Zum Hauptinhalt springen

Eine Spezialistin für komplizierte Operationen auf dem Wasser

Die Zahnärztin Rebecca Ort verlässt ihre Praxis oft frühzeitig und geht auf dem Zürichsee trainieren. Nicht umsonst ist sie die derzeit beste Wakesurferin der Welt.

Von Andrea Söldi Bäch – Rebecca Ort wärmt sich an einer Tasse voll heissem Tee. Eben ist sie dem 7,5 Grad kalten Wasser des Zürichsees entstiegen und hat den Neoprenanzug abgestreift. Bis auf die langen Haare ist sie rundum trocken geblieben. Entspannt steht sie nun bei minus 3 Grad im Jachthafen Bächau und schaut auf den trüben See hinaus. Nein, kalt sei ihr nicht. Ginge es nach ihr, würde sie das ganze Jahr hindurch wakesurfen (siehe Kasten). Frieren würden dabei lediglich ihre Begleitpersonen auf dem Boot. Wenn die zurzeit weltbeste Wakesurferin auf ihrem Brett steht, wirkt sie dabei so locker wie manch anderer beim Feierabendbier an der Bar. Hie und da setzt sie an zu einer flinken Drehung oder gleitet elegant über die Welle. «Beim Wakesurfen kann ich völlig abschalten», sagt die 33-Jährige, «ich denke dann an nichts anderes.» Ein Leben ohne Sport – für Rebecca Ort undenkbar. Bevor sie ihr Zahnmedizinstudium aufnahm, hatte sie intensiv Tennis gespielt. Das frass ihr jedoch zu viel Zeit weg. Deshalb hat sie eine Alternative gesucht und so ziemlich alle Bretter ausprobiert, mit denen man übers Wasser gleiten kann: Sie übte sich im Windsurfen, im Wellenreiten, Wakeboarden und Kitesurfen. «Sport bietet mir einen Ausgleich zur Arbeit», sagt die Zahnärztin, die seit 5 Jahren eine Praxis in Bülach führt. Damit sie zweimal in der Woche früh genug aufhören kann, um noch auf den See hinauszufahren, hat sie eine Vertretung angestellt. Mehr Qualität in der Schweiz Rebecca Ort trainiert mindestens viermal die Woche zusammen mit ihrem Mann Holger, der die Wakesurfboards in der eigenen Firma herstellt. In die Schweiz gekommen ist das deutsche Paar, weil Rebecca die Arbeitsbedingungen in ihrer Heimat unattraktiv fand. «Zahnärzte arbeiten in Deutschland unter Zeitdruck. Darunter leidet die Qualität.» In der Schweiz könne sie sich für eine Füllung mehr Zeit nehmen, dafür halte diese dann auch länger. Zudem lockten hier die Seen und die Berge. Das Wakesurfen entdeckte Rebecca Ort vor 4 Jahren. Sie schätzt es, dass sie den Sport nicht allzu weit von ihrem Wohnort Wettswil betreiben kann. In den letzten zwei Jahren hat sie sämtliche Wettbewerbe gewonnen, unter anderem dieses Jahr die Surfstyle-Weltmeisterschaften in Minneapolis und im Sommer das Wakesurf-Festival am Walensee. Am liebsten sind der angefressenen Sportlerin die Vor- und Nachsaison, wenn auf dem Zürichsee nicht allzu viel Verkehr herrscht. Während die anderen sich mit viertelstündigen Trainingseinheiten begnügen, steht sie gerne zwei Stunden am Stück auf dem Brett. Die anspruchsvollen Tricks müssen wieder und wieder geübt werden, zum Beispiel die 180-Grad-Drehung in umgekehrter Richtung, die sie als einzige Frau beherrscht. «Für mich wäre es ein Stress, keinen Sport machen zu können», sagt Rebecca Ort. Dabei wirkt sie so ruhig, dass man sich ohne zu zögern bei ihr auf den Zahnarztstuhl legen würde. Zwei Stunden am Stück übt Rebecca Ort im kalten Wasser ihre Tricks – andere haben nach 15 Minuten genug.Foto: Patrick Gutenberg

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch