Zum Hauptinhalt springen

Ein mobiler Jugendtreff soll den Lärm verteilen

Die Idee eines Jugendtreffs in einem alten Bauwagen kommt bei den Gemeinden gut an. Experten beurteilen das Vorhaben kritisch.

Von Dominique Marty Unteres Furttal – Seit Jahren sucht der Trägerverein Unteres Furttal (Tjuf) nach einem neuen Jugendhaus – bislang erfolglos. Nun will der Verein einen ganz neuen Weg prüfen, um einen Treff für die Mädchen und Buben aus Boppelsen, Dänikon, Hüttikon und Otelfingen einzurichten: Ein alter Bauwagen soll abwechselnd in den vier Dörfern haltmachen. Darin darf sich die Jugend versammeln. «Mit diesem Konzept erreichen wir die Jugendlichen ganz anders als mit einem festen Jugendraum, und auch der Lärm verteilt sich so auf alle Dörfer», sagt Silvia Beständig, Präsidentin des Tjuf. Entschieden ist noch nichts: Zurzeit steht der Verein auch in Verhandlungen für einen festen Jugendraum. «Bekommen wir den Zuschlag für den Raum, wird die Idee für einen Jugend-Bauwagen begraben», betont Beständig. «Bauwagen verschafft Zeit» Für den Bauwagen wäre in jeder Gemeinde mindestens ein Standort nötig, der über einen Zugang zu Toiletten und einen Stromanschluss verfügt. Mögliche Standorte haben die Behörden bereits geprüft. Deren Reaktionen auf die Bauwagen-Variante sind durchwegs positiv. «Das Vorhaben ist gut, in Boppelsen kommen einige Standorte infrage», hält Monika Widmer, Gemeindepräsidentin von Boppelsen, fest. Auch Willy Laubacher, Gemeindepräsident von Otelfingen, lobt die Idee. «Andernorts hat sich diese bewährt», sagt er. Daniel Zumbach, Gemeindepräsident von Dänikon, steht dem Vorhaben ebenfalls wohlwollend gegenüber. Für ihn aber könne der Jugend-Bauwagen lediglich eine «gute Übergangslösung» sein, betont er, «sie verschafft dem Tjuf wieder Zeit, nach einer geeigneten Liegenschaft zu suchen». Etwas skeptischer zeigt sich der 15-jährige Robin Koch aus Dänikon, der sich allerdings nicht als «fleissiger Kunde» des Jugendtreffs sieht: «Mir wärs lieber, wenn das Jugi an einem Ort wäre. Ich stelle es mir unangenehm vor, nicht zu wissen, wo ein solcher Wagen gerade stationiert wäre.» «Fahrplan» für den Treffpunkt Ein fester Treffpunkt oder ein mobiler Bauwagen als Jugendtreff – das sei nicht einfach eine Frage des Raumes, dahinter stünden zwei unterschiedliche Konzepte von Jugendarbeit. Das sagt Christine Hotz, stellvertretende Geschäftsführerin und Verantwortliche für die offene Jugendarbeit von Okaj Zürich, dem kantonalen Dachverband der Kinder- und Jugendförderung. «Wenn eine Gemeinde ihre Jugendarbeit organisiert, muss sie sich fragen, was das Ziel ist und ihre Mittel entsprechend wählen.» Ein mobiler Treff bedeute, dass man überall zugänglich sei und ein niederschwelliges Angebot biete. Ein fester Treffpunkt habe dagegen eher den Charakter eines «Ersatzwohnzimmers», also eines Raumes, wo Jugendliche sich zu Hause fühlen und Hobbys ausleben dürfen, wie dies zu Hause nicht unbedingt möglich sei. Ein fester Treffpunkt sei sinnvoll, wenn gute Verbindungen durch den öffentlichen Verkehr bestünden. «Ist ein Ort schlecht erreichbar, kann ein Bauwagen die bessere Lösung sein.» Grenzen der mobilen Lösung Sobald die Jugendlichen eine Party oder einen Spielabend organisieren wollten, stosse man mit einem mobilen Treff allerdings an Grenzen, nennt Christine Hotz einen Nachteil. «Dann braucht man einen Raum, eine Turnhalle oder einen Kirchgemeindesaal.» Diese seien oft gut ausgebucht, und weil Jugendliche ihre Partys meist sehr kurzfristig organisierten, berge die Raumsuche manchmal Probleme.«Ein Bauwagen allein reicht zudem nicht als einzige Infrastruktur für die Jugendarbeit», fügt Hotz an. Ein Jugendarbeiter habe auch administrative Aufgaben. Letztlich sei ein fester Treffpunkt nicht besser oder schlechter als ein mobiler Treffpunkt, sagt Christine Hotz. «Entscheidend ist, dass für die Jugendarbeit ein klarer Auftrag definiert und anschliessend die entsprechende Infrastruktur geschaffen wird.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch