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Ein sonderbares Gericht

Der Fall Bono (7) Zürich – Die Anwältin Caroline Bono bekam es 2008 mit dem Zürcher Handelsgericht zu tun. Dem Gremium gehörten nebst zwei Oberrichtern drei Handelsrichter der 1. Kammer an (Banken- und Versicherungen). Alle drei stammten aus der Versicherungsbranche. Bono klagte gegen die Zürich-Versicherung und forderte eine Entschädigung für die schweren gesundheitlichen, beruflichen und finanziellen Folgen eines Auffahrunfalls im November 2002. Obwohl ihr alle Fachärzte attestierten, sie leide unter Unfallfolgen, befand das Handelsgericht, der Grund für ihre Beschwerden sei nicht das «banale Auffahrereignis»; ursächlich seien die Belastungen als Mutter, Hausfrau, getrennt lebende Ehefrau, Juristin und Seminarleiterin. Das Kassations- und das Bundesgericht schlossen sich dieser Auffassung an. Der TA berichtet seit Mai 2009 über den Fall. Aus dem Amt geschieden Zwei der drei Handelsrichter sind nicht mehr im Amt, wenn auch aus verschiedenen Gründen: Hans Nigg war Direktionsmitglied der Winterthur und der XL Insurance. 2007 wurde er Partner in einer Zürcher Anwaltskanzlei, übernahm Mandate von grösseren Schweizer Versicherungsgesellschaften und vertrat diese auch vor dem Handelsgericht. Nigg trat Ende letzten Jahres zurück, weil das Gesetz diese Doppelrolle als Handelsrichter und Parteienvertreter nicht mehr erlaubt. Marianne Bolliger war Vizedirektorin der Swiss Life. Bei ihrer Wiederwahl zur Handelsrichterin im Jahr 2007 wohnte sie ausserhalb des Kantons. Als sie im Fall Bono richtete, hätte sie also gar nicht mehr im Amt sein dürfen. Mittlerweile hat sie demissioniert. Kürzlich hat das Zürcher Kassationsgericht ein Urteil des Handelsgerichts aufgehoben, weil ein Richter nicht wie gesetzlich vorgeschrieben im Kanton Zürich wohnte. Nun überprüft das Bundesgericht, welche Auswirkungen die Doppelrolle des Handelsrichters Nigg auf das Urteil im Fall Bono hat. Die Rechtsanwältin hofft, dass ihr Fall neu verhandelt wird.(res) www.bono.tagesanzeiger.ch

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