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«Fussbad mit Zimt wirkt bei Schlafstörungen»

Alexander Simon und Hoa Thanh Huynh sind stolz, wenn sie Patienten heilen können, bei denen die Schulmediziner nicht mehr weiterwissen. Sie leiten das Zentrum für chinesische Medizin des See-Spitals in Horgen.

Mit Alexander Simon und Hoa Thanh Huyunh sprach Gaby Schneider Wo ist die chinesische Medizin der Schulmedizin überlegen? Alexander Simon: Es geht nicht um überlegen sein, sondern darum, dass sich die Schulmedizin mit der chinesischen Medizin auf wunderbare Weise ergänzt. Man kann damit mehr oder weniger alle Erkrankungen parallel behandeln. Parallel behandeln? Ein Besuch beim Schulmediziner und einer beim TCM-Arzt? Das treibt doch die Gesundheitskosten bestimmt in die Höhe. Simon: Im Gegenteil: Wenn dank der Zusammenarbeit von Schulmedizin und chinesischer Medizin zum Beispiel eine Allergie gut behandelt und schneller geheilt werden kann, dann bewirkt das gesamtwirtschaftlich enorme Einsparungen. Ist jemand lange krankgeschrieben, ist das viel teurer als die zusätzlichen Therapiekosten. Wann haben Sie zuletzt einen von der Schulmedizin aufgegebenen Patienten geheilt? Simon: Unlängst eine Patientin mit fehlender Knochenheilung nach Bruch und Operation oder etwa einen Patienten mit Weissfleckensucht/Vitiligo. Heisst das, dass man dieser Krankheit nicht immer ausgeliefert ist? Simon: Nein. Vitiligo ist schwer zu behandeln, die Behandlung ist aber nicht aussichtslos. Wir verordneten eine Kräutertherapie. Unser Patient hat jetzt wieder eine normale Pigmentierung der Haut. Chinesische Medizin basiert auf dem Gleichgewicht von Yin und Yang, auf östlichen Philosophien. Passt das in die westliche Welt? Hoa Thanh Huynh: Absolut, weil der wichtigste gemeinsame Nenner beider Medizinsysteme die Patientin oder der Patient ist. Die Chinesen haben ihre Patienten während 2000 Jahren genau beobachtet und behandelt. Damit haben sie einen grossen Erfahrungsschatz zusammengetragen. Die Auswirkungen des westlichen Lebensstils lassen sich hier bestens einordnen. Was täte dem Patienten sonst noch gut? Simon: Für gewisse Menschen kann eine Umstellung der Lebensgewohnheiten sinnvoll oder gar notwendig sein, beispielsweise eine Ernährungsumstellung. Was halten Sie vom Verzicht auf Kuhmilch? Die ist gemäss chinesischer Medizin bei Erkältungskrankheiten zu meiden, das würde verschleimen. Stimmt das? Simon: Kann sein, muss aber nicht. Wenn jemand andauernd erkältet ist, weil die Schleimhäute sehr trocken und rissig sind, kann Kuhmilch sogar hilfreich sein. Man muss jede Patientin und jeden Patienten individuell anschauen. Wären zwei Liter Tee täglich eine sinnvolle Ernährungsumstellung? Simon: Hier gilt das Gleiche. Es kann sinnvoll sein. In der chinesischen Medizin sind die Lebensmittel genau definiert, nämlich, ob sie erwärmen, kühlen, befeuchten oder unterstützen. Bei individueller Beurteilung können wir dem Patienten raten, was für ihn besser ist . Empfehlen Sie noch weitere Umstellungen ausser bei der Ernährung? Huynh: Nicht nur was, sondern auch wie und wann gegessen werden soll, ist wichtig. Wir geben aber auch Empfehlung zur Schlafhygiene oder zur Bewegungsoptimierung ab. Gewissen Patienten raten wir zum Verzicht auf Überanstrengung und zur Vermeidung von übermässigem Schwitzen. Es gibt ja auch Patienten, die mit der Schulmedizin nichts mehr am Hut haben. Können Sie da die Verantwortung tragen? Simon: Wir legen unseren Patienten die schulmedizinischen Sachverhalte und Optionen verständlich dar. Letztlich kann und soll der mündige Patient selber entscheiden, was er tun möchte. Sollte der Verzicht auf die konventionelle Medizin eine eindeutige Gefährdung darstellen, müssen wir die Patienten entsprechend aufklären und in Einzelfällen auch Behandlungen ablehnen. Wie läuft die Praxis? Es gibt ja am linken Ufer einige TCM-Angebote. Huynh: Was bei uns besonders ist: Wir arbeiten direkt mit dem See-Spital zusammen, und auch mit den Hausärzten pflegen wir regen Austausch. Ein weiterer Vorteil ist natürlich, dass wir beide deutschsprachig aufgewachsen sind und die Verständigung mit den Patienten kein Problem darstellt. Die Praxis läuft sehr gut, wir sind ausgebucht. Welche Kosten übernimmt die Grundversicherung? Huynh: Sie übernimmt einen grossen Teil der Behandlung. Wenn man keine Zusatzversicherung hat, muss man im Jahre 2011 Phytotherapien, das sind Kräutertherapien, noch selbst zahlen, Akupunktur hingegen wird übernommen. Ab nächstem Jahr wird auch die Phytotherapie in der Grundversicherung sein. Ein Gesundheitstipp für unsere Leser . . . Simon: Wer unter Schlafstörungen und kalten Füssen leidet, soll vor dem Schlafengehen ein heisses Fussbad mit einem Esslöffel Senfmehl oder Zimt anreichern – das wirkt auch bei häufigen Infekten. ist Jahrgang 1974, studierte an der Universität Tübingen Humanmedizin, bildete sich parallel zum Studium bei der Societas Medicinae Sinensis aus und erlangte das höchste universitäre Diplom für chinesische Medizin im deutschsprachigen Raum. Der Facharzt für Allgemeinmedizin ist Dozent für chinesische Medizin und Leiter eines Qualitätszirkels für Hausärzte. ist Jahrgang 1973 und hat an der Universität Bern Humanmedizin studiert. Danach bildete er sich an Schweizer Spitälern zum Facharzt für Innere Medizin aus. Das Studium der chinesischen Medizin absolvierte er in Zürich und München, danach folgten Weiterbildungen in Shanghai. Ausserdem absolvierte er ein Nachdiplomstudium in TCM mit Schwerpunkt Hauterkrankungen. (gs) Hoa Thanh Huynh (links) und Alexander Simon.Foto: Manuela Matt

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