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Funk und Berner Rock am Zürichsee-Festival

Am Samstag heizten die Bands The Bullet, George und Soul Jam dem Publikum im Zolliker Gemeindesaal ein. Das 8. Festival bot Soul, Funk und Mundart-Rock.

Von Willy Neubauer Zollikon – Die letzte Gruppe ist das Highlight des Abends. Sozusagen das Sahnehäubchen des Zürichsee-Festivals, vormals Swiss Artist Music Festival. Das vorwiegend mittelalterliche Publikum im Gemeindesaal Zollikon fährt auf die Gruppe Soul Jam ab wie ein Rennpferd im Finish, das die Peitsche des Jockeys spürt. Kein Wunder – spielt die Funk- und Soul-Formation doch all die Titel, mit denen das Publikum aufgewachsen ist. Die Songs von Aretha Franklin bis Joe Cocker werden auf einem satten Bläserteppich perfekt interpretiert. Das Spezielle an Soul Jam: Sie haben keine eigentliche Leadsängerin. Anna Kvist Hasler, Rita Blattmann und TV-Moderatorin Cornelia Bösch wechseln sich als Frontfrau ab, während die zwei anderen jeweils den Background geben. Anneke Ludwig, die normalerweise das Trio zum Quartett macht, fehlt leider krankheitshalber. Das schlägt sich in der Qualität des Acts aber nicht nieder. Hühnerhaut bei Joplin-Song Die drei singenden Frauen und die sieben Männer mit ihren Instrumenten liefern eine Show mit heissem Sound, der direkt in Hüften und Füsse geht. Vor der Bühne tanzen Mütter mit ihren Kindern, Paare und Einzelkämpfer, was die Sohlen hergeben. Und auch das bisher eher distinguierte Publikum an den Tischen geht begeistert mit. Mit «Just want to make love to you», mit dem Muddy Waters einen grossen Hit landete, überzeugt Anna Kvist mit ihrer grossartigen Stimme. Als Höhepunkt steht sie allein auf der Bühne und interpretiert ohne Begleitmusik «Mercedes Benz» von Janis Joplin, nur begleitet vom Klatschen des Publikums. Die Szene erzeugt Hühnerhaut. Die gross gewachsene Rita Blattmann mit ihrem atemberaubenden Rückendécolleté überzeugt mit «Son of a Preacherman». Und der wirbligen Cornelia Bösch gebührt Respekt für ihre Interpretation von «Respect». Amüsant auch, Joe Cockers «You can leave your hat on» von Frauen interpretiert zu hören. Bandsenior George Klee hüpft wie wild über die Bühne und begeistert mit seinem Tenor-Sax. Auch ein anderer George steht an diesem Abend auf der Bühne: George Schwab, der mit seiner Band schon seit zehn Jahren Berner Mundart-Rock macht. George ist musikalisch in der Nähe von Gölä anzusiedeln und singt schnelle Titel oder Balladen. Die Band war mit einer ihrer vier CDs während Wochen in den internationalen Charts vertreten. Am Zürichsee-Festival stellen sie vor allem Titel aus ihrem aktuellen Album «Buuregiel» vor. Der charismatische Frontman spielt für und mit dem Publikum und überzeugt mit seinen Texten zum Nachdenken nicht nur die mitgereisten Fans, sondern auch die anwesenden Seebuben und -mädchen. «Normalerweise kommt das Publikum sofort zur Bühne und tanzt mit», sagt der sympathische Berner. In Zollikon dauerts ein wenig länger, bis der Funken springt, aber dann macht das Publikum mit. 15-jährige Rockstars Das Entree bestreitet eine Newcomerband. The Bullet aus dem Zürcher Seefeld spielt seit zwei Jahren rockige Mundart-Eigenkompositionen. Die vier Jugendlichen um die 15 Jahre wollen Rockstars werden. Das ist auch der Titel eines ihrer selbst komponierten Songs. Laut, aber gut stellen sich Aljoscha, Leon, Gianluca und Drummer Vasco dem Publikum vor. Aljoscha, der Frontman, interpretiert gefühlvoll eine Liebesballade. Der Applaus ist dementsprechend. Das Zürichsee-Festival präsentiert auch unter neuem Namen gute Musik und einen interessanten Mix aus Jung und Alt. Veranstalter Hansjürg Renggli ist zufrieden, hätte sich aber noch ein paar Zuschauer mehr aus Zollikon gewünscht. Wenns es doch schon gute Musik direkt vor der Haustür gibt. Der Berner George und seine Band waren mit ihrer CD wochenlang in den internationalen Charts. Foto: René Kälin

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