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Die Krise beutelt die Fritz Studer AG

Im Zug der Wirtschaftskrise verzeichnet die Maschinenbauerin Fritz Studer AG aus Steffisburg einen Auftragsrückgang um rund 50 Prozent. Um die Kosten zu drosseln, will die Geschäftsleitung 40 Stellen streichen.

In den letzten Jahren traten die Direktoren der Studer AG jeweils mit frohen Mienen vor die Medien: Ein Umsatzrekord jagte den anderen, neue Märkte wurden erschlossen und Investitionen getätigt. Doch gestern empfingen die Geschäftsleitungsmitglieder Stephan Nell, Fred Gaegauf und Michael Horn die Medienvertreter in gedrückter Stimmung. «Schon letztes Jahr brachen einzelne Märkte, in denen wir tätig sind, ein. Doch nun betrifft der Einbruch von bis zu 80 Prozent alle Gebiete, in denen wir unsere Rundschleifmaschinen verkaufen», sagte Nell. Die Nachfrage ist weltweit markant gesunken, doch es sind noch immer gleich viele Anbieter da, die um die verbleibenden Aufträge kämpfen und sich zum Teil mit Dumpingpreisen aus dem Feld zu schlagen versuchen. Bei der Fritz Studer AG beträgt der Auftragsrückgang rund 50 Prozent. Damit stehe die Firma noch besser da als ihre Konkurrenz. «Uns kommt zu gute, dass wir Kunden auf der ganzen Welt haben und Maschinen herstellen, die in den verschiedensten Bereichen zur Anwendung kommen», so Nell. Dass die wirtschaftliche Lage miserabel sei, sehe man auch daran, dass gebrauchte Studer-Maschinen von insolventen Kunden zum Verkauf angeboten werden, ergänzte Gaegauf. Noch weiter bergabDer Silberstreifen am Horizont werde sich erst 2011 zeigen, allerdings bloss mit einer Auftragssteigerung um rund 20 Prozent. «Für das nächste Jahr rechnen wir mit einem weiteren Einbruch», sagte Nell. «Wir gehen davon aus, in den Jahren 2012/13 wieder auf dem Niveau von 2006 zu sein, als unser Umsatz 210 Millionen Franken betrug.» Zum Vergleich: Den grössten Umsatz in ihrer fast 100-jährigen Geschichte machte die Firma letztes Jahr mit 260 Millionen Franken (wir berichteten).Kurzarbeit für 80 ProzentUm die Kosten angesichts des Auftragsrückgangs zu drosseln, hat die Fritz Studer AG bereits diverse Massnahmen getroffen. Seit Mai gibt es Kurzarbeit, von der mittlerweile rund 80 Prozent der gegen 700 Beschäftigten betroffen sind. Auf Ende April wurden bereits 15 Kündigungen ausgesprochen, es gibt Abstriche bei Marketing und Geschäftsreisen sowie Sparmassnahmen im Infrastrukturbereich. Lehrstellen nicht betroffen«Doch das reicht nicht – wir müssen auch bei den Personalkosten ansetzen», sagte Gaegauf gestern. So will die Geschäftsleitung noch in diesem Monat 40 der 638 Arbeitsplätze in fast allen Bereichen und Positionen streichen (die 73 Lehrstellen sind nicht betroffen). Ob es so viele Stellen oder weniger sein werden, wird nach Ende des Konsultativverfahrens klar sein, in dessen Rahmen die Betriebskommission ihre Einschätzungen und Massnahmen zuhanden der Geschäftsleitung formuliert. «Rein wirtschaftlich betrachtet, müssten wir mehr als doppelt so viele Stellen streichen», so Gaegauf weiter. «Doch diese Leute würden uns fehlen, sobald die Lage wieder besser wird.» Mit Verlusten lebenDie Fritz Studer AG wird also in diesem und im nächsten Jahr bewusst Verluste in Kauf nehmen. «Dass wir mit mehr Leuten als nötig arbeiten, hängt auch mit der Verantwortung zusammen, die wir als Arbeitgeber haben», betonte Stephan Nell. Das sind bei der Studer AG keine leeren Worte: Die Firma entlöhnt nach einem Bonussystem, bei dem jeder Angestellte vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens profitiert und nicht wie anderswo nur die Teppichetage.Hilfe bei StellensucheEin Teil der Kündigungen – die Rede ist von einem Viertel bis einem Drittel – sollen mit vorzeitigen Pensionierungen aufgefangen werden. Doch Härtefälle werden wohl nicht zu vermeiden sein. Für die Betroffenen wird ein Sozialplan ausgearbeitet. So wird beispielsweise eine Firma engagiert, um ihnen bei der Stellensuche zu helfen.Trotz der schlechten Wirtschaftslage – die Studer AG investiert weiter: in neue Produkte und in die Infrastruktur. So wird derzeit zum Beispiel eine Produktionshalle in Steffisburg fertiggestellt. Dort sollen dereinst Basismaschinen für Schwesterfirmen der Schleifring-Gruppe hergestellt werden.Marc Imboden>

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