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Ehemalige Spitzenspielerin an die Verbandsspitze

Sesselrücken im regionalen Tennisverband Zürichsee-Linth: Präsident Dario Ghislenitritt zurück, Petra Jauch-Delheessoll seine Nachfolgerin werden.

Tennis. - Dario Ghisleni landete an den Zürichsee-Tennismeisterschaften Ende August in Horgen einen Überraschungscoup. Der R8-Spieler besiegte in der Kategorie der Senioren über 55 Jahre mit Ray Pierce (R7) einen höher klassierten Gegner. Der Versicherungsfachmann aus Altendorf bleibt dem Tennissport als Aktiver treu, als Präsident des Regionalverbandes Zürichsee-Linth tritt Ghisleni aber nach 23-jähriger Amtszeit Ende November zurück.

Die Zürichsee-Tennismeisterschaften gelangten auch am letzten Wochenende zur Austragung. Dieses Mal kämpften die Junioren und Juniorinnen im Alter von 8 bis 18 Jahren auf der Anlage des TC Stork in Oetwil am See um Medaillen und Pokale. Geleitet wurde das Turnier bereits von Petra Jauch-Delhees. In den 80er-Jahren war die Herrlibergerin die Nummer 1 in der Schweiz, die Nummer 46 der Welt. Sie verdiente - als der Dollar noch einem Vielfachen des heutigen Wertes entsprach - gemäss offiziellen Quellen in ihrer Karriere ein Preisgeld von 123 967 Dollar, spielte 14 Grand-Slam-Turniere und erreichte 1984 an den US Open in New York die Achtelfinals sowie 1983 beim Roland-Garros in Paris zumindest die 3. Runde.

Zuerst auf taube Ohren gestossen

An der Generalversammlung am 23. November in Rapperswil-Jona erfolgt nun die Stabsübergabe an der Spitze des Regionalverbandes Zürichsee-Linth vom Hobbyspieler zur ehemaligen Weltklassespielerin, sofern Petra Jauch-Delhees von den Delegierten gewählt wird. Ghisleni fragte vor wenigen Wochen die 45-Jährige an, ob sie sein Amt übernehmen wolle. Die Anfrage stiess anfänglich auf taube Ohren. «Nicht noch ein Ehrenamt mehr, ging mir als Erstes durch den Kopf», sagte Jauch-Delhees, die seit Jahren als Nachwuchs-Verantwortliche ihr Fachwissen an die Junioren und Juniorinnen aus der Region weitergibt. Da die Zusammenarbeit mit Eltern, Jugendlichen, Trainern und Sponsoren in den letzten Jahren erfolgreich verlief und die angefangene Arbeit noch nicht ganz den Zielen entspricht, die sie sich gesteckt hatte, konnte sie schliesslich doch nicht Nein sagen. «Etwas Neues zu machen ist reizvoll und motiviert mich. Dario Ghisleni hat 23 Jahre lang einen sehr guten Job gemacht. Aber das ist eine lange Zeit. Vielleicht tut ein Wechsel gut.»

Auf Verbandspräsidenten ist das ehemalige Aushängeschild des Schweizer Frauentennis eigentlich nicht gut zu sprechen. Petra Jauch-Delhees wusste als Aktive stets ganz genau, was sie wollte. Sie nahm nie ein Blatt vor den Mund - und legte sich prompt mit dem Schweizer Verband an, kritisierte dessen veraltete Strukturen und Konzepte. Typisch für ihr Selbstbewusstsein: In ihrem vierten Jahr auf der WTA-Tour der Frauen löste sie sich vom Verband, machte sich finanziell und organisatorisch unabhängig. Und dennoch - oder gerade deshalb - stellte sich der Erfolg ein. «Es ist ein Anreiz, nun selbst mal Verbandspräsidentin zu sein, die Sache aus einer anderen Perspektive zu betrachten.»

Den ehrenamtlichen Job wird sie mit Elan ausführen. Sie ist eine Frau der Tat. Wenn sie etwas macht, dann richtig.

Mehr Geld von Swiss Tennis

Die designierte Präsidentin hat sich eine Frist von drei Jahren gesetzt, in der sie «etwas bewegen» will. Sie wird mit den Veranstaltern der Zürichsee-Meisterschaften und den Klubpräsidenten reden, Jauch-Dehlees will den dank des Aushängeschildes Roger Federer anhaltenden Tennis-boom weiter nutzen. Ihr Hauptaugenmerk bleibt indes die Talentförderung. Ein Dorn im Auge ist für sie dabei die mangelnde finanzielle Unterstützung, die Swiss Tennis dem Nachwuchs zukommen lässt. «Die zwanzig Regionalverbände bekommen vom Verband im Jahr im Total 180 000 Franken für den Nachwuchsbereich. Das ist jenseits von Gut und Böse und muss sich ändern.»

Die 9000 Fränkli Unterstützung von Swiss Tennis pro Regionalverband und Jahr empfindet Petra Jauch-Delhees als lächerlich, zumal die Klubs und deren Mitglieder allein über die Interclub-Meisterschaften pro Saison mehr als drei Millionen an den Verband abliefern. Sie will sich der Sache annehmen. Erst recht als neue Präsidentin von Zürichsee-Linth, falls sie gewählt wird.

Die designierte Präsidentin Petra Jauch-Delhees hat sich eine Frist von drei Jahren gesetzt, in der sie etwas bewegen will.

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