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Fitnesspapst Werner Kieser will es nochmals wissen

Der 70-jährige Krafttraining-Pionier will den Markt neu aufrollen und eröffnet sechs Studios, zwei davon in Zürich. Die Konkurrenz nimmt es gelassen.

Von Martin Huber Zürich – Die sechs neuen Krafttrainingscenter werden Anfang 2011 in Zürich, Basel, Bern, Frenkendorf BL und Kreuzlingen TG eröffnet, wie die Kieser Training AG gestern mitteilte. In Zürich wird es an der Lessingstrasse in der Enge und an der Binzmühlestrasse in Oerlikon neue Studios geben, im September 2011 soll ein weiteres direkt neben dem Prime Tower folgen. Doch Kieser will noch höher hinaus: Innert drei bis fünf Jahren soll die Kette auf 30 Studios anwachsen, wie Sprecher David Fritz sagt. Auch in der Zürcher City und in Winterthur soll es Kieser-Filialen mit medizinisch betreuter Kräftigungstherapie geben. Bruch mit Franchisenehmer Damit startet der inzwischen 70-jährige Unternehmer und «Hohepriester der Kraft», wie ihn die «Frankfurter Allgemeine» kürzlich nannte, nochmals durch. Grund für den Neustart ist der Bruch mit dem bisherigen Franchisenehmer. Diesem hatte Kieser Ende der 80er-Jahre im Zug der Expansion nach Deutschland seine Schweizer Fitnesszentren verkauft. Später wollte er diese wieder zurückkaufen, doch die Verhandlungen mit der jetzigen Besitzerin, der Ärztin Sandra Thoma, scheiterten. Deshalb führt Thoma die 19 bisherigen Schweizer Kieser-Zentren ab 2011 unter dem Namen Exersuisse weiter. Kieser, seit 40 Jahren im Fitnessgeschäft, denkt nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen. «Ein Burn-out befürchte ich auch nicht», sagte er gestern am Telefon aus Venedig, wo er die Kunstausstellung Biennale besucht. Er ist zuversichtlich, dass er mit der neuen Kette Erfolg haben wird. Die Standorte seien «sehr interessant», sein Konzept habe sich bewährt, und die Marke sei international bekannt. Kieser betreibt 150 Filialen in Europa, Australien und Singapur. Zudem hält der gelernte Schreiner und ehemalige Boxer den Fitnessmarkt in der Schweiz für noch nicht gesättigt. «Das vorhandene Potenzial wurde nicht voll ausgeschöpft.» Kieser selber, der am Zürichberg wohnt, hält sich in seinen Studios fit: «Wenn Sie jung sind, wollen sie trainieren, wenn Sie alt sind, müssen sie es.» Auch in den neuen Studios bleibt er seinen Prinzipien treu und setzt auf reines Krafttraining; Ausdauergeräte wird es weiterhin nicht geben. Für Cardio-Training, so Kieser, seien kurze, intensive Anstrengungen wirksamer als stundenlanges Rennen. Den Aufbau der neuen Kette lässt sich Kieser einiges kosten. Laut Sprecher David Fritz kommt die Einrichtung eines Studios auf rund 1 Million Franken zu stehen. Bei den Abo-Preisen will man sich nicht auf Preis-Dumping einlassen. Die Preise werden sich im Branchenvergleich «eher im oberen Mittelfeld» bewegen. Anschluss verpasst? Mit den neuen Kieser-Studios verschärft sich der Konkurrenzkampf im dicht besetzten Fitnessmarkt. Branchenleader ist nach der Übernahme von Activfitness die Migros, dahinter folgt Exersuisse. «Wir befürchten keine Abwanderung von Kunden», sagt Andrea Ming, Leiterin Freizeitanlagen Migros. Kieser sei auf eine andere Klientel ausgerichtet als die Migros-Fitnessparks mit ihrem Wellness- und Badebereich. Auch Sandra Thoma von Exersuisse ist nicht beunruhigt: «Wir sind zuversichtlich, dass die Kunden uns die Treue halten werden.» Laut Claude Ammann, Präsident des Schweizer Fitness- und Gesundheitscenter-Verbandes, hat der Fitnessmarkt Schweiz vor allem noch Potenzial bei den über 50-Jährigen. Skeptisch ist Ammann, ob sich Kieser mit seiner reinen Krafttrainingsphilosophie durchsetzen kann. Die Branche habe sich weiterentwickelt, und der Trend gehe weg vom reinen Fitnesstraining in Richtung Lebensstilberatung. Da müsse Pionier Kieser aufpassen, dass er mit seinem Konzept nichtden Anschluss verpasse. «Wenn Sie jung sind, wollen Sie trainieren, wenn Sie alt sind, müssen Sie es.» Werner Kieser

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