Zum Hauptinhalt springen

«EM-Tickets gabs auf Intervention»

Die fussballerisch im Glattal gross gewordene Marina Keller hat als beste Schweizer Spielerin ein aufregendes Jahr hinter sich. Trotz Ruhm und Ehre wurde ihr aber nichts in den Schoss gelegt.

Marina Keller, heute Montagabend wird im Berner Kursaal an der 12. Nacht des Schweizer Fussballs die neue Spielerin des Jahres geehrt. Wen haben Sie als Ihre würdige Nachfolgerin im Visier? Eine Frage, die nicht einfach zu beantworten ist. Es gibt ein paar, die sich die Auszeichnung verdient hätten und denen ich all die Erlebnisse, die ich machen durfte, von Herzen gönnen würde. Als heisse Kandidatin wird Ramona Bachmann gehandelt, die mit 19 Jahren schon bei Umea IK spielt und in den Landesauswahlen eine zentrale Figur ist. Werden Sie bei der Amtsübergabe nochmals zu einem öffentlichen Auftritt gelangen? Ich denke kaum. Schon bei meiner Wahl spielte die abtretende Titelträgerin keine Rolle mehr, und ich erhielt auch keine Einladung. Trotzdem werde ich gemeinsam mit meinen Kolleginnen von der A-Nationalmannschaft der Gala beiwohnen. Wir liessen uns alle ein Kleid für diesen speziellen Anlass anfertigen. Ihre Wahl vor gut einem Jahr hat Sie unvermittelt ins Rampenlicht katapultiert. Welcher Moment oder welche Begegnung wird in bester Erinnerung bleiben? Das ganze Jahr war etwas Besonderes. Angefangen hat es mit der Krönung. Ich wusste zwar vorgängig, dass sich die Jury für mich entscheiden würde. Trotzdem war es ein überwältigendes Gefühl, als ich auf die Bühne gerufen wurde. Danach kam ich zu vielen Medienauftritten. Zu Beginn war es eine völlig fremde Welt für mich. Doch im Umgang mit der Presse durfte ich viele lehrreiche Erfahrungen sammeln. Machten Sie auch negative Erfahrungen? Ja. Für die Sendung «10 vor 10» sollte ich im EM-Vorbereitungscamp der Schweizer in Lugano mit Stephan Lichtsteiner ein Interview führen. Dabei hat mich ein aufdringlicher Journalist von einem anderen Medium belagert und wollte partout wissen, welcher Fussballer mir optisch am ehesten zusagen würde. Ihm ging es nicht um die Sache oder um meine Wertschätzung, sondern nur um eine plumpe Boulevardaussage. Doch glücklicherweise war er nicht repräsentativ. So habe ich in diesem Jahr aus meinem Umfeld enorm viele positive Reaktionen erhalten. Bestimmt konnten Sie auch profitieren. Wofür bekamen Sie alles einen Freipass? Dieser Eindruck trügt. Finanziell und im Sponsoringbereich sprang nichts heraus. Ursprünglich waren nicht einmal EM-Tickets vorgesehen. Erst auf meine Intervention liess sich der Schweizer Fussballverband umstimmen und offerierte mir zwei Karten für Schweiz gegen Portugal. Die Tür ins Ausland konnte Ihnen der Titel auch nicht öffnen. Zu Beginn der Saison 2008/09 lag ein Angebot von Freiburg vor. Der Aufwand war aber zu gross und hätte sich mit meinem beruflichen Engagement nicht vereinbaren lassen. Deshalb musste ich die Anfrage ausschlagen. Der Sprung ins Ausland bleibt aber eine Option. Wie hat sich eigentlich das gesteigerte Interesse auf Ihre Leistungen auf dem Rasen ausgewirkt. Eher beflügelnd oder hemmend? Sowohl als auch. Einerseits war es eine Motivationsspritze. Andererseits setzte ich mich selbst stärker unter Druck. Doch ich denke, dass ich mich trotz kleineren Verletzungen gut beweisen konnte. * Marina Keller (25) wechselte im Jahr 2000 nach Schwerzenbach und nimmt ihre neunte Saison für den NLA-Klub in Angriff, der neu nur noch Grasshoppers heisst. Seit Mitte 2006 bestritt die zweifache Cupsiegerin mit dem A-Nationalteam 17 Einsätze in der Defensive. Keller stammt aus Freienbach und arbeitet in einem 80-Prozent-Pensum als Hochbauzeichnerin.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch