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Ein Team, ein Kampf, ein Feuer

4 Spiele in 8 Tagen in 3 Wettbewerben: Das Zürcher Team pendeltzwischen Meisterschaft, Cup und Königsliga.

OrtsterminIn der Garderobe von Voléros Volleyballerinnen bei der Matchvorbereitung Von Monica Schneider, Oerlikon Wenn alle stehen, ist die Kabine voll. Nicht nur in der Breite und Länge, sondern auch in der Höhe. Denn ein gutes Dutzend Spitzenvolleyballerinnen atmet im Vergleich zu einem Schwarm Kunstturnerinnen Höhenluft. Und wenn alle stehen in der Garderobe der Schul- und Sportanlage Im Birch in Oerlikon, einen Kreis bilden und jede einen Arm in die Mitte streckt, dann ist es Zeit für das beschwörende Ritual, das jeder Spielerin von Voléro Zürich ein Bekenntnis abringt, egal, ob sie später tatsächlich auf dem Feld steht oder als Ersatzspielerin das Geschehen aus einer Hallenecke mitverfolgen wird: «One team, one fight, one fire, one Voléro!» Captain Mandy Wigger (23) hat den Schlachtruf fast kreischend angestimmt, die anderen sind in gleicher léro. Von Räumlichkeiten, in denen sich die Frauen aus acht Nationen zu den derzeit unangefochtenen Leaderinnen im Schweizer Volleyball umziehen, kann keine Rede sein. Es ist ein Räumchen, an Nüchternheit nicht zu überbieten, nackte Betonwände, kalter Fussboden, die üblichen schmucklosen Kleiderhaken und Holzbänke, ein Oberlicht über der Tür, das kein Oberlicht hereinlässt, weil sich das Räumchen im Untergeschoss befindet. Aber das spielt alles keine Rolle, one fight, one fire. 30 Grad Unterschied Es ist früher Samstagabend einer speziell langen Woche, in der vier Partien in acht Tagen in drei Wettbewerben mit dreissig Grad Temperaturunterschied gespielt sein wollen. Es ist mucksmäuschenstill in der Garderobe, neben den Protagonistinnen sind auch Teammanager Constantino Franzoso, Assistenztrainer Timo Lippuner und Athletiktrainer Jürgen Schreier da. Trainerin Swetlana Ilic spricht mit ihrer tiefen Stimme ruhig, fast leise, in Englisch, und sie spricht nur kurz. Sie wolle die Spielerinnen in diesem Moment nur noch einmal erinnern, sagt sie später. Erinnern an das, was einen Tag zuvor bei der Videoanalyse schon ausführlich besprochen worden war. Das Team aus Düdingen ist Gast, Siebter in der Tabelle. «Passt auf die Libera auf, behaltet die Seiten im Auge.» Von den «Twin towers» sagt sie nichts. Düdingen hat die Zwillinge Ann und Claire Recht im Team, und diese haben es dank ihrer Einzigartigkeit im Volleyball und ihrer Grösse von 2,02 m zum Guinness-book-of-records-Eintrag gebracht. Die 0:3-Niederlage gegen Voléro allerdings werden auch sie nicht abblocken können. Die Zürcherinnen gewannen eine Woche zuvor in der Meisterschaft gegen Aesch-Pfeffingen, am Mittwoch in der Champions League auf Teneriffa gegen den spanischen Meister La Laguna, Düdingen ist also der dritte Gegner, bevor am Sonntag um vier Uhr noch der Cup-Achtelfinal in Biel ansteht (und mit einem 3:1-Sieg endet). «Vergesst die Emotionen vom Mittwoch», mahnt Ilic, «konzentriert euch auf die Aufgabe von heute.» Königsliga: alles ist gross So weit, so unspektakuläre Anweisungen. So unterschiedlich die Wettbewerbe, so anspruchsvoll aber die richtige Fokussierung und Einstellung der Spielerinnen. «Die Meisterschaft ist sozusagen ein langfristiges Projekt, wir haben mit jedem Spiel eine neue Chance», sagt die Trainerin, während sich ihr Team in der Halle aufwärmt. «Im Cup ist der Druck grösser und die Herausforderung vor allem eine mentale. Wir wissen, dass wir gewinnen müssen.» Bleibt die Champions League. Da ist alles gross, der Druck, die Anforderungen, die Erwartungen. Mittlerweile aber auch die Chancen. Die Achtelfinalqualifikation ist möglich. Der gute Geist Der stille Beobachter hätte, bevor sich die Runde in der Kabine auflöst, noch erwartet, dass Ilic jene Spielerinnen bestimmt, die zu Beginn auf dem Feld stehen. Aber auch dazu verliert sie noch kein Wort. Alle wissen, in einer solch befrachteten Woche kommt jede mehr oder weniger lang zum Zug. Und alle wissen auch, was die Trainerin von den Ersatzspielerinnen hält. «Sie bedeuten mir gleich viel wie die anderen – wenn nicht sogar mehr. Sie müssen für die gute Stimmung neben dem Feld sorgen, frische Luft bringen, wenn es nicht läuft, ihre Verantwortung ist also die gleiche wie die der andern oder noch ein bisschen grösser.» Zwei Minuten vor dem Beginn herrscht dann auch über Spielen oder Nichtspielen Klarheit. Der Geist ist der gleiche, auf und neben dem Feld. Es ist ein guter, weil ein professioneller. Beschwörendes Ritual mit Trainerin Swetlana Ilic (3. von links) in der Kabine: Die Zürcherinnen sind bereit für die Partie.Foto: Christoph Kaminski

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