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Falscher Glamour

One Day von Thomas Bodmer Liebesdrama Dass Dexter bei Emma im Bett landet, ist eigentlich ein Betriebsunfall: Der verwöhnte Sohn aus gutem Hause mag normalerweise keine Frauen, die Fotos von Nelson Mandela aufhängen, Platten von Nina Simone hören und gegen Atomwaffen protestieren. Aber bei der Feier zum Abschluss ihres Studiums haben Dexter und Emma tüchtig getrunken, und plötzlich sind nur noch sie zwei übrig geblieben. Man würde erwarten, dass die beiden so verschiedenen Menschen einander nie wieder sehen. Doch im Roman «One Day» (deutsch: «Zwei an einem Tag») erzählt uns der Engländer David Nicholls, was Emma und Dexter am 15. Juli jedes Jahres treiben, von 1988 bis 2004. So ist einer der liebenswertesten Romane der letzten Jahrzehnte entstanden, auch ein kommerzieller Erfolg, und so was gehört natürlich verfilmt. Die Zeichen dafür standen gut: Die Struktur des Romans eignet sich für einen Film, Nicholls selbst schrieb das Drehbuch, und Regie führte die Dänin Lone Scherfig, der wir so erfreuliche Filme wie «Wilbur Wants to Kill Himself» und «An Education» verdanken. Doch da es sich um eine Koproduktion handelt, setzten die amerikanischen Koproduzenten durch, dass Emma von der Amerikanerin Ann Hathaway («The Devil Wears Prada») gespielt wird, und die ist nun mal viel zu glamourös und urban für Emma, die im Buch aus einfachen Verhältnissen stammt und einen dicken nordenglischen Akzent hat. Mit einer grossen Brille, Strubbelhaaren und Schlabberröcken kann Hathaway ihrem Image zunächst zwar recht gut entgegenwirken, aber richtig warm wird man mit ihrer Emma so wenig wie mit dem Dexter von Jim Sturgess, der doch im Beatles-Musical-Film «Across the Universe» viel Charisma bewiesen hatte. Kommt hinzu, dass der Film ganz viel antippt, aber nichts vertieft. So wirkt die im Buch so wichtige Beziehung von Dexter zu seiner Mutter hier nur behauptet, und dabei wird die Frau von der grossen Patricia Clarkson gespielt. Weshalb man sagen muss: Die sehr schöne Leinenausgabe des Buchs von Kein & Aber kostet nur Fr. 24.90, das Taschenbuch bei Heyne gar bloss 14.90, also entschieden weniger als ein Kinobillett, und man hat entschieden mehr davon. Ann Hathaway und Jim Sturgess beim Versuch, uns für sie zu interessieren.

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