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Eine sportliche Idee, die noch lange nicht im Ziel ist

Zum 30. Mal findet dieses Wochenende der Greifenseelauf statt. Seine Gründer holten damit das Glücksgefühl des New-York-Marathons nach Uster.

Uster. - Für den einstigen Olympioniken Markus Ryffel gilt: «Durch die Idee entsteht das Ziel.» Was aber, wenn sich die Idee über 30 Jahre weiterentwickelt? Das «Stadion Natur» um den Greifensee war nicht nur die Trainingsanlage von Urs und Markus Ryffel, es war auch der Nährboden einer Leidenschaft. Die Idee, einen Volkslauf in dieses «Stadion» zu holen, entstand indessen 1977 auf den Strassen New Yorks.

Es war Ryffels erster Marathon, nach welchem er nicht nur an Wadenkrämpfen litt. Auch das Volkslauffieber hatte sich seiner bemächtigt. «Das Privileg mit der Weltspitze zu laufen, war berauschend - auch wenn ich dafür nicht genügend vorbereitet war.» Auf ihrer Heimreise vom Big Apple hatten die Ryffel-Brüder dieses Glücksgefühl im Gepäck. «Der Entschluss stand fest, wir wollten es nach Uster holen.» Dies war die Geburtsstunde des heute grössten Schweizer Halbmarathons - des Greifenseelaufs. Und heuer jährt sich der Volkslauf zum 30. Mal.

Erst war die Idylle, dann die Distanz

Die Vorstellung eines Marathons um den Greifensee verwarfen Urs und Markus Ryffel - die Läufer hätten zweimal das Gewässer umrunden müssen - zugunsten der Idylle. So erstreckte sich der erste Greifenseelauf über 18 Kilometer. Usters ehemaliger Stadtpräsident Hans Thalmann erinnert sich daran, als wäre es gestern gewesen: «Die Kulisse der Strecke nahe am Seeufer war malerisch, in der Luft hing Moorgeruch.»

Mittlerweile laufen die Sportler nicht mehr die schilfbestandenen Ufer entlang. «Die Strecke ist zwar weniger romantisch, dafür interessanter, seit sie ins Herz der Stadt führt», findet Thalmann.

Und sie ist länger. Denn seit 1992 nehmen die Läufer am Greifensee die Halbmarathondistanz von 21,1 Kilometern in Angriff. Aber nicht nur die Strecke ist im Laufe der Zeit gewachsen, dies tat auch das Teilnehmerfeld und mit ihm das Organisationskomitee. «Anfangs bestand dieses aus meinem Bruder, einer Hand voll Freunden und mir», blickt OK-Präsident Urs Ryffel zurück. Heute zeichnen 20 Personen für den Anlass mitverantwortlich.

In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Teilnehmerzahl mehr als verzehnfacht: Während 1980 an der Niederustermer Schifflände 1400 Läufer an den Start gingen, haben sich für den diesjährigen Greifenseelauf rund 15 200 Sportler angemeldet - rund 10 530 für den Halbmarathon. Dies bricht gar den im Jahre 2006 aufgestellten Teilnehmerrekord von 14 205 Teilnehmern. «Die Grösse der Veranstaltung, aber auch die Erwartungen der Läufer fordern von uns eine immer professionellere Organisation», sagt der Technische Leiter des Laufs, Peter Börlin. Dass dies für die Ryffel-Brüder kein Stolperstein ist, weiss Hans Thalmann: «Für Urs und Markus ist charakteristisch, dass sie immer weiterdenken.» So war der Greifenseelauf der erste Volkslauf in der Schweiz, an welchem die Athleten mit einem Chip für die Zeitmessung an den Start gingen. «Auch das nahmen wir aus New York mit», sagt Markus Ryffel. «So gesehen, ist unsere Idee nie im Ziel. Trotzdem haben wir in dieser Zeit vieles erreicht.» So fanden 1998 in Uster die Halbmarathon-Weltmeisterschaften statt - heuer sind es erstmals die Schweizer Meisterschaften.

Auch wenn sich der Lauf-Jubilar weiterentwickelt und den technischen Errungenschaften anpasst, blieb in Thalmanns Augen ein wichtiger Charakterzug seit seinen Anfängen erhalten: die Atmosphäre. Auch in Uster wollten die Läufer möglichst schnell ins Ziel, weiss er. «Dabei ist aber die Stimmung im Teilnehmerfeld sehr freund-läuferisch geblieben.» Bei anderen Läufen habe das freundschaftliche Kolorit mit steigenden Teilnehmerzahlen abgenommen. Thalmann wird dieses Jahr zum 24. Mal an den Start gehen - mit seiner Frau in der Walking-Gruppe. «Ich bin überzeugt, dass all die Kategorien dazu beitragen, dass der Greifenseelauf noch immer ein richtiger Volkslauf ist.» So können die Kleinsten gemeinsam mit ihren Eltern starten, Kinder können sich auf kürzeren Distanzen messen, während die Mehrheit beim Halbmarathon antritt.

Keine Angst um die Zukunft

Das Herz des Grossanlasses sind auch nach 30 Jahren noch Urs und Markus Ryffel. Was aber, wenn die beiden persönlich im Ziel sind? Markus Ryffel wird um die Zukunft nicht bange: «Wir haben ein grossartiges OK um uns herum, welches diese Idee mit- und weiterträgt.» Der Greifenseelauf findet am Samstag, 19. September, ab 12.30 Uhr statt.

Das Organisationskomitee des Greifenseelaufs ist in den Startlöchern. Es erwartet dieses Jahr eine Rekordteilnahme.

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