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Der Verkehr zerschneidet die grüne Lunge der Glattalstadt

Für die Jäger wird die Strasse durch den Hardwald heute gesperrt. Die Strecke für immer verkehrsfrei zu machen, trauen sich die Politiker noch nicht.

Von Bodo Lamparsky Wallisellen/Kloten – Hunde, die altes und krankes Wild aufstöbern, achten nicht auf den Verkehr. Das Gleiche trifft auf flüchtende Rehe zu. Daher ist die Strasse durch den Hardwald während der Treibjagd heute Donnerstag gesperrt; wie schon vor zwei Wochen. Sonst gilt das Fahrverbot für den Abkürzer zwischen Wallisellen und Kloten an Feiertagen und am Wochenende. 60 Stück Wild muss die Jagdgesellschaft Wallisellen im Hardwald dieses Jahr erlegen – so lautet die Vorgabe der kantonalen Jagdverwaltung an die Revierpächterin. Ein Drittel des Solls haben allerdings die Autofahrer schon erfüllt. Rund 20-mal im Jahr rückt Jagdverwalter Hansruedi Nater aus, um überfahrene Rehe zu bergen, meist mitten in der Nacht. Dabei trifft er oft grausige Szenerien an. «Wenn das Wild durch die Frontscheibe einsteigt und durch die Heckscheibe wieder aussteigt, sieht das nicht sehr schön aus», sagt er trocken. Für ihn ist klar: «Selbstverständlich könnte man die Hardwaldstrasse gänzlich sperren.» Central Park der Glattalstadt Lieber heute als morgen würde auch der Walliseller SP-Präsident und Kantonsrat Ruedi Lais den Schleichweg dauerhaft unterbinden. Er bringt das Thema seit 20 Jahren in allen möglichen Zusammenhängen auf. Nicht zuletzt fürchtet der passionierte Orientierungsläufer um die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen in seinem Verein. Der OL-Club Kapreolo, einer der grössten in der Schweiz, entscheidet sich für seine Mittwochabendtrainings jeweils entweder für die Region südlich der Hardwaldstrasse oder für die Region nördlich davon – aus Angst vor dem Verkehr auf der Strasse. Vor allem aber streicht Lais die Erholungsfunktion des 4,7 Quadratkilometer grossen Waldstücks inmitten der dicht besiedelten Region heraus: «Für die Glattalstadt ist das der Central Park.» Vor seinem geistigen Auge sieht er schon Biker und Rollschuhfahrer ihre Bahnen über das Asphaltband ziehen. Revierförster August Erni zeigt sich mit ihm einig. Als grüne Lunge der umliegenden Gemeinden diene der Hardwald primär der Erholung. «Da gibt es nur eines: diese Strasse sperren.» Der Verkehr behindere zudem die rund 100 Waldbesitzer bei der Bewirtschaftung ihrer Parzellen. Vier Bussen pro Stunde Die Schliessung der Hardwaldstrasse beschäftigt die lokalen Behörden schon seit den frühen Siebzigerjahren. Immer wieder gab es im Klotener Stadtrat Vorstösse dazu. Nach vielen schweren Verkehrsunfällen wurde 1982 das Tempolimit auf der 2 Kilometer langen, kupierten, engen und unübersichtlichen Strecke von 80 auf 60 km/h gesenkt. 1995 folgte das Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen, das allerdings nicht sonderlich gut beachtet wird. Kontrolliert die Polizei vor Ort, verteilt sie laut Thomas Grädel, dem Leiter Sicherheit der Stadt Kloten, im Schnitt vier Bussen pro Stunde. Der vorläufig letzte Anlauf, die Strasse durch den Hardwald gänzlich zu schliessen, scheiterte 2001: Die fünf Anstössergemeinden Kloten, Bassersdorf, Dietlikon, Wallisellen und Opfikon konnten sich nicht einigen. Mittels Barrieren gesperrt ist die Strasse unterdessen bei Windgeschwindigkeiten über 100 km/h. Die Klotener Feuerwehr mochte nicht länger in Stürmen stecken gebliebene Fahrzeuge aus dem Wald holen. Die Durchfahrt verweigert wurde den Automobilisten auch schon mal, weil der Stadt Kloten im Winter das Salz ausgegangen war. Eine nicht ganz unwichtige Funktion nimmt die Strecke bei Heimspielen der Kloten Flyers ein: Um brenzlige Situationen unter den Eishockeyfans im Zentrum zu vermeiden, leitet die Polizei die Cars der Gegner mitunter durch den Hardwald nach Hause. Warten auf die Glattalautobahn Ein generelles Fahrverbot steht derzeit weder in Kloten noch in Wallisellen oben auf der Traktandenliste. Priska Seiler (SP), die Ressortvorsteherin Sicherheit im Klotener Stadtrat, hätte persönlich jedoch Sympathien dafür: «Aus ökologischer Sicht braucht es keine Strasse mitten durch den Wald.» Ihr Walliseller Amtskollege Tobias Meier Kern (CVP) sagt: «Das Verbot ist wünschenswert.» Gemeinsam könnten die beiden Politiker die Strasse, die Kloten und Wallisellen gehört, durch den Kanton sperren lassen. Im Moment scheuen sie davor jedoch zurück – aus Rücksicht auf Bassersdorf. «Es wäre nicht fair, die Strecke durch den Hardwald zu schliessen, solange Bassersdorf so stark vom Verkehr belastet ist», sagt der Walliseller Sicherheitsvorstand Meier Kern. Seiner Meinung nach kann man über die Strassensperrung erst diskutieren, wenn die Glattalautobahn als Verbindung zwischen der A 1 und der Unterlandautobahn erstellt ist. Und das kann nochmals Jahrzehnte dauern. Bildlegende. Foto: Vorname Name (Agentur)

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