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Fusion der Saubermänner

Umbruch in der regionalen Wäschereibranche: Die Hinwiler Firma Grob geht in der Wetziker Firma Ehry auf.

Von Michael von Ledebur Durchgeschleudert, eingedampft, in die Mangel genommen: Was den Kleidern während eines professionellen Waschgangs widerfährt, würde man seinem ärgsten Feind nicht wünschen. Das Prinzip gleicht der Haushaltswaschmaschine, doch der Waschparcours in Reto Grobs Wäscherei erinnert eher an eine Produktionsstrasse in einem Fertigungsbetrieb. Geschleudert wird mit 350-facher Erdbeschleunigung. Und die Flachwäsche – Bett- oder Tischtücher – macht im wahrsten Wortsinn Bekanntschaft mit der Mangel: einer Maschine, die mittels mehrerer Walzen das Restwasser aus dem Stoff presst und mit grosser Energiezufuhr verdampfen lässt. In ihrem jetzigen Zustand wird Reto Grobs Wäscherei allerdings bald nicht mehr existieren. Die meisten Maschinen werden in wenigen Tagen ab- und andernorts wieder aufgebaut. Der 60-jährige Wetziker gibt die 1948 von seinem Onkel gegründete Firma nach 30 Jahren als Geschäftsführer auf. Es ist ein Abschied auf Raten. Reto Grob hat sein Geschäft in drei Teile aufgesplittet und übergibt jedes Drittel separat. «Es war mir wichtig, für meine 25 Mitarbeitenden ein Plätzchen zu finden», sagt Grob. Dies sei ihm bis auf zwei Ausnahmen auch gelungen. Neubau in Hinwils Industrie Die Flachwäsche, die gut zwei Drittel des Volumens ausmacht, geht an zwei Wäschereien in Eschenbach respektive Wallisellen. An der Hinwiler Wildbachstrasse verbleibt der Bereich Hemden, Kleider und Übergewänder. Doch auch das nur auf Zeit: Grob geht eine Partnerschaft mit der Wetziker Firma Ehry ein. Nach und nach wird er seinen Anteil an Daniel Hauser übergeben, den Inhaber der Firma Ehry. Im kommenden Jahr wird die fusionierte Firma einen neuen Standort beziehen, einen Neubau im Hinwiler Industriegebiet. Reto Grob hat sich damit abgefunden, dass der Firmenname nach 62 Jahren verschwindet. Er schaut der Übergabe mit Erleichterung entgegen. «Dieser Betrieb steht und fällt mit mir», sagt er. «Der Rucksack auf meinen Schultern hat sich mit jedem Jahr schwerer angefühlt.» Einige seiner Maschinen sind seit Jahrzehnten in Betrieb, und der technikbegeisterte Grob ist der Einzige im Betrieb, der sie reparieren kann. Ökologie als Verkaufsargument Die Fusion und der Neubau in Hinwil bedeuten auch für die Traditionsfirma Ehry einen Einschnitt. Ausgerechnet zum hundertjährigen Jubiläum verlässt sie Wetzikon und zieht nach Hinwil. Er stosse an die Kapazitätsgrenze, sagt Inhaber Hauser. Seitdem er die Firma im Jahr 1996 übernommen hat, hat sich die Zahl der Angestellten von 8 auf 20 erhöht. Anders als Grob ist Hauser als studierter Jurist ein Quereinsteiger. «Ich habe Potenzial gesehen», begründet er seinen damaligen Entscheid, die Firma Ehry zu übernehmen. Er hat seine chemische Reinigung auf ökologisch orientierte Produktionsweise umgestellt und verzichtete als landesweit Erster komplett auf den Einsatz von Chlor. Mit den Preisen der Billig-Anbieter könne er zwar nicht mithalten; dort würde aber weder auf Umwelt noch Arbeitsbedingungen Rücksicht genommen. Hauser setzt auf Kunden, die nicht nur auf den Preis schauen. Er kooperiert seit längerem mit Coop und hat für den Grossverteiler ein Konzept für die chemische Reinigung erarbeitet. Mit Grob und Ehry fusionieren ein klassischer Wäschereibetrieb und eine chemische Reinigung. Ein Unterschied, der kleiner geworden ist, seit die chemischen Reinigungen vor einigen Jahren damit begonnen haben, ihre Geschäftstätigkeit auszuweiten. «Die Umsätze sind immer stärker unter Druck geraten», erzählt Hauser. Da habe man sich anderweitig orientieren müssen – nicht gerade zur Freude der Wäschereiinhaber, entgegnet Grob. Heute trägt der Hemdenservice mengenmässig 70 Prozent des Umsatzes der Firma Ehry bei – 1000 Hemden wäscht und bügelt sie pro Tag. Von Grob übernimmt Hauser in erster Linie Firmenkunden. Der prominenteste ist Sauber Motorsport. Nach jedem Formel-1-Rennen werden jeweils 250 Hemden, 120 Hosen, 600 Socken, 120 Shirts und 35 Boxenkombis auf den Schleuder-Parcours geschickt. Daniel Hauser (links) wäscht künftig auch die Hemden der Kunden von Reto Grob.Foto: Nicolas Zonvi

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