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Die Schule der Eidgenossen

In Hombrechtikon gibt es Kurse für Einbürgerungswillige. Ein pensionierter Lehrer vermittelt mit Herzblut die hiesigen Werte.

Hombrechtikon. - Ernst Hobi ist der Lehrer, den man immer gern gehabt hätte: ein älterer, rundlicher Herr mit schlohweissem Haar, Brille und der dunkelbraunen Cordhose, die zum Klischee des Lehrers gehört wie die Kreide zur Wandtafel. Hobi erklärt alles ganz ausführlich und langsam, sodass garantiert alle verstehen, was er sagt. Man kann sich schlichtweg nicht vorstellen, dass ihn irgendetwas jemals aus der Ruhe bringen könnte. Gutmütig und geduldig geht er auf die Fragen seiner Schützlinge ein.

Hobi ist tatsächlich pensionierter Lehrer und arbeitet heute für die Integrationsförderung des Kantons Zürich. Zusammen mit seiner Frau führt er in Hombrechtikon Staatskundekurse für Neuzuzüger durch. Normalerweise steht ihm für diesen Kurs moderne Infrastruktur zur Verfügung, aber letzten Montag war das anders. Der Gemeindesaal Blatten ist am Abend fest in der Hand der Operettenbühne. Da hat Hobis Staatskundekurs keinen Platz. Deshalb findet der Kurs im Jugendzentrum statt, wo an den Wänden «AC/DC» steht. Planeten und Sterne zieren die Decke.

Blutrache hat keinen Platz

Hobi hat den Kurs auf einem Flipchart vorbereitet. Fein säuberlich steht da, was der aspirierende Eidgenoss zu wissen hat. Aber bei der Einbürgerung müsse man es dann nicht ganz so genau wissen, sagt Hobi, das stehe hier einfach der Vollständigkeit halber. Wichtige Dinge hat er in Rot hervorgehoben, zum Beispiel das Gewaltmonopol des Staates. Nicht selbstverständlich sei das, sagt er. Wenn jemand aus den albanischen Bergen komme, wo teilweise noch die Blutrache gelte, müsse man ihm erklären, dass er jemanden nicht einfach zusammenschlagen könne, bloss weil der ihn beleidigt habe. Für die Deutschen, schmunzelt Hobi, sei das Gewaltmonopol aber nicht so ein Problem.

Der Staatskundekurs fängt eigentlich um 19.30 Uhr an. Aber, sagt Esther Hobi, «viele Kulturkreise kennen das Pünktlichsein nicht so wie wir, da muss man Verständnis haben». Deshalb beginnt ihr Mann meist erst gegen 20 Uhr. Ausserdem spielen Sprachprobleme eine grosse Rolle. Oft fehlen bei der Ankunft der Immigranten, beispielsweise aus Albanien, sämtliche gemeinsamen Sprachgrundlagen. Deshalb bietet Hobi auch noch Sprachkurse an. Da helfe dann nichts, sagt der ehemalige Lehrer, er müsse halt bei jedem Wort auf ein Bildchen zeigen.

Sichtlich stolz auf die Heimat

Viele Sprachen kennen keine separaten Formen für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Den Leuten diese Konzepte von null auf beizubringen, ist eine ausserordentlich schwierige Angelegenheit. Ernst Hobi legt darum in seinen Kursen zunächst das Schwergewicht auf die alltägliche Kommunikation mit Wörtern wie «Grüezi» oder «Danke».

Der Staatskundekurs ist an diesem Montag nicht sonderlich gut besucht. Nur gerade eine Dame nimmt teil, Sandra Meier aus Deutschland. Sie ist mit einem Schweizer verheiratet und lebt seit neun Jahren hier. Ihre Kinder sind im schulpflichtigen Alter, weshalb sie mit den Grundzügen der helvetischen Staatskultur einigermassen vertraut ist. Dass Gemeinden im Normalfall sieben Gemeinderäte haben, das hat Meier vor Hobis Kurs jedoch nicht gewusst.

Hobi macht es nichts aus, wenn der Kurs mal nicht so gut besucht ist. Ihn freut es sowieso, wenn jemand kommt und Interesse an «seiner» Schweiz zeigt, auf die er sichtlich stolz ist. Einmal sagt er, dass es in der Schweiz eben häufig auf den «besonderen Einsatz von einzelnen Personen» ankomme. Eine Maxime, nach welcher Ernst Hobi ganz bestimmt lebt.

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