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Die Übergriffe im Adliswiler Altersheim waren erlogen

Im Adliswiler Alters- und Pflegeheim an der Badstrasse wurden keine Senioren missbraucht. Pflegerinnen hatten sich die angeblichen Übergriffe ausgedacht, um Kolleginnen zu mobben.

Von Daniel Stehula Adliswil – Keine Misshandlungen, keine verbalen Übergriffe gegen Bewohner: Die Vorwürfe gegen Pflegende im Alters- und Pflegeheim Adliswil sind haltlos. Zu diesem Schluss kommt die Administrativuntersuchung unter der Leitung von Katharina Sameli. Die Zürcher Juristin hatte bereits die Vorfälle im Stadtzürcher Altersheim Entlisberg untersucht. Im September 2010 hatten sich Angestellte des Adliswiler Altersheims anonym an die Medien gewandt und auf angebliche Missstände hingewiesen. Gestern Morgen informierte Stadträtin Susy Senn (FDP) Mitarbeiter und Bewohner der Badstrasse. Danach präsentierte sie zusammen mit Stadtschreiber Alexandre von Rohr die Ergebnisse der Administrativuntersuchung vor den Medien. Sie erklärte, die Vorwürfe seien ein Mobbingversuch gewesen. Das Ziel war laut Senn, mit den falschen Vorwürfen zu erreichen, dass missliebige Kollegen entlassen würden. Im Team der Pflegenden habe seit längerem ein Konflikt geherrscht. Ein Psychologe wurde Ende 2010 beauftragt, mit den Mitarbeitenden zu sprechen und strukturelle Verbesserungen vorzuschlagen. «Grosser Imageschaden» Leidtragende des Mobbingversuchs sind laut Senn vor allem die Bewohner der Badstrasse und deren Angehörige. Zudem habe «das Image der Pflegeeinrichtung einen grossen Schaden erlitten». Strukturell und personell habe die Stadt nun Anpassungen vorgenommen. Workshops seien erfolgt oder stehen an. In der Stadtverwaltung wurde eine Anlaufstelle für Mobbingfragen eingerichtet. Die Stadt Adliswil hat gegen vier ehemalige Mitarbeiterinnen wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses Strafanzeige eingereicht. Natürlich gelte für diese Mitarbeiterinnen die Unschuldsvermutung, sagte Senn. «Meine persönliche Meinung ist aber, dass die vier ehemaligen Mitarbeiterinnen absolut verantwortungslos gehandelt haben.» Susy Senn war an der Pressekonferenz sichtlich angespannt. Die Sozialvorsteherin erklärte, was hinter den zentralen Misshandlungsvorwürfen steckt. Sie hielt fest, die Behörde habe in der Untersuchung nichts vertuscht. Eine Bewohnerin wies tatsächlich Hämatome im Intimbereich auf, wie das die Mitarbeiterinnen den Medien gegenüber öffentlich gemacht hatten. Allerdings stammten die Hämatome laut Untersuchungsbericht nicht von einer Misshandlung, sagte Senn: «Die Frau stürzte aus ihrem Rollstuhl. Dabei zog sie sich die Verletzungen zu. Der Notfallarzt, der sie untersuchte, äusserte keinen Verdacht einer Misshandlung.»Im Jahr 2008 soll einem Bewohner ein gefüllter Abfallsack auf den Kopf geschlagen worden sein. Senn sagte, 2008 habe sich kein solcher Vorfall ereignet. Allenfalls könnte ein Zwischenfall aus dem Jahr 2007 gemeint sein. Damals sei ein Bewohner mit einem Säcklein am Kopf gestreift worden, das mit einer Hygieneeinlage gefüllt war.Ein Bewohner soll laut den ehemaligen Mitarbeiterinnen so schwer verbal attackiert worden sein, dass er bis zu seinem Tod in Angstzuständen lebte. Senn sagte, das stimme nicht. Der «sehr schwierige Patient» habe in einem Fall «bei einer Mitarbeiterin lediglich einen etwas rauen Umgangston ausgelöst». Daraufhin habe man an der Badstrasse eine Diskussion über Aggression seitens der Bewohner geführt.Laut den ehemaligen Mitarbeiterinnen wurden Personen, die diese Taten begangen haben, befördert. Senn sagte, das treffe nicht zu. Die Verfasserin des Berichtes, Katharina Sameli, war nicht anwesend. Sie wollte auf Anfrage auch keine Stellung nehmen. Die Untersuchungsergebnisse sind der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

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