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Der verschenkte Sieg und die bittere Wahrheit

Die Grasshoppers hatten Chancen genug, um gegen den FC Basel zu gewinnen – aber nach dem 1:2 blieben sie auf Rang 8 hängen.

Von Thomas Schifferle, Zürich Ciriaco Sforza und Alex Frei verstanden sich gut, als sie nach dem Spiel die Treppe vom Platz hoch in den Kabinengang kamen. Sie wirkten vertraut, der Trainer von GC und der Stürmer von Basel, schliesslich hatten sie Anfang der Nuller-Jahre zusammen für die Nationalmannschaft gespielt. An einen Satz von Frei erinnerte sich Sforza später: «Alex sagte: Wenn ich bei euch spielen würde, hätte ich schon 40 Tore erzielt.» Keiner wusste besser als Sforza, wie viel Wahrheit in dieser Bemerkung lag, so überzeichnet sie auch war. Seine Grasshoppers hatten auch gestern Chancen genug zum Sieg. Aber sie vergaben sie alle, durch Zuber, Callà, Emeghara, immer wieder Emeghara. Darum war es schliesslich Altmeister Frei, der das Spiel entschied. Frei hatte bis in die 81. Minute wenig auffallende Momente. Er hatte früh eine Chance, die er vergab, er schlug den Freistoss, den Marco Streller zum 1:0 verwertete. Sonst war es ruhig um ihn. Bis er dann zu einem weiteren Freistoss Anlauf nahm, 25 Meter vor dem Tor. Drei Varianten gebe es in einem solchen Moment, dozierte er: ein Schuss in die Mauer, einer weit übers Tor oder einer in den «Winkel», in die hohe Ecke eben. Frei traf die richtige Wahl, die spektakuläre, und spurtete nach seinem 2:1 los, blieb irgendwann stehen und schrie in eine Fernsehkamera: «Das isch emol e Goal.» Die Fehler von König Der Sieg für den schwer enttäuschenden Meister war so wertvoll wie glückhaft. Das bestritt auch sein Trainer Thorsten Fink nicht, als er sagte, er sei «nicht stolz». Seine Mannschaft könne besser spielen, aber sie habe dank ihrer individuellen Klasse gewonnen. Mit dem Hinweis auf die Klasse traf er den Kern des Problems der Zürcher. Der FCB hatte, was GC fehlte: Er hatte im Angriff zwei Routiniers, die effizient arbeiteten, er hatte einen Goalie, der auch einmal einen Ball hielt. GC hatte weder das eine noch das andere. Sforza sagte: «Ich muss zuerst die Emotionen runterfahren, sonst ist das nicht gut.» Im Tor stand bei den Zürchern wieder ein Swen König, der bei den Gegentoren nicht überzeugend agierte. Beim 0:1, einem Kopfball Strellers aus drei Metern, sprang er hilflos ins Leere. Nur er konnte wissen, warum er nicht dezidiert auf Freis Flanke ging. Beim späten Freistoss stellte er die zu kleine Mauer so, dass sie weder die eine noch die andere Ecke abdeckte. Und als Frei schoss, machte er einen Schritt auf die falsche Seite. Sehr wahrscheinlich hätte König den Ball auch dann nicht gehalten, wenn er alles richtig gemacht hätte, aber er machte eben nicht alles richtig, wie schon zu oft in dieser Saison. Darum wird Sforza nicht um den Entscheid herumkommen, seinem Goalie einmal eine Denkpause auf der Bank zu gönnen. Den Grasshoppers war für ihren Einsatz kein Vorwurf zu machen, im Gegenteil. Sie hatten zwar ihre Zeit gebraucht, um ins Spiel zu finden. Und sie hatten vor der Pause auch nur eine richtig gute Szene in der Offensive, das war bei Zubers Distanzschuss an den Pfosten. Aber bei allen spielerischen Mängeln, die sie zuweilen offenbarten, hatten sie nie ein ernsthaftes Problem mit dem Gegner, sie waren nie überfordert, sondern nach der Pause endgültig besser – gut genug für die drei Punkte jedenfalls. Die Chancen der Stürmer Dreimal war es allein Emeghara, der vergab, in der 57., 73. und 78. Minute. Zweimal stand er dabei dank seiner Hartnäckigkeit allein vor Costanzo, einmal schoss er den Basler Goalie an, einmal hob er den Ball neben das Tor. Am Ende passte Davide Callàs bittere Erkenntnis: «Wenn wir die Tore machen würden, dann würden wir in der Rangliste nicht da stehen, wo wir stehen.» Callà selbst hatte es aus zwei Metern fertig gebracht, den Pfosten zu treffen. Die Selbstkritik blieb nicht aus. «Das kann es auch nicht sein», sagte Callà. Und fügte bei: «Wir waren klar besser als der Leader. Mehr gibt es nicht zu sagen.» Sforza hatte bis in die 83. Minute gewartet, um mit Vincenzo Rennella seinen vielleicht talentiertesten Stürmer einzuwechseln. Die Mannschaft habe ja gut gespielt, sie habe «eine gute Energie, einen guten Spielfluss» gehabt, sagte er. Darum sah er keinen Grund für eine frühere Umstellung. Aber es war nicht nur das, warum er Rennella so lange auf der Bank liess, auch nicht dessen erst überstandene Grippe. Der junge Stürmer hatte am Mittwoch beim Spiel mit der U-21 in Winterthur ein Auftreten gezeigt, das für Sforza «nicht akzeptabel» war. GC sind nach diesem Wochenende drei Punkte als magere Reserve auf den Tabellenletzten St.?Gallen geblieben. Sforza versuchte in der Enttäuschung, sich selbst Mut zu machen: «Mit dem Abstieg werden wir nichts zu tun haben.» Bildlegende.Foto: Vorname Name, Agentur «Das kann es auch nicht sein»: Davide Callà (2. von links, daneben Emeghara) trifft zwei Meter vor Basels Goalie Costanzo nur den Pfosten.Foto: Daniela Frutiger (freshfocus)

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