Zum Hauptinhalt springen

Die Bürokratie in der Stadt Zürich ist viel grösser als auf dem Land Die Bürokratie in der Stadt ist viel grösser als auf dem Land

In Zürich plant die Stadtverwaltung den Bau von Horten und Mittagstischen. In den Landgemeinden entscheiden die Schulen meist selber. Das senkt die Kosten um ein Vielfaches.In Zürich plant die Zentralverwaltung den Bau von Horten und Mittagstischen in den Quartierschulen. In den Landgemeinden entscheiden die Schulen meist selber. Das senkt die Kosten um ein Vielfaches.

Von Daniel Schneebeli Zürich – In der Stadt Zürich stöhnen die Initianten von Kinderhorten unter der Auflagenflut. Feuerpolizei, Denkmalschutz, Lebensmittelinspektorat, Energieplaner und technische Ämter, alle machen spezielle, teilweise sich widersprechende Vorschriften geltend. Das macht selbst kleine Umbauvorhaben teuer und führt zuweilen zu seltsamen Resultaten. Bei der Einrichtung eines Mittagstisches für 18 Kinder in einem Mehrzweckraum des Schulhauses Mühlebach wurden zum Beispiel bestehende WCs zugemauert, eine Türe umplatziert und eine überdimensionierte geschlossene Küche mit Steamern und Riesenkühlschränken eingebaut. Die Schule hatte sich lediglich den Einbau einer kleinen Küchenkombination gewünscht. Kostenpunkt des Umbaus: 240?000 Franken (TA vom 22. November). Der Sprecher des städtischen Hochbauamtes räumte ein, dass Bauprojekte in städtischen Schulen kompliziert sein können. Doch die Beamten setzten lediglich gesetzliche Vorgaben um. Dass man diese auch anders auslegen kann, zeigt ein Blick aufs Land. Dort werden derzeit überall Mittagstische und Kinderhorte eingerichtet. Die drei vom TA angefragten Gemeinden haben unterschiedliche Lösungen gefunden. Alle sind – teils massiv – günstiger als der Umbau im Schulhaus Mühlebach. Wädenswil: Im Schulzimmer In Wädenswil, immerhin einer Stadt mit über 20?000 Einwohnern, gibt es zwar seit längerem Kinderhorte. Mit dem neuen Volksschulgesetz mussten aber rasch neue Mittagstische gegründet werden. Wie Schulpräsident Johannes Zollinger sagt, habe man dabei pragmatisch gehandelt und auf ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis geachtet. Inzwischen gibt es in allen Wädenswiler Schulen Mittagstische. Im Schulhaus Gerberacher wurde – ähnlich wie im Schulhaus Mühlebach – ein Schulzimmer umfunktioniert. Schulpflege, Schulleitung und Elternrat haben in alleiniger Regie darüber entschieden. Da das Essen angeliefert wird, wurde lediglich eine kleine offene Teeküche mit Mikrowellenofen eingebaut. Schulleiter Felix Müller lobt vor allem das Engagement der Eltern, die den Raum strichen und Sofas und Mobiliar mitbrachten. «Wir haben einen wirklich wohnlichen Mittagstisch.» Der Einbau der Küche hat gut 20?000 Franken gekostet, weitere Ausgaben fielen keine an. Gemäss Müller werden am Mittagstisch Gerberacher 20 bis 30 Kinder verpflegt. Dass die Küche nicht abgeschlossen ist, wie es die Behörden in Zürich verlangen, begründet Schulpräsident Zollinger mit einer Frage: «Viele Kinder essen zu Hause auch in der Küche, warum soll das am Mittagstisch nicht gehen?» Er betont aber, dass Wädenswil neuen Schulraum plane. Andelfingen: Altbauwohnung In Andelfingen gab es vor fünf Jahren noch keine ausserschulischen Betreuungsangebote. Im Dorf sei das damals als unnötig erachtet worden, sagt Schulpräsidentin Monica Buzzelli. «Als das Volksschulgesetz angenommen wurde, mussten wir aber handeln», sagt Buzzelli. Der erste Mittagstisch sei sehr improvisiert gewesen und dank initiativer Eltern zustande gekommen. Das Angebot habe die Nachfrage sofort stark ansteigen lassen. Heute ist der Mittagstisch in einer Vierzimmerwohnung in einer Altbauliegenschaft neben dem Schulhaus untergebracht. Hier werden zwischen 10 und 18 Kinder über den Mittag verpflegt, am Nachmittag dient die Wohnung als Hort. Bauliche Anpassungen wegen Auflagen gab es in Andelfingen nicht. Man hat nur die Bodenbeläge ausgewechselt und eine Pinselrenovation für einige Tausend Franken gemacht. Wettswil: Zwei Pavillons In Wettswil am Albis gibt es seit Jahren einen kleinen Pavillon auf dem Areal des Schulhauses Mettlen. Der ist aber viel zu klein. Die Primarschulpflege hat darum vor einigen Jahren einen zweiten grösseren Zweiraumpavillon für etwa 22 Kinder gekauft: Kostenpunkt 230?000?Franken. Er wird als Mittagstisch und als Hort genutzt. Gemäss Schulpräsidentin Francesca Brignoli Lutz entspricht er den feuerpolizeilichen Auflagen. In beiden Pavillons gibt es eine kleine, offene Küche. Mehr sei nicht nötig, da das Essen warm aus einem Restaurant geliefert werde, sagt Brignoli Lutz. Mittelfristig will die Schulgemeinde Wettswil «definitive Lösungen» für ihre Horte. Es gibt Ermessensspielraum Vor kurzem hat sich auch der Regierungsrat zur Bürokratie bei der Einrichtung von Kindertagesstätten geäussert. Er sieht das Problem nicht in den Gesetzen, die Auflagen nötig machen. In seiner Antwort auf ein Postulat von Carmen Walker Späh (FDP) ortet er Handlungsbedarf bei den Bewilligungsbehörden auf kommunaler Ebene. Es liege an diesen, «die Ermessensspielräume, die ihnen die Gesetze eröffnen, auszuschöpfen», schreibt der Regierungsrat. So könnten sie den konkreten Bedürfnissen der Nutzer gerecht werden. «Viele Kinder essen zu Hause in der Küche. Warum soll das am Mittagstisch nicht mehr gehen?» Johannes Zollinger Das Schulzimmer wurde für 20 000 Franken zu einem Hort ausgebaut: Mittagstisch im Wädenswiler Schulhaus Gerberacher.Foto: Sophie Stieger Neue Küche für 240 000 Franken: Hort der Zürcher Schule Mühlebach.Foto: N. Pitaro

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch