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Es war kein guter Schwingtag

Der 80. Bachtelschwinget gewann mit Daniel Bösch ein St. Galler. Die meisten Zürcher klassierten sich bei der ersten Hauptprobe fürs Eidgenössische weit hinten.

Von Bettina Ledergerber, Bachtel-Kulm Bei den ersten Paarungen im ersten Gang am Samstag auf dem Bachtel entschied meist schon ein Schwung über Sieg oder Niederlage. Als ob sich niemand lange im nassen Sägemehl wälzen wollte. So legte auch der Schönenberger Gwerder Andreas den Kohler Fredi aus Pfäfers aufs Kreuz. Ein Schwung, ein Sieg. «Den hätte ich verlieren können, doch der Gegner griff zu wenig konsequent», sagte Gwerder bescheiden. Danach verlor er Gang zwei, drei und vier. Doch allfällige Tränen des Frusts oder der Enttäuschung hätte der fast ununterbrochen fallende Regen weggespült. Der Dampf der verschwitzten Körper war kaum von den tief hängenden Nebelschwaden zu unterscheiden. Die Holzschnitzel neben den Sägemehl-Ringen versanken allesamt im Schlamm. Mit ihnen die Zuschauer. Knöcheltief. Auch das Fluchen der jungen Helfer des organisierenden Schwingklubs Zürcher Oberland sagte einiges aus: Der Samstag war kein guter Schwingtag. Nur etwa 400 Zuschauer anstelle der erwarteten 1500 kamen auf den Kulm. Dabei war der Bachtelschwinget mit den für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest selektionierten Schwinger des Nordostschweizerischen Schwingerverbands (NOS) hochkarätig besetzt. Auch wenn die Schwingerkönige Jörg Abderhalden wegen einer Pressekonferenz und Arnold Forrer wegen einer Verletzung absagen mussten. Der Bachtelschwinget bildete für die NOS-Schwinger zusammen mit dem Rickenschwinget von gestern die Hauptrobe. Die NOS-Schwinger posierten auch für die «Schweizer Illustrierte» und probierten die neue Einheitskleidung an. Zwei Unfälle Trotzdem – der Samstag war kein guter Schwingtag. Vor allem für die Zürcher. Zehn der elf Selektionierten kamen auf den Bachtel. Für zwei von ihnen war der Wettkampf nach drei Gängen schon wieder vorbei. Fabian Kindlimann aus Wald und Martin Truninger aus Kollbrunn verletzten sich. Für beide wie auch für Lukas Nigg, der wegen einer Nackenverletzung nicht antrat, ist die Teilnahme am Eidgenössischen im August jedoch nicht in Gefahr. Von den selektionierten Zürchern gewannen Markus Spörri (Gibswil-Ried, Rang 6b), Jodok Huber (Bergdietikon, 10a), Andreas Gwerder (12g) und Andreas Kindlimann (Arnegg, 13d) eine Auszeichnung. Urs Meier (Obfelden, 15c), Jürg Halbheer (Steg, 16b), Samir Leuppi (Winterthur, 16c), Remo Boss (Knonau, 17a) klassierten sich dafür zu weit hinten. Das wird zäh Das Eidgenössische, das werde «zäch» für die elf Zürcher Schwinger, sagte der routinierte Oberländer Markus Spörri. Das Ziel sei, trotzdem irgendwie mitzuhalten. Die Zürcher haben laut Spörri eine besondere Stellung innerhalb des NOS: «Vor 20 Jahren waren wir sehr stark. Es wird natürlich ausgekostet, dass dies nicht mehr so ist.» Nicht nur wegen des Wetters war die Stimmung unter den NOS-Schwingern an diesem Wochenende speziell: Beim Bachtelschwinget und gestern auf dem Ricken war man Gegner. Beim Eidgenössischen heisst es, sich gegenseitig zu unterstützen. Denn in den ersten Gängen bestehen die Paarungen aus Schwingern unterschiedlicher Teilverbände. «Für einen Sieg am Eidgenössischen braucht man acht bis zehn Unterstützer», sagt Fabian Kindlimann. Acht bis zehn, die auch mal einen Gang stellen, um den Gegner zu schwächen. Es heisst, dass bei den favorisierten Bernern der Zusammenhalt besonders gut sei. Die meisten Schwinger auf dem Bachtel spüren einen gewissen Teamgeist auch im NOS. Auch wenn Andreas Gwerder meinte: «Vielleicht schauen doch zu viele nur für sich selber.» Die Zeit auf dem Bachtel nutzte er jedenfalls, um mit den NOS-Kollegen Gespräche zu führen und neue Kontakte zu knüpfen. Teamgeist überbewertet Für Markus Spörri wie auch für den Spitzenschwinger Urban Götte (Stein SG) wird die Kameradschaft innerhalb der Teilverbände überbewertet. «Wir haben es gut untereinander. Wichtig ist, dass jeder sein Bestes gibt. Und so viel mehr fürs Team machen die Berner auch wieder nicht», sagte Götte, der im Schlussgang Sieger Daniel Bösch (Zuzwil SG) unterlag. Das Schwingfest auf dem Bachtel ging wegen des schlechten Wetters bereits nach fünf Gängen zu Ende. Gruppenbild der Zürcher Eidgenossen im neuen Einheitstenue nach einem verregneten Bachtelschwinget. Von links machen Samuel Leuppi, Jodok Huber, Remo Boss, Daniel Kauer, Reto Fritschi, Fabian Kindlimann, Andreas Gwerder, Urs Meier und Jürg Halbheer gute Miene zum nass-kalten Nachspiel. Foto: David Baer

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