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Fribourgs kleine Revolution

Unter Trainer René Matte sucht Klotens Gegner neue Leidenschaft.

Von Philipp Muschg Wenn die Kloten Flyers heute in der ausverkauften BCF-Arena in Freiburg auf den Tabellenachten treffen, ist das für das Heimteam weit mehr als die Begegnung mit einem möglichen Playoff-Gegner. Vor allem ist es eine Gelegenheit, zu zeigen, dass die handstreichartige Absetzung von Trainer und Sportchef Serge Pelletier, der dieses Team über fünf Jahre aufgebaut hat, die richtige Entscheidung war. Zehn Tage nach der kleinen Revolution stehen die Spieler nicht weniger in der Pflicht als die Vereinsführung und Interimstrainer René Matte. Sie alle sind Teil einer Vereinsposse, die von verschwundenen Verträgen über verschwörerische Spieler bis zu zerbrochenen Freundschaften nichts auslässt. Anlass zu Gottérons Palastrevolte war das Spiel vom 6. Februar in Lugano. 5:2 führte Fribourg acht Minuten vor Schluss, dann kassierte es vier Tore. Am nächsten Tag rief Präsident Laurent Haymoz ein halbes Dutzend Schlüsselspieler zum vertraulichen Gespräch. «Alle sechs haben einstimmig gesagt, dass es Pelletier an Charisma und Kommunikationsfähigkeit fehle», erklärte darauf Haymoz, der als ehemaliger Vize der Freiburger Kantonalbank beste Verbindungen zum Hauptsponsor hat. Noch am selben Abend wurde Pelletiers Entlassung beschlossen. Heute steht deshalb erstmals René Matte als Cheftrainer in der NLA im Einsatz. Pelletiers bisheriger Assistent soll dafür sorgen, dass Gottéron wieder jenes Feuer zeigt, das der Drache als sein Wappentier verheisst. «An System und Taktik ändern wir nichts», kündigt Matte an, «aber wir wollen mehr Leidenschaft, mehr Engagement und Intensität zeigen.» Zurück zur Assistentenrolle Für den 38-jährigen Québécois ist die unverhoffte Beförderung eine grosse Chance, sich als Trainer zu präsentieren. Doch sie hat auch einen Preis: Mit Pelletier, der ihn vor viereinhalb Jahren aus dem kanadischen Junioren-Eishockey nach Europa holte, hat er seit dessen Entlassung kein Wort mehr gewechselt. Dass ihm sein ehemaliger Chef mangelnde Unterstützung vorwarf, geht ihm nahe, und wenn Matte betont, dass er nach dieser Saison wieder in die Rolle des Assistenten zurückkehre, so nennt er als ersten Grund dafür «Respekt für Serge Pelletier». Der zweite Grund ist weniger persönlich: Es sei nicht gut, beim selben Klub als Trainer anzufangen, bei dem man zuvor Assistent gewesen sei, findet der Kanadier, der noch ein Jahr an Gottéron gebunden ist. Das Spiel gegen die Flyers ist so gesehen auch Mattes erstes Bewerbungsschreiben. Sein Vorgänger hat derzeit weniger Grund zur Nervosität. «Ich werde wohl zu Hause sitzen und mich entspannen», plant Pelletier den heutigen Abend. Er schaue derzeit kein Eishockey, brauche Distanz und wolle das Geschehene in Ruhe verarbeiten, sagt er. Nicht alles wird indes ohne Klubkontakt zu bewältigen sein – sein Vertragsverhältnis zum Beispiel. Während Pelletier, der seinen Jahreslohn auf 400 000 Franken beziffert, nämlich schwört, seinen Kontrakt bis 2013 verlängert zu haben, sieht der Präsident das ganz anders. «Haymoz war am 28. Januar in meinem Büro, und wir haben beide unterschrieben», sagt Pelletier. «Wir haben zwar über eine Verlängerung diskutiert», kontert Haymoz in der welschen Presse, «aber ich habe nur einen einzigen Vertrag vorliegen – und der gilt bis 2012. Ich leide doch nicht an Alzheimer!» Kaum anzunehmen, dass sich die beiden Parteien vor Saisonende darauf geeinigt haben, wer hier lügt. Dass Fribourgs leidenschaftlicher Präsident seinem einstigen Angestellten auch in dieser Angelegenheit eines Tages mangelndes Engagement vorwirft, darf allerdings bezweifelt werden. Der alte und der neue Coach: Serge Pelletier (rechts) und René Matte.Foto: Foto-net

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