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Dichte Breite und Martina van Berkel

Neben der herausragenden Zürcherin qualifizierten sich an der Schweizer Meisterschaft in Uster 21 Schwimmer für die Kurzbahn-EM. Diese soll als internationaler Einstiegswettkampf dienen.

Von Monica Schneider, Uster Es war nicht das erste Mal, dass an einer Meisterschaft auf der 25-m-Bahn fast der Eindruck entstanden wäre, die Schweiz sei auf dem besten Weg zur Schwimmnation. Nach drei Wettkampftagen hatten sich im Ustermer Buchholz 22 Schwimmerinnen und Schwimmer das Startrecht für die EM in Szczecin (Pol) Mitte Dezember gesichert – die WM-Finalisten Flori Lang und Dominik Meichtry waren schon vorqualifiziert. Eine solche Flut wurde durch moderate Limitenzeiten begünstigt, und die Absicht dahinter ist klar: Leistungssportchef Steffen Liess sieht die Kurzbahn-EM als idealen Einstiegswettkampf für jüngere Athleten, zumal im Schwimmen der Schritt von einer Junioren-EM an eine der Elite enorm ist. Langs Ratschläge an die Jungen «Ich kann mich gut an meinen ersten Start an einer Kurzbahn-EM erinnern», sagt Rückenspezialist Lang. «Bei den Grossen dabei zu sein, war für mich ein riesiges Erlebnis und eine Motivation», fügt der 28-Jährige an und fragt: «Welche Anreize kann man Schwimmern sonst bieten?» Der in Graz trainierende Stadtzürcher weiss aber auch, dass die internationalen Erfahrungen seiner Kollegen nicht nur gut sein werden. «Wichtig ist, dass die Jungen mit der richtigen Einstellung nach Polen reisen, realistische Ziele haben und sich bewusst sind, dass ein Haifischbecken wartet», sagt er. Dass ebendiese Jungen gestern Abend das Ustermer Becken noch zu einem solchen werden liessen, hatte Lang kaum erwartet. Über 100 m Crawl verpasste er als Vierter in 49,45 das Podest; vor ihm klassierten sich drei und gleich hinter ihm ein 20-Jähriger – und alle verbesserten ihre persönlichen Bestzeiten. Meister wurde der Tessiner Artyom Machekin in 48,49, der viertbesten je von einem Schweizer erzielten Zeit. Langs Rekord allerdings liegt noch um 1 Sekunde tiefer. Dass der allgemeine Trend leicht ansteigender Leistungen anhält, verdeutlichte Liess mit einem erstaunlichen Fakt: Der Sieger des 100-m-Delphin-Rennens von 2010 hätte sich in diesem Jahr nicht für den Final qualifiziert. «Das zeigt, dass unsere Spitze zwar schmal ist, dass die Breite aber immer dichter wird.» Meister in diesem Rennen wurde sein Sohn Alex, der 20-Jährige verpasste den nationalen Rekord in 53,04 um nur 22 Hundertstel. Dafür schaffte der gleichaltrige Eric van Dooren (Genf) bereits den Sprung in Europas Top 20: Im Crawlsprint schwamm er in 22,03 die fünftbeste Zeit eines Schweizers. Van Berkels Exploit Ein Mammutprogramm absolvierte Delfinspezialistin Martina van Berkel, die die Basis für ihre derzeitige Form im Herbst mit den Limmat-Sharks in einem dreiwöchigen Camp in Flagstaff (Arizona) aufbaute. Die 22-jährige Studentin aus Winkel nahm sich praktisch alle langen und kräfteraubenden Distanzen vor – und glänzte dennoch mit Rekordzeiten: Über 200 m Rücken schlug sie gestern Morgen in 2:10,62 an und verbesserte die Schweizer Bestmarke um 28 Hundertstel. Doch das war erst ein Vorgeschmack auf das, was am Abend folgen sollte: Meisterin wurde sie in herausragenden 2:08,66. «Ich habe mich in letzter Zeit ein wenig mehr auf die Rückendisziplin konzentriert, das ist nun der Lohn dafür», sagte sie. In dreieinhalb Jahren senkte sie den nationalen Rekord um insgesamt 5,5 Sekunden. Der Weltrekord entwickelte sich in dieser Zeitspanne um nur 0,9 Sekunden (2:00,03). Ihr Ziel ist klar: London. Heute und morgen will sie in der Olympiastadt ein wenig auf Spurensuche gehen, «das wird mich im Training enorm motivieren», sagt sie. Das Rückentraining zahlte sich aus: Martina van Berkel verbesserte den eigenen Schweizer Rekord über 200 m gleich zweimal. Foto: Patrick B. Kraemer (Keystone)

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