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Eine Studentin wird Konditorin

Seraina Grob ist Jungunternehmerin. Sie stellt in ihrer Freizeit ausgefallene Pralinen her und bäckt Kuchen für spezielle Anlässe

Von Heidi Tschachtli Uster – «Ich hätte gerne eine Geburtstagstorte für einen alten Sack.» Solche Bestellungen sind für Seraina Grob kein Problem. Sie hat dem Kunden den Wunsch erfüllt und ihm einen Kuchen in der Form eines alten Sacks gebacken. In ihrer «Süssfabrik» mitten im Wohnquartier in Uster kreiert sie aber auch andere Leckereien. Die junge Frau mit burschikoser Kurzhaarfrisur und Augen wie Bambi teilt sich hier eine Vierzimmerwohnung mit ihrem Lebenspartner. In einem der Zimmer hat sie ein Atelier eingerichtet. Dort produziert und vertreibt sie per Post ausgefallene Pralinenkreationen aus Rotwein, Ingwer-Joghurt oder Rosenmarzipan, Tafeln schwarzer Schokolademit Himbeeren sowie Torten und Kuchen. Um ihre Kreativität auszuleben, bedarf es keiner grossen Investitionen: Arbeitstisch, Teigmaschine, Kühlschrank, Schwingbesen, Tortenschaufeln, Verpackungsmaterial und natürlich die Zutaten. Wie bei allen Schokoladenherstellern üblich, sind gerade Letztere streng geheim. Ideenmangel kennt die umtriebige Jungunternehmerin nicht, in ihrem Kopf entstehen ständig neue Schöpfungen. «Klar schaue ich auch gerne in die Auslagen der grossen Confiseure in der Stadt Zürich», sagt sie. «Ich will aber anders sein.» Geld von den Eltern Die experimentierfreudige Zuckerbäckerin kam auf Umwegen zu ihrem Traumberuf. Nach Auslandaufenthalt und abgebrochenem Psychologie-Studium suchte sie sich eine Praktikumsstelle bei einem Konditor. In Chur fand sie schliesslich nicht nur ihre Berufung, sondern auch ihren Lehrmeister. Er war es auch, der sie in die traditionelle Herstellung von Schokoladenprodukten einführte – die Idee einer eigenen «Home-Confiserie» begann zu spriessen. Der Chef liess sie in ihrem Einfallsreichtum gewähren und verkauft in der Folge noch heute den Klassiker ihrer Kreationen, die weisse Schokolade mit Mohn und Apfel. Finanzielle Unterstützung gab es von den ursprünglich aus Chur stammenden Eltern. Sie übernahmen während dieser Zeit die Kosten für die Wohnung, wohl nicht zuletzt deshalb, weil ihr Vater als junger Mann einen ähnlichen Traum hatte. Nach der Lehre wagte Seraina Grob erneut einen kurzen Abstecher, diesmal an die Hochschule für Lebensmitteltechnologie. Die Arbeit mit den Händen und die Gewissheit, etwas zu erschaffen, habe ihr dabei aber rasch gefehlt. Pralinen als Nervennahrung Seit Anfang Jahr arbeitet die 27-Jährige in Tagesschichten als Pâtissière in einem Hotelbetrieb und ist dabei glücklich. Die Betriebszeiten in der Konditorei machten ihr zu schaffen. «Ich kann mir momentan nicht vorstellen, wieder um zwei Uhr nachts aufzustehen. Das verunmöglichte ein anständiges Sozialleben und belastete die Beziehung zu meinem Freund», sagt sie und schaut auf die Uhr. Es ist zehn Uhr morgens. Bald muss sie weg und eine neue Schicht beginnt. Als Kontrast zu der klar vorgegebenen Arbeit im Grossbetrieb kann sie sich in ihrer «Süssfabrik» kreativ austoben. Hier probiert sie neue Rezepte aus und bekommt dabei Hilfe von ihrem Lebenspartner. Ihm fällt die leckere Aufgabe zu, als Erster die neuen Erzeugnisse zu kosten. Er habe den richtigen Gaumen und wisse, worauf es ankomme, sagt Grob. Sie selber schwärmt von Schokolade direkt aus dem Kühlschrank, was dem echten Kenner einen Stoss mitten ins Herz versetzen mag. «Jeder soll auf seine Weise geniessen und die eigene Geschmacksnote herauslesen», bekundet sie ihre klare Meinung dazu. Deshalb besetzt sie ihre Produkte auch kaum mit Attributen wie Fruchtnote, Bitterkeit und Schmelz. «Es ist ganz einfach: Entweder es schmeckt dem Gaumen oder eben nicht.» Von ihrer Kundschaft erhält sie jedenfalls immer wieder positive Rückmeldungen. Und ein Käufer schwört in Stresssituationen geradezu auf die Pralinen als Beruhigungsmittel. Er bezeichnet sie «als Nervennahrung.» Ein Kompliment, das Grob stolz macht. Bereit für süsse Aufträge: Seraina Grob mit ihrer Teigmaschine.Foto: Christoph Kaminski

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