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Ein Schnäppchen in Pink für die Liebsten

Weil der Inhaber eines Lederwarengeschäfts in Embrach die Miete nicht mehr zahlen konnte, ist das Inventar versteigert worden.

Von Karin Wenger Embrach – In der Luft schwebt der Duft feinsten Leders. Damenhandtaschen, praktische Aktentaschen und Necessaires für den Herrn, Lederjacken, Büromappen, Kreditkartenetuis und Portemonnaies, daneben Kisten mit Jutetaschen, ein Kühlschrank, eine Kaffeemaschine und verschiedene Bürogeräte – im Ladenlokal an der Bankstrasse in Embrach stapeln sich die Waren. Und alles muss weg. Der Mieter des Ladens hatte den Zins nicht mehr bezahlt und ist spurlos verschwunden. Ein Fall für das Betreibungsamt Embrachertal (vgl. Kasten). Rund 50 Personen begutachten die Waren. Stück für Stück wird an diesem Nachmittag versteigert. Mindestgebot ist 1 Franken. Auch für die edlen Damenhandtaschen, die regulär gut und gerne 150 Franken kosten. Das lässt Frauenherzen höher schlagen. Allerdings sind die Interessenten bei der Versteigerung vor allem Männer. «Einen Teil der Leute, die hier stehen, habe ich am Morgen bereits an einer Gant in Basel gesehen», sagt einer der anwesenden Herren. Es seien Händler, welche die Ware später weiterverkaufen würden. Er selber übrigens auch. Mindestangebot 1 Franken «Hier haben wir eine schöne Damenhandtasche. 1 Franken ist das Mindestgebot – wer bietet mehr?» Der Betreibungsbeamte Michele Pasquariello hält das pinkfarbene Teil in die Höhe. «Meine Frau hat eine Hose in derselben Farbe», sagt Alex Fehr und schaut zu, wie die Tasche für 5 Franken den Besitzer wechselt. Er selber sei gekommen, weil er ein neues Portemonnaie suche. «Am liebsten eins mit etwas Geld drin», scherzt der Embracher. Er sei schon öfter an Versteigerungen gewesen. Eine wunderschöne Lampe habe er schon einmal ergattert und einen praktischen Rucksack. Die nächste Tasche ist schwarz und geht für 15 Franken über den Ladentisch. Es folgen Aktentaschen, Necessaires und eine Lederjacke. Als die Registrierkasse an die Reihe kommt, überschlagen sich die Angebote. 150 Franken ist das Letzte. Bei den Kisten mit Weintaschen aus Jute beginnen sich zwei Händler zu zanken. «Eine Kiste für jeden von uns», meint der eine. Der andere will aber beide Kisten und bekommt sie schliesslich auch. Dann sind wieder Damenhandtaschen an der Reihe. Alex Fehr hat sich inzwischen entschieden. Frühlingshaft pink mit glänzenden Schnallen ist das Stück, das er für 20 Franken ersteigert. Finanziell würden sich solche Versteigerungen nicht unbedingt lohnen, sagt Diana Caruso, Sachbearbeiterin des Betreibungsamts. «Es geht vor allem darum, dass alles weggeht und der Hausbesitzer das Ladenlokal wieder vermieten kann.» Das kann er nun, denn am späteren Nachmittag sind die Ladengestelle leer und Mobiliar, Computer, Kaffeemaschine, Kühlschrank, Telefon und Registrierkasse verschwunden. Caruso ist zufrieden mit dem Ausgang der Versteigerung. Rund 3000 Franken haben sich zusammengeläppert.Auch Alex Fehr hat es nicht bei dem einen Schnäppchen belassen. Mit einer zweiten Tasche für seine Enkelin, einer schicken Lederjacke für seine Frau, einer weiteren Handtasche in Rehbraun und vier Portemonnaies verlässt er das Lokal mit zufriedenem Gesicht. Der Embracher Alex Fehr will mit den ersteigerten Taschen Ehefrau und Enkelin eine Freude machen. Foto: Johanna Bossart

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