau heute vor einem Jahr kam es in Luzern zur Trennung. Nach 5 Runden und 4 Niederlagen.

St. Galler-Jubel nach dem 1:0 - verdutzte Gesichter und betretenes Schweigen auf der Bank der Grasshoppers.

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