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Ein Fest für Messies

Die Vereinigung Lessmess organisiert heute in Wallisellen eine Feier. Dabei sein wird auch eine Frau, die lange gar nicht gemerkt hat, dass sie ein Messie ist – also jemand, der (zu) viel sammelt und oft Mühe mit der Ordnung hat.

Von Georg Gindely Zürich – Am Schluss des Gesprächs, das während der Mittagspause stattfindet, kommen wir an Blumentöpfen vorbei, die jemand zur Entsorgung an den Strassenrand gestellt hat. Franziska Meier (der Name ist geändert) bleibt stehen. «Diese Töpfe würde ich gerne mitnehmen», sagt sie. Franziska Meier hat einen starken Drang, Dinge zu sammeln. Am liebsten mag sie Katzenfiguren. Und Bücher. Und Hefte. Drei hat sie abonniert: zwei Wissensmagazine und eine Katzen-Zeitschrift. Die alten Ausgaben, die sie alle noch lesen will, stapelt sie auf einem der zwei Büchergestelle in ihrem Schlafzimmer, wie sie erzählt. In die Wohnung lassen will sie einen nicht. Franziska Meier wohnt mit einer Freundin zusammen, die ähnliche Vorlieben und Probleme hat wie sie. Sie sind sogenannte Messies. Ein ausgeklügeltes System Heute Samstag findet das Lessmess-Sommerfest in Wallisellen statt. Es wird vom gleichnamigen Messie-Netzwerk organisiert. Eingeladen sind Betroffene, Angehörige, Freunde und Interessierte. Laut Vorstandsmitglied Johannes von Arx, freier Journalist und bekennender Messie, will Lessmess Betroffene zusammenbringen sowie über das Phänomen informieren. «Wir wollen zeigen, was Messietum ist und was nicht.» Äusserst wichtig ist ihm die Abgrenzung zur Verwahrlosung und Verslumung. Die Wohnungen vieler Messies seien zwar vollgestopft mit Dingen, meist hätten sie aber eine Ordnung in der Unordnung und würden sich um Sauberkeit bemühen. Und viele würden einer ganz normalen Arbeit nachgehen. Zum Beispiel auch Franziska Meier, die in der Verkaufsabteilung einer grossen Firma tätig ist. Damit sie dort nicht im Chaos versinkt, hat sie ein ausgeklügeltes Ordnungssystem entwickelt: Alles, was am nächsten Tag erledigt werden muss, legt sie bereits am Abend bereit, die Dokumente sind je nach Wichtigkeit in verschiedenfarbigen Ordnern abgelegt. Bei der Arbeit funktioniert das. Daheim nicht. «Am Abend fehlt mir meist die Energie, um noch aufzuräumen.» Meist auch, weil sie sich zu verzetteln beginnt. Nimmt sie ein altes Heft in die Hand, beginnt sie es zu lesen. Kleider werden anprobiert statt versorgt.Doch Franziska Meier ist zuversichtlich. In den letzten Jahren habe sich ihre Situation deutlich verbessert, weil sie sich ihrer Probleme bewusst sei. Lange Zeit hat sie gar nicht gemerkt, dass sie ein Messie ist. «Es war, als hätte ich einen blinden Fleck.» Bis ihr Arzt ihr geraten habe, einen Spiegel in die Wohnung zu stellen und hineinzuschauen. «Da habe ich realisiert, wie es bei mir wirklich aussieht.» Daraufhin hat sie eine Selbsthilfegruppe gegründet, die sich aber mittlerweile wieder aufgelöst hat. Mit Lessmess ist sie lose verbunden. Sie ist froh um das Netzwerk, froh, über sich und ihre Probleme mit anderen sprechen zu können, sagt sie am Ende des Gesprächs. Die Blumentöpfe lässt sie stehen. Sommerfest von Lessmess heute Samstag, 28. Mai, ab 16 Uhr im reformierten Kirchgemeindehaus Wallisellen. Das Wohnzimmer eines Messies. Aber längst nicht alle versinken derart im Chaos, viele haben eine Ordnung in der Unordnung und bemühen sich um Sauberkeit. Foto: Imago

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