Zum Hauptinhalt springen

Die Bülacher Kurzfilmnacht hat sich etabliert

Bereits zum 9. Mal fand dieses Wochenende die Bülacher Kurzfilmnacht statt. Der Anlass hat längst einen festen Platz im lokalen Kulturkalender.

Bülach. - Die Regenwolken lichteten sich etwas am Samstagabend, das Freiluftkino auf dem Guss-Areal war für den zweiten Teil der Kurzfilmnacht bereit. Die Bülacher Filmfans liessen sich das Programm trotz kühleren Temperaturen nicht entgehen. Die Reihen waren gut besetzt. Festivalleiter Simon Schmid, selber Filmemacher und Ausbilder für Filmschnitt beim Schweizer Fernsehen, konnte auch dieses Jahr wieder diverse Streifen von Nachwuchsfilmern, Filmstudenten und sogar Oscar-Preisträgern aus dem In- und Ausland ins Unterland holen. Die Auswahl werde an Festivals wie jenen in Toronto, Cannes, Locarno, Winterthur oder an der Berlinale getroffen. «Wir schauen uns sicher Hunderte von Kurzfilmen an, rund dreissig schaffen es dann in die engere Auswahl», sagte Schmid. Der Publikumsaufmarsch gibt ihm Jahr für Jahr Recht. Die Kurzfilmnacht, 2002 erstmals in sehr kleinem und improvisiertem Rahmen auf dem Lindenhof inszeniert, hat sich längst zu einem einzigartigen Anlass für Filmschaffende etabliert. «Openair-Kinos gibt es zuhauf in der Sommerzeit, doch mit den Kurzfilmen haben wir etwas Spezielles zu bieten, das in der Schweiz seinesgleichen sucht», erklärte sich Schmid den Erfolg. Wenn Mami Regisseurin ist Auch Bülachs Stadtpräsident Walter Bosshard, Ehrengast am Samstag, ist stolz auf das Festival. «Bülach strahlt ohnehin kulturell und sportlich weit über das Unterland hinaus», war Bosshard überzeugt. In Bülach gibt es ein tolles Kulturkonzept, und da habe der Film, auch durch die beiden Kinos ABC und Bambi, einen klaren Standortvorteil. Auch wenn der Vertrag für das Guss-Areal nur bis 2014 gesichert sei, die Kurzfilmnacht werde sicher nicht aus Bülach verschwinden. Mit dem Lindenhof, der Altstadt oder dem Hans-Haller-Platz, der bald ausgebaut werde, habe man würdige Alternativstandorte. Das samstägliche Programm begann mit dem Trickfilm «Manfred», der Geschichte eines Mannes mit einer viel zu gross gewachsenen Nase, die alles aufsaugt, was sie beschnuppert. Ergreifend war danach die Geschichte eines afrikanischen Knaben, der seinen ersten Schultag in einer irischen Schule erlebt, gefolgt von zwei weiteren Trickfilmen und dem Film «Schonzeit», in dem zwei Brüder in Abwesenheit ihrer Eltern leben und der Ältere versucht, dem Jüngeren das Fehlende zu ersetzen. Für den zehnjährigen Youri ist sein Mami, Irene Ledermann, die den Film als Abschlussarbeit ihres Regiestudiums an der Zürcher Hochschule der Künste drehte, nun Regisseurin. «Mich auf der Leinwand zu sehen, ist nicht mehr ungewohnt, aber wenn ich mich im Film sprechen höre, klingt das etwas fremd», gestand Youri. Die beiden Hauptdarsteller, der 18-jährige Manuel Neuburger, der den älteren Bruder spielte, und ihr Sohn, hätten von Anfang an sehr gut zusammengepasst, schilderte Irene Ledermann die Arbeiten auf dem Set. Ihren Streifen kann sie zu Beginn dieser Woche auch am nationalen Kurzfilmwettbewerb in Locarno zeigen. Unterschiedliche Reaktionen In der Pause waren die Meinungen über das Gezeigte etwas zwiespältig. Er habe beim Schweizer Film sein Déjà-vu-Erlebnis gehabt, meinte Matthias Schwank. Einer anderen Besucherin fiel auf, dass mehr Gewalt gezeigt werde als in früheren Jahren, doch könne das auch damit zu tun haben, dass sie in der Zwischenzeit älter geworden sei und die jüngeren Filmemacher dadurch etwas weniger verstehe. Am Schluss aber hat sich der Film «Das heimliche Geräusch» des Deutschen Michael Watzke als klarer Sieger durchgesetzt und auch den Siegerfilm «Oktapodi» vom Freitag ausgestochen. Watzke bezeichnet sich selbst als Quereinsteiger, der noch viel zu lernen habe. «Mein Film wirkt vielleicht ein bisschen hölzern und da und dort kitschig», sagte der Sieger selbstkritisch. Erzählt wird in seinem 28-minütigen Streifen die Geschichte eines Radioreporters, der sich in die Stimme einer Anruferin verliebt, die ihn aber nicht treffen will.

Gut besetzte Reihen trotz kühler Temperaturen: Die Bülacher Kurzfilmnacht im Guss-Areal. Findiger Festivalleiter: Der Bülacher Simon Schmid. Regisseurin und Darsteller: Irene und Youri Ledermann. Glücklicher Gewinner: Filmemacher Michael Watzke.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch