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Dividende Demokratie

Es gibt diese ganz grossen Momente in der Weltgeschichte, da auch die Gesten ganz gross sein müssen. Im französischen Deauville haben die acht grössten Industriestaaten der Welt, die G-8, den couragierten Völkern des arabischen Frühlings, Tunesien und Ägypten also, ein Hilfspaket über 40 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Es ist nicht ganz klar, woher dieses Geld im Detail kommen soll, was davon den Ländern sicher zur Verfügung stehen wird und wie viel davon an harte Bedingungen geknüpft ist. Sicher aber ist, dass es richtig und wichtig ist, diesen Ländern zu helfen – und zwar substanziell. Die Tunesier und die Ägypter stecken in einer Übergangsphase, gewissermassen in einer Zwischenwelt. Es ist dies eine fragile Phase, ohne Garantie. Die Auf-stände waren nur der Auftakt zur Zu-kunft. Sie dienten zur Befreiung von den Diktatoren, die so lange über ihre Län-der geherrscht hatten, dass alle Macht-zentren von ihrem korrupten System infi-ziert und von ihren vetternwirtschaftlich operierenden Leuten besetzt waren. Über Jahrzehnte. Neue Strukturen lassen sich nicht in wenigen Monaten aufbauen. Revolutionen waren noch nie Blitzopera-tionen. Der politische und kulturelle Wandel kann Jahre dauern. Dringend aber sind Antworten auf die wirtschaftlichen und sozialen Herausfor-derungen, die sich diesen Ländern stel-len. Sowohl Tunesien als auch Ägypten leiden unter dem eingebrochenen Tourismus, einer ihrer wichtigsten Einnahmequellen. In beiden Ländern neigt das Wirtschaftswachstum gegen null. Und die Jugendarbeitslosigkeit steigt. Das sind dramatische, explosive Entwicklungen. Der Westen – und das nahe Europa im Besonderen – sollte in die Zukunft am südlichen Rand des Mittelmeers investieren, sollte Start-ups finanzieren, bei der Ausbildung junger Menschen helfen, Austauschprogramme für Studenten fördern, kurz: die Schicksale am Mittelmeer ineinander verschränken. Sonst ist die Gefahr gross, dass am Ende die Gegner der liberalen Gesellschaft gewinnen, die kaum Anteil an der Revolution gehabt haben. Eine Investition in die Zukunft dieser Länder verheisst eine demokratische Dividende. Nicht sofort, aber bald. Kommentar Oliver Meiler, Mittelmeer-Korrespondent, über die Hilfe für Tunesien und Ägypten.

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