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FDP und SVP auf der Verliererstrasse FDP und SVP auf der Verliererstrasse

Die Atom-Katastrophe in Japan könnte im Kanton Zürich für die politische Wende sorgen. Grünliberale, und Grüne und auch SP sind im Aufwind. Das zeigt die zweite Isopublic-Umfrage zu den Wahlen im April.Die Atomkatastrophe in Japan könnte im Kanton Zürich für die politische Wende sorgen. Grünliberale, Grüne und auch SP sind im Aufwind. Das zeigt die zweite Isopublic-Umfrage zu den Wahlen im April.

Von Daniel Schneebeli Zürich – Bei der ersten Umfrage zu den Kantonsratswahlen vom 3. April sah alles noch ganz anders aus. Die FDP schien auf gutem Weg und konnte leicht zulegen. Noch besser sah es für die SVP aus. Sie profitierte von der Attacke eines linken Aktivisten auf Nationalrat Hans Fehr vor der Albisgüetli-Tagung. Weniger gut schnitt damals Grün-Rot ab. Sowohl SP wie Grüne verloren 1 knappes Prozent an Wählerstimmen. Japan- statt Fehr-Effekt Inzwischen ist der «Fehr-Effekt» verpufft und durch den «Japan-Effekt» abgelöst worden. Die Ereignisse im AKW Fukushima prägten die zweite Isopublic-Umfrage. Die meisten Befragungen fanden vor dem 11. März statt. In den 200 Interviews, die danach durchgeführt wurden, ist aber der Einfluss der Katastrophenmeldungen deutlich zu sehen. Gemäss Isopublic-Geschäftsführer Matthias Kappeler ist er gar enorm: «Ich erwarte bedeutend grössere Abweichungen zwischen dieser Umfrage und den effektiven Wahlresultaten.» Entscheidend sei wohl, wann die Stimmberechtigten ihre Wahlzettel ausfüllen. Laut Kappeler hatten am 14. März erst rund 3 bis 5 Prozent der Stimmberechtigten bereits gewählt. DieFDP leidet am stärksten unter dem «Japan-Effekt». Im Vergleich mit der ersten Umfrage verliert sie 1,6 Prozentpunkte und hat nur noch 14,7 Prozent Wählerstimmen. Wenn man nur die Interviews nach den ersten Katastrophenmeldungen berücksichtigt, ist der Einbruch bei der FDP gar dramatisch: Nur noch 11,9 Prozent wollten freisinnig wählen. Damit wäre die FDP noch die fünftstärkste Partei im Kantonsrat. Die SVP gehört ebenfalls zu den Verlierern. Sie bleibt zwar deutlich die stärkste Partei, hat aber nur noch 28?Prozent der Wählerstimmen – fast 4 Prozentpunkte weniger als bei der ersten Umfrage. Parteipräsident Alfred Heer nimmt die negative Tendenz zur Kenntnis und hofft, dass sie zum Weckruf für Partei und Wähler wird: «Jetzt ist ein Endspurt nötig.» Einen Meinungswandel in der AKW-Frage hält Heer für falsch. In der Schweiz gebe es keinen Handlungsbedarf. Wenn man Schweizer AKW abstelle, müsse man Atomstrom aus dem Ausland importieren, und das sei nicht besser. Heer hofft, dass man in den nächsten Tagen wieder andere Themen diskutiert – etwa den «drohenden EU-Beitritt» oder die Zuwanderung. Bei derSP ist Parteipräsident Stefan Feldmann erleichtert und zuversichtlich, dass es am 3. April wieder für mehr als 20 Prozent der Stimmen reicht. Gemäss Umfrage wären es sogar 21,1 Prozent der Stimmen – über 2 Prozentpunkte mehr als in der ersten Umfrage. Den Zuwachs führt Feldmann auf die Energiepolitik der SP zurück: «Wir sind die älteste Anti-AKW-Partei der Schweiz.» Entscheidend für den Wahlausgang sei, wie sich die Lage in Japan entwickle. DieGrünen hatten vor sechs Wochen, wie die SP, zu den Verlierern gehört. Das sind sie in der aktuellen Umfrage nicht mehr. Sie legen 1 Prozentpunkt zu und kommen neu auf 10,7 Prozent. Wenn nur die Interviews nach dem 11. März berücksichtigt werden, wären es sogar 12,2 Prozent. Trotz der guten Aussichten äusserte sich Co-Parteipräsident Philipp Maurer gestern wenig euphorisch: «Es ist traurig, dass es fürs Umdenken in der Energiefrage solche Ereignisse braucht.» Maurer erwartet bei den Wahlen am 3. April zwar einen klaren «Japan-Effekt», aber keine riesigen Umwälzungen. Er bezweifelt die statistische Relevanz der Umfrage. «Diese steht wegen der knappen Datenmenge auf wackligen Füssen.» Dagegen wehrt sich Matthias Kappeler. «Wer das sagt, versteht wenig von Statistik.» Wegen des unberechenbaren Einflusses der Atomkatastrophe müssten die Resultate mit Vorsicht genossen werden. «Statistisch reicht die Datenmenge absolut», sagt Kappeler. Die Umfragen vor den US-Präsidentschaftswahlen basierten auch nur auf 1000 Interviews. DieGrünliberalen sind die eigentlichen Sieger der zweiten Umfrage. Die meisten Stimmen, welche im bürgerlichen Lager verloren gehen, fliessen ihnen zu. Die GLP gewinnt 3,2 Prozentpunkte und kommt auf 9,5 Prozent der Stimmen. 12,9 Prozent wären es sogar, wenn man nur den Befragungsteil nach dem 11. März berücksichtigte. Die GLP wäre in diesem Fall nach SVP und SP die drittgrösste Partei im Kantonsrat. GLP-Präsident Thomas Maier nimmt erfreut zur Kenntnis: «Wenn die Wahlen wirklich so herauskommen, wäre das ein Traum.» Maier erwartet allerdings, dass sich der «Japan-Effekt» in den nächsten zwei Wochen noch abschwächt. BDP wird scheitern Die christlichen ParteienCVP,EVPundEDU können vom «Japan-Effekt» nicht profitieren. Sie verlieren weiter an Gewicht. Bereits bei der ersten Umfrage hatten sie zu den Verlierern gehört. Besonders deutlich ist der Rückschlag für die EVP. Bei den Wahlen 2007 hatten sie noch einen Wähleranteil von 5,2 Prozent. Gemäss neuster Umfrage wären es nur noch 3,2 Prozent. DieBDP kommt auf einen Wähleranteil von 2,0 Prozent. Nach Einschätzung von Kappeler wird sie wohl an der 5-Prozent-Hürde scheitern und den Sprung ins Parlament verpassen. Analyse Seite 9 «Wenn die Wahlen wirklich so herauskommen, wäre das ein Traum.» Thomas Maier, Präsident GLP

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