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Ein Familien-Elend und andere Wahlschlappen

Profilierte Köpfe verschwinden unfreiwillig aus dem Zürcher Kantonsrat.

Von Susanne Andereggund Ruedi Baumann Zürich – Im heissesten Wahlkreis, Zürich 7/8, entschied am Schluss eine einzige Stimme. Derart knapp schlug der neu antretende Hans-Ueli Vogt (SVP), Professor für Wirtschaftsrecht, die Bisherige Susanne Brunner (SVP), und das ist doppelt pikant: Brunner war von der CVP zur SVP übergelaufen und hatte mit einem enormen Werbeaufwand versucht, den bisherigen Kantonsratssenior Theo Toggweiler zu schlagen. Das ist ihr immerhin gelungen: Toggweiler machte 400 Stimmen weniger und ist somit erst recht abgewählt. Das gleiche Schicksal erlitt in diesem Wahlkreis, der einen Sitz an den Bezirk Hinwil abgeben musste, Marco V. Camin. Mit ihm wurde ausgerechnet der Wahlkampfleiter der FDP abgestraft – eine schon fast symbolische Strafe. SP-Strategin ist raus Fast noch schlimmer ist die Schlappe der SP im Wahlkreis Zürich 1/2. Hier hat Andrea Sprecher ihre Wiederwahl nicht geschafft, die SP verlor einen von zwei Sitzen. Sprecher ist nicht nur Co-Präsidentin der SP Stadt Zürich, sondern auch Kampagnenleiterin der SP Schweiz. Sie soll also dafür sorgen, dass die SP im Herbst die nationalen Wahlen gewinnt. Im Kantonsrat wird das SP-Kader nach dem Abgang von Sprecher aber weiterhin vertreten sein, denn Kantonalpräsident Stefan Feldmann zieht neu ein. Platz machen muss ihm der Bisherige Peter Anderegg. Ebenfalls unfreiwillig aus dem Rat scheidet Genosse Marcel Burlet. Der Tagi verliert mit ihm einen beliebten Exponenten der Klatschrubrik «Gesehen und Gehört». Eine «Familientragödie» spielte sich im Wahlkreis Zürich 3/9 ab, und zwar bei Feuillets: Vater Dominique Feuillet (SP), der erst letzten Sommer in den Kantonsrat nachgerückt war, wie auch sein Sohn Sandro (Grüne) haben die Wiederwahl verpasst. Der Vater, weil ihn der populäre Gemeinderat Thomas Marthaler verdrängte. Der Sohn, weil Parteikollege Ralf Margreiter vom Land in die Stadt gezogen war und sich ihm vor die Nase gesetzt hatte. Im Glück befindet sich dafür eine Familie in Elgg. Christoph Ziegler, Gemeindepräsident von Elgg, tritt in die Fussstapfen seines Vaters Thomas, der sechs Jahre für die EVP im Kantonsrat sass. Nur dass der Sohn bei der GLP politisiert. Glücklich ist auch das grüne Paar Martin Graf und Esther Hildebrand. Sie hat die Wiederwahl in den Kantonsrat geschafft, er die Wahl in den Regierungsrat. Sie wird ihm also in Zukunft Aufträge erteilen und auf die Finger schauen.Gar nicht gut geht es den Frauen in der SVP. Es war wieder wie immer: SVP-Wähler lieben es, die Frauen von ihrer Liste zu streichen. So rutschte Eveline Stählin aus Oberengstringen von Platz 3 auf 5 ab. Auf den vier SVP-Sitzen des Bezirks Dietikon nehmen jetzt vier Männer Platz. Auch Erika Zahler aus Boppelsen wäre gewählt gewesen, wenn man sie nicht weggestrichen hätte. Doch es gibt auch eine Ausnahme von der Regel, und die heisst Margreth Rinderknecht. Die Präsidentin der Zürcher Landfrauen rückte von Platz 6 auf 4 vor. Die Kandidatin aus Wallisellen wäre allerdings auch als Sechste gewählt gewesen, weil die SVP im Bezirk Bülach so viele Sitze hat. Der Bisherige Heinrich Frei hat es dagegen nicht unter die ersten sechs geschafft. Der Klotener Unternehmer, der seinen Wohnsitz heimlich ins steuergünstige Winkel verlegt hatte und deswegen in die Schlagzeilen kam, wurde von den Wählerinnen und Wählern abgestraft. Er landete auf dem 15. Platz.

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