Zum Hauptinhalt springen

Die dreiste Diebin hoch über den Wolken

Am liebsten waren ihr die Nachtflüge nach Asien, vor allem jene zwischen Paris und Tokio. Lucie R., wie die Zeitung «Le Figaro» sie nennt, 47 Jahre alt, lang gediente Flugbegleiterin von Air France, kannte die Gewohnheiten ihrer Gäste in der Businessklasse. Es war ein Privileg des Dienstalters, dass sie fast ausschliesslich in den Gängen der teureren, bequemer bestuhlten Kategorie arbeiten durfte. Seit Jahren. Und das schärft nun mal den Sinn für kulturelle Eigenheiten, in fast allen Belangen. Von den japanischen Passagieren etwa wusste Lucie R., dass sie immer mit viel Cash reisten: mit Bündeln von Yen, Euro, Franken. Und so wartete sie, bis die Lichter ausgingen, die Gäste die Decken über sich zogen, die meisten auch die Bildschirme ausgeschaltet hatten, um auf den langen Nachtflügen ihre ganz eigene Nachtschicht einzulegen. Sie stahl den schlafenden Passagieren viel Bares aus den Geldbeuteln und Sakkotaschen, dazu Schmuck, Checkhefte, Kreditkarten, sogar Uhren vom Handgelenk. Die Häufung der gemeldeten Fälle alarmierte die Polizei. Die Ermittler kreuzten die Liste der Flüge mit den nächtlichen Vorfällen in der Businessclass mit den Dienstplänen der Crew. Lucie R. war immer mit an Bord, wenn geklaut wurde. Dann prüften sie den Lebensstil der Dame und bemerkten, dass die Ausgaben in einem «schwindelerregenden» Missverhältnis zu ihrem bescheidenen Lohn standen. Am letzten Freitagmorgen, um 4.30 Uhr, als eine Maschine von Air France aus Tokio am Pariser Flughafen Roissy-Charles-de-Gaulle gelandet war, nahm die Polizei die Hostess fest. Sie gestand, seit Januar 2009 Gäste bestohlen zu haben. Als Motiv für ihre Taten gab Lucie R. finanzielle Probleme an. Es drohen ihr etliche Jahre Haft. In ihrer Wohnung fand die Polizei unter vielem anderen auch einen gestohlenen Ehering. Noch ist nicht bekannt, ob sie der Trägerin oder dem Träger den Ring vom Finger gestreift hat. Möglich wärs. Es gibt ja Leute, die betäuben sich mit Schlafmitteln, um die langen Flüge zu überstehen. Und solche, die über den Wolken alle Sorgen vergessen. Oliver Meiler, Lyon

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch