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Die Oberländer wollen mehr bauen

Der neue Richtplan behindere ihre Entwicklung, kritisieren 21 Gemeinden der Region. Sie fordern mehr Siedlungsfläche, ein grösseres Streusiedlungsgebiet und weniger Schutz am Bachtel.

Von Walter Sturzenegger Wetzikon – Der Kanton Zürich soll in den nächsten 25 Jahren mit den bestehenden Siedlungsgebieten auskommen. Mit diesem Ziel liess der Regierungsrat den kantonalen Richtplan überarbeiten. Der Entwurf liegt noch bis 15. April öffentlich auf. Im Siedlungsgebiet stünden für die Entwicklung von Wirtschaft und Bevölkerung ausreichend Reserven zur Verfügung, ist die Kantonsregierung überzeugt. Die 21 im Zweckverband Region Zürcher Oberland (RZO) vereinigten Gemeinden sind anderer Ansicht. An ihrer Delegiertenversammlung verabschiedeten sie zahlreiche Änderungsanträge. Der Richtplanentwurf sieht eine Verkleinerung des Siedlungsgebiets im Oberland um 50 Hektaren vor. Die RZO möchte es um 12 Hektaren vergrössern. Die Bevölkerungsprognose des Kantons sei deutlich zu tief, argumentieren sie. «Allein zwischen 2005 und 2010 ist bereits annähernd die Hälfte des bis 2030 prognostizierten Wachstums erfolgt.» Handlungsspielraum erhalten Die RZO verlangt in vielen Gemeinden Korrekturen. Am stärksten zu Buche schlägt der Antrag, in Wald auf die Reduktion des Siedlungsgebiets um rund 17 Hektaren zu verzichten. Der Walder Gemeinderat möchte abwarten, ob der Kanton einer Überbauung des Nordholzes – einer dichten Siedlung mitten im Wald hinter dem Bahnhof – zustimmt. Auch für Bäretswil, Bauma und Seegräben wehrt sich die RZO gegen eine Verkleinerung des Siedlungsgebiets. Für andere Gemeinden fordert der Zweckverband gar eine grössere Siedlungsfläche als bisher. So sollen Dürnten, Fehraltorf, Gossau, Hittnau, Rüti, Wetzikon und Uster zusätzliches Land für Wohnungen und Arbeitsplätze erhalten. Treibhäuser im Grünen Ausserhalb des Siedlungsgebiets wünschen die Gemeinden ebenfalls mehr Flexibilität. Zum Beispiel bei den Fruchtfolgeflächen (FFF), mit denen der Kanton die Produktionsgrundlagen der Landwirtschaft sichern möchte. FFF dürften das Bauen im Siedlungsgebiet nicht behindern und wichtige Infrastrukturprojekte nicht verzögern, hält die RZO fest. Und ausserhalb des Siedlungsgebiets müssten auch Alternativen wie Biogasproduktion, Obstanlagen oder Treibhäuser berücksichtigt werden. Von einer im Grundbuch eingetragenen Klausel, die den Abbruch von Bauten und Anlagen ausserhalb des Siedlungsgebiets verlangt, falls sie nicht mehr ihrer Bestimmung gemäss genutzt werden, halten die RZO-Gemeinden nichts: Sie wollen die Klausel gestrichen haben – mit einer Ausnahme. Der Gemeinderat Hinwil anerkennt die Vorteile: Bestehende Bauten würden für die Landwirtschaft gesichert und die «sehr wertvolle Landschaft» geschont. Nicht zufrieden sind die Gemeinden weiter mit dem Streusiedlungsgebiet, das neu nur noch Bäretswil, Bauma, Fischenthal, Hinwil, Sternenberg, Wald und Wila betrifft. Das Gebiet sei zu klein bemessen, die Talböden von Neubrunnen-, Töss- und Jonatal gehörten dazu. Zudem fordert die RZO Erleichterungen für Anlagen des Agrotourismus sowie Erholungs- und Freizeitaktivitäten.Die RZO verlangt für das Tössbergland die Bezeichnung eines kantonalen Erholungsgebiets. Dies würde die Voraussetzungen schaffen, um die Freizeitregion Zürcher Berggebiet zu fördern. «Immer wieder scheitern innovative Agrotourismus-Projekte an den strengen Vorschriften für Bauten ausserhalb von Bauzonen», argumentieren die Gemeinden. In die gleiche Richtung zielt die Forderung, das Landschaftsschutzgebiet Bachtel/Allmen aus dem Richtplan zu streichen. S-Bahn durch Moorlandschaften Abstriche am Landschaftsschutz sollen auch zugunsten von Grüningen gemacht werden. Die RZO will die Umfahrung des Stedtli im Richtplan als «zulässige bauliche Massnahmen im Freihaltegebiet» bezeichnen. Zudem sei aufzuzeigen, wie Doppelspurausbauten der S-Bahn und die Westtangente Wetzikon durch Moorlandschaften oder vom Bund inventarisierte Landschaften und Naturdenkmäler gebaut werden können. Der Kanton wird die Anträge der Regionen und Gemeinden nun auswerten und den Richtplanentwurf überarbeiten. Ende Jahr soll der Regierungsrat den Richtplan zuhanden des Kantonsrats verabschieden. Läuft alles wie geplant, wird ihn der Bundesrat 2013 genehmigen. Hinwil und die Firma Frischbeton und Baustoff (FBB) als Grundeigentümerin dürfen weiter hoffen. Im Kampf gegen den geplanten Güterverlad im Industriegebiet Wässeri können sie auf die Solidarität des Oberlands zählen – zumindest vorerst. Die RZO beantragt, den Eintrag des Güterumschlagplatzes im Richtplan von einer vertieften Standortevaluation abhängig zu machen. Diese soll Hinwil, die Schöneich in Wetzikon und die Chlausenweid in Pfäffikon umfassen. Die SBB forcieren die Hinwiler Wässeri.Im neuen Richtplan ist nur noch dieser Standort eingetragen. Der Hinwiler Gemeinderat hält das Industriegebiet Wässeri für ungeeignet. Die Verladeanlage hätte «unabsehbare Auswirkungen auf Entwicklung und Standortgunst der Gemeinde». Der Richtplaneintrag würde die Ansiedlung von Betrieben mit hoher Wertschöpfung verhindern. Bedenken äussert der Gemeinderat Wetzikon zum Standort Schöneich. Der Güterverlad sei «nur schwer mit dem Landschaftsschutz in Einklang zu bringen». (was) Die Bautätigkeit ist ungebrochen – in Städten, aber auch im Grünen. Die Gemeinden wehren sich deshalb gegen Einschränkungen wie im Bachtel-Schutzgebiet. Foto: Hans Künzi

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