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Ein Openair, das seiner Ideologie treu bleibt

An diesem Wochenende fand in Wetzikon zum 20. Mal das Schlauer-Bauer-Openair statt. Während sich die Welt völlig verändert hat, ist der Anlass der gleiche geblieben.

Wetzikon. - Die Kühe des Bio-Bauern, die gewöhnlich auf der Lichtung oberhalb von Wetzikon weiden, müssen ihre Wiese am Wochenende den Besuchern des Schlauer-Bauer-Openairs überlassen. Am Sonntagmorgen liegt fast andächtige Stille über dem Festgelände. Die meisten müssen sich von der durchfeierten Nacht erholen und liegen schlafend in ihren Zelten. Einige Frühaufsteher warten auf ihr Frühstück oder grillieren ihre mitgebrachten Würste über dem grossen Feuer. Wegen des 20-Jahr-Jubiläums haben die Veranstalter eine zusätzliche Bühne aufgestellt, sodass seit Donnerstagabend fast ohne Unterbruch Bands wie The Dreadnoughts, Squizophrenia, Elijah and the Dubby Conquerors oder Gigi Moto auftreten konnten. Neben den Konzerten wurde den Zuschauern ein Bauerntheater geboten, in dem Bauern aus der Region und die Wetziker Polizei mitspielten. Eine Ausstellung informierte über die 20-jährige Geschichte des Openairs. Trotz des teilweise trüben Wetters ist Gregor Lichtenthäler, Mitglied des OK, zufrieden. Er sei erstaunt darüber, dass auch dieses Jahr wieder etwa 1000 Besucher da gewesen seien. Openair schon häufig kurz vor Aus Dass Lichtenthäler eine positive Bilanz ziehen kann, ist nicht selbstverständlich, wie ein Blick in die Geschichte des Openairs zeigt. Mehrmals stand die Veranstaltung kurz vor dem Aus wie zum Beispiel 1996, als die Organisatoren einen Verlust von 70 000 Franken einfuhren. Jedes OK-Mitglied musste damals 10 000 Franken auftreiben, damit der Anlass im nächsten Jahr durchgeführt werden konnte. «Da wir auf grosse Sponsoren verzichten, hängt alles davon ab, wie gut das Openair besucht wird», sagt Lichtenthäler. Der Regen habe ihnen schon häufig einen Strich durch die Rechnung gemacht. Um die Löcher in der Openair-Kasse zu stopfen, werde nach einem schlechten Openair jeweils ein Benefizkonzert veranstaltet. So sei es trotz Schwierigkeiten immer irgendwie weitergegangen. «Reich werden wir mit dem Openair aber sicher nicht», sagt Lichtenthäler. Im Vordergrund stehe eine spezielle Ideologie. Dafür lohne es sich immer. Grundsätze, die sich nicht ändern Angefangen hatte alles 1987. «Damals wollte eine Gruppe Jugendlicher in Hinwil einen Anlass durchführen, bei dem auf Werbung für Sponsoren verzichtet wird und der ökologisch nachhaltig ist», erzählt Iris Täschler, die eine dieser Jungendlichen war, heute aber ihren Platz im OK für die zweite Generation geräumt hat. Was klein anfing und Wald-Openair Hinwil hiess, wurde zu einer grossen Veranstaltung. Die jungen Hinwiler mussten bereits im dritten Jahr ein neues Gelände suchen, da sich Anwohner über den Lärm ärgerten. Erst 1990 wurden sie in Wetzikon fündig. Aus dem Wald-Openair Hinwil wurde das Schlauer-Bauer-Openair. Mit dem Neubeginn kamen auch sechs Grundsätze, an die sich die Organisatoren bis heute halten und die der Veranstaltung ihr ideelles Gesicht geben. So zum Beispiel, dass das Openair familien- und kinderfreundlich sein soll oder dass auf Sponsoring von Banken, Zigarettenfirmen und «moralisch und ethisch abgestürzten Firmen» verzichtet werden soll. «So kommt es, dass es bei uns bis heute kein Cola gibt», so Täschler. Zudem sollen nur Bands auftreten, die wirklich «etwas zu sagen haben» und nicht nur «aus Fassade bestehen». Auf ökologisch bewusstes Verhalten wird geachtet, indem nur Bio-Produkte verkauft werden und kein Wegwerfgeschirr verwendet wird. Es sei durchaus möglich, dass man hier mit Silberbesteck esse, sagt Lichtenthäler. Trotz dieser Grundsätze wollten sie nie ideologisch extrem werden, versichert Täschler. Das OK habe sich schon immer aus Personen mit unterschiedlichen politischen Meinungen zusammengesetzt. Als man sich damals auf die Grundsätze geeinigt habe, seien viele Openairs von grossen Konzernen «kommerziell annektiert» worden. «Auf diese Weise wurden viele Anlässe kaputt gemacht», sagt Täschler. Die Mitglieder des Gründungs-OK wollten das verhindern. Da alle Entscheidungen stets einstimmig gefällt wurden, hätten sie damals Nachmittage damit verbracht, kleinste Details auszudiskutieren. «Das war extrem mühsam.» Heute sei das anders. «Das ist das Einzige, was sich in 20 Jahren am Openair verändert hat», so Täschler. Und das, obwohl sich die Welt seit 1990 völlig gewandelt habe. Darauf sind am Festival alle stolz.

Iris Täschler war schon vor 20 Jahren, als das Schlauer-Bauer-Openair zum ersten Mal durchgeführt wurde, mit von der Partie.

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