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Die schlagkräftige Polizistin

Debi Studer ist Vizepräsidentin der Stäfner Trialfahrer, macht aber auch ohne fahrbaren Untersatz eine gute Figur: Sie gewann an der Jiu-Jitsu-WM in Las Vegas zweimal Gold und einmal Bronze.

Von Kai Müller Als Debi Studer gestern Mittag bei der Gepäckausgabe am Flughafen Kloten stand, wartete sie auf eine zusätzliche Tasche. «Die vielen Medaillen waren zu schwer. Wir mussten von der Abreise noch eine kaufen», sagt die 25-Jährige und lacht. Trotz einer über 14-stündigen Reise von Las Vegas über New York in die Schweiz wirkt sie frisch und gesprächig. Und zu erzählen gibt es viel. In den vergangenen zweieinhalb Wochen hat die gebürtige Baslerin ihren ohnehin schon vielseitigen Palmarès mit eindrücklichen Erfolgen erweitert. Sie ist mehrfache Schweizer Meisterin im Aero-Jump (Springen mit Sprungfedern) und hat 2008 denselben Titel im Jiu-Jitsu gewonnen. An den World Martial Art Games in Las Vegas, eine Art Olympische Spiele der Kampfkunst, holte sie in verschiedenen Disziplinen des Jiu-Jitsu und Kickboxens achtmal Gold und einmal Bronze. Am vergangenen Wochenende krönte sie sich im Spielerparadies schliesslich zur zweifachen Weltmeisterin (Jiu-Jitsu und Grappling) in der Gewichtsklasse bis 62,5 kg, dazu kam ein dritter Platz im Schwergewicht (Jiu-Jitsu). «Es ist unglaublich, ich bin Weltmeisterin. Ich habe mir meinen Traum erfüllt», sagt Studer. Und das in den USA, in dem Land, das sie verehrt und endlich zum ersten Mal besucht hat. «Ich habe eine Schwäche für Pick-ups», nennt sie einen der Gründe für diese Liebe und fügt nach Besichtigungen des Grand Canyon und des Hoover-Staudamms an: «Ich wäre am liebsten gar nicht mehr nach Hause gekommen.» Verhaftet auf Area 51 Die beiden Events unterschieden sich in ihrer Grösse erheblich. An den World Martial Art Games traten mehrere Hundert Kampfsportler in einer riesigen Halle an, während die Jiu-Jitsu-WM im Konferenz-Center eines Hotels stattfand, mit 70 Leuten, Teilnehmer und Zuschauer zusammengezählt. Eines hatten die beiden Anlässe jedoch gemeinsam, wie Studer zu ihrer Überraschung feststellen musste: «Sie waren grauenhaft organisiert. Die Veranstalter waren völlig überfordert.» An der WM führte die Planlosigkeit so weit, dass die Kämpfer eigenhändig Matten, Tische und Stühle für das Publikum aufstellen mussten. Und während des Wettkampfs drückten lange Wartezeiten auf die Stimmung. Geduld aufbringen musste Studer schon am Vorabend der WM, jedoch aus eigenem Verschulden, wie sie schildert: «Ich näherte mich der Area 51 um fünf Schritte zu viel, weil ich fragen wollte, ob ich ein Foto machen darf.» Dass die Amerikaner bei Fehlverhalten auf dem berüchtigten Militärareal rigoros durchgreifen, erfuhr die Kantonspolizistin am eigenen Leib: Sie wurde verhaftet, stand mit ihrem Freund eineinhalb Stunden in der Kälte, bis sie schliesslich eine saftige Busse erhielt und gehen durfte. Es war die zweite Schrecksekunde im Vorfeld der Titelkämpfe. Noch in der Schweiz trainierte Studer mit Blick auf ihr grosses Ziel härter als zuvor, in der steten Hoffnung, sich nicht zu verletzen. Und doch passierte es, allerdings neben der Matte. «Ich hatte im Stehen plötzlich einen Krampf im Rücken.» Sie konnte sich kaum bewegen, geriet in Panik, die WM-Teilnahme schrieb sie ab. Physiotherapie und Osteopathie belebten ihren WM-Traum wieder. Mittlerweile hat sie die Realität eingeholt. Studer tritt heute Nachmittag bereits wieder den Dienst bei der Kapo Basel an, wo sie oft mit Kollegen im hauseigenen Dojo trainiert. Von einer Rückkehr in einen grauen Alltag kann jedoch keine Rede sein, zu vielseitig engagiert sie sich. Sie treibt jeden Tag Sport, ist Vizepräsidentin des Velo Trial Clubs Stäfa und organisiert die traditionelle Zürichsee-Rundfahrt am Auffahrtstag. «Ich wende die ganze Freizeit für meine Hobbys auf», sagt Studer. Der Verlockung des gemütlichen Nichtstuns geht sie bewusst aus dem Weg: Sie hat keinen Fernseher. Harter Alltag bei den Shaolin Mit Jiu-Jitsu hat Studer vor 10 Jahren begonnen und versucht sich seither auch in anderen Kampfsport-Disziplinen. 2006 wagte sie einen Abstecher in ein chinesisches Shaolin-Kloster, um sich in Kung-Fu zu üben. Sie trainierte acht Stunden täglich, ass, schlief auf einem Holztisch. Nichts anderes, zwei Wochen lang. «Nach drei Tagen konnte ich vor Schmerzen nicht mehr laufen, dafür schaffte ich den Spagat.» Studer mag es grob, auch wenn sie bisher noch keine Vollkontakt-Kämpfe bestritten hat. Das könnte sich bald ändern. Sie hat vor, Ende Oktober in Italien einen Cage-Fight (Kampf im Käfig) oder einen normalen MMA-Kampf zu bestreiten. Ein Problem stellt sich noch: «Ich weiss nicht, ob sich eine Gegnerin finden lässt.» Die Gegnerinnen von Debi Studer (rechts) mussten an der WM in Las Vegas viel einstecken. Foto: Roman Iten

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