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Die Zukunft heisst Zug

Im Kanton Zug wird der Platz schon heute knapp.Deshalb muss man dort in die Höhe bauen.

Von Erika Burri «Zug ? fast wie Dallas», titelte 1984 Niklaus Meienberg seine Reportage über eine «boomende, pilzende, formlose, wuchernde Stadt». Zug war wie die US-Metropole wichtiger Handelsplatz für Rohstoffe. Eine Stadt ohne Gesicht und ohne Geist. Die tiefen Steuern lockten Firmen an den Zugersee. Sie brauchten Platz. Zug baute. Inzwischen ist Zug zur Besinnung gekommen, dank Motionen auch von bürgerlicher Seite, einer erstarkten Linken im Parlament und besorgten Leserbriefen in den Lokalzeitungen. Irgendwann war klar: Eine intakte Landschaft und zufriedene Bürger lassen sich mit keinem Geld der Welt erkaufen. Man könnte sagen, die Einsicht kam zu spät. Wäre sie früher gekommen, die Bausünden der Siebzigerjahre würden heute nicht das Ortsbild trüben. Von der Autobahnausfahrt Cham-Ost aus Richtung Zug zählt man die Kräne: Vier, fünf, sechs — schätzungsweise 60 stehen im Kanton verteilt. Fährt man weiter zum Büro des Zuger Kantonsplaners René Hutter gleich hinter dem Bahnhof Zug, staunt man über die riesige Baugrube gegenüber. Die Credit Suisse baut Bürokomplexe und plant einen 80 Meter hohen Neubau, kein Wolkenkratzer, aber höher als das meiste, was in der Schweiz entsteht. Vom Büro aus hat der Kantonsplaner auch Aussicht auf den fast fertiggestellten Wohn- und Arbeitsturm «Uptown» neben dem Stadion des Eishockeyklubs. Mit 63 Metern ist er zurzeit das höchste Gebäude im Kanton Zug. Bald wird ihn das Roche-Hochhaus mit 600 Arbeitsplätzen in Rotkreuz überragen. Weitere Hochhäuser sind in Planung. Der Kanton hat keine andere Wahl, als zu verdichten. In den letzten 50 Jahren hat sich die Bevölkerung fast verdoppelt. Die rund 110?000 Einwohner und 83?000 Arbeitsplätze drängen sich auf die 240 Quadratkilometer des kleinsten Ganzkantons der Schweiz. Das sind rund 460 Einwohner pro Quadratkilometer. Keine neuen Bauzonen Kantonsplaner Hutter steht am Stehpult und breitet Pläne aus. Rot markiert sind die Zonen, wo überhaupt noch gebaut werden darf. Davon hat es nicht mehr viele. 2004 wurde der kantonale Richtplan überarbeitet, an den sich auch alle elf Gemeinden halten müssen. Neues Bauland gibt es vorerst keines. Denn Zug soll nicht weiter unkontrolliert «pilzen und wuchern». Wer bauen will, muss verdichten. So bleiben sogar Zugs grüne Lungen, die Lorzenebene – eigentlich bestes Bauland – und der Zugerberg, grün. Sicher bis 2030. Als einer der ersten Kantone hat Zug auch ein Konzept für Hochhäuser entwickelt und mögliche Standorte für sie definiert. Wer höher als 25 Meter baut, muss dem Kanton ein Umgebungskonzept präsentieren. Entscheiden Hutter und seine Kollegen in den Gemeinden, dass ein Gebäude nicht gut in die Umgebung eingebettet ist, wird es nicht bewilligt. Überhaupt soll Zug nicht mehr so schnell wachsen wie bisher. Die Kantonsregierung hat dies in einem Legislaturziel formuliert – Wachstum mit Grenzen. «In fünf Minuten sind alle Zuger im Grünen. Wieso wohnen Sie eigentlich noch in Zürich? Zug ist so schön», wirbt Kantonsplaner Hutter für seine Heimat. Tatsächlich ist nicht alles verbaut, der Kanton hat Natur erhalten. See und Wald dürfen sich noch berühren. Und der Zugerberg – ein Zauberberg. So gesehen könnte es einem in Zug gefallen. Wären da nicht die Mieten. «Jede Medaille hat zwei Seiten», sagt einer, der eigentlich vom Bauboom profitiert: Markus Risi, Leiter Immobilien bei der Zuger Kantonalbank. Die Kehrseite für ihn: Seine Kinder — und nicht nur seine — finden keine zahlbare Wohnung mehr im Kanton. Wo Bodenpreise zwischen 2500 und 3000 Franken pro Quadratmeter bezahlt werden, entsteht trotz sozialer Wohnbauförderung wenig Preiswertes. Zuger, die vom Eigenheim träumen, weichen in einen Nachbarkanton aus, bauen im Knonauer Amt oder im Reusstal. Im Moment geht das noch. Dort ist noch Platz, und die Bestimmungen, die der Zersiedelung den Riegel schieben könnten, sind noch weniger streng als in Zug. Inzwischen haben aber auch andere Kantone, vor allem die Innerschweizer, die Gewinnsteuer für Unternehmen massiv gesenkt. Auch sie wollen, mehr als ein halbes Jahrhundert nach Zug, Unternehmen mit tiefen Steuern in ihre Region locken. Mit ihnen werden Menschen kommen.

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