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Der Todesstoss gegen den Dorfladen

Ende Sommer wird in Lindau der Dorfladen verschwinden. Der Verein Dorfladen Lindau will nicht, dass der Vorstand gegen die Vermieter des Ladenlokals vor Gericht zieht.

Von Till Hiemer Lindau – Dem Namen nach war die Generalversammlung des Vereins Dorfladen Lindau am Donnerstagabend eine normale GV, mit den üblichen Traktanden wie Jahresbericht, Rechnungsabnahme und Wahlen. De facto war es eine ausserordentliche – zumindest, was Ablauf und Inhalt betraf: Die Mitglieder des Vereins versetzten dem Dorfladen im gut besetzten Hörsaal der Landwirtschaftlichen Schule Strickhof nämlich eigenhändig den Todesstoss. Mit 50 zu 9 Stimmen wurde dem schriftlich gestellten Antrag von Deanne und Adrian Lerch, dem Vermieter-Ehepaar des Ladenlokals, deutlich entsprochen. Lerchs hatten gefordert, dass der Verein nicht vor Gericht ziehe, um eine Mieterstreckung zu erwirken, sondern die Kündigung des Mietvertrags per 31. Juli akzeptiere. Deanne und Adrian Lerch sind selbst Mitglied des Vereins. Weiterführen als Zwängerei Bereits Anfang dieses Jahres hatte der dreiköpfige Vorstand beschlossen, die Kündigung aufgrund eines Formfehlers vor der Schlichtungsbehörde anzufechten. Zudem hatte der Verein den vom Ehepaar Lerch ins Feld geführten Eigenbedarf für den Laden infrage gestellt. Auf die vorgeschlagene Erstreckung des Mietverhältnisses war das Ehepaar nicht eingegangen. Es war selbst an der Versammlung anwesend, hatte aber in dieser Sache kein Stimmrecht. Der Vereinsvorstand wollte nichts vom Vergleichsvorschlag der Schlichtungsbehörde wissen, den Antrag zurückzuziehen, und zog den Fall weiter an das Bezirksgericht. Dies tat er eigenmächtig, ohne Rücksprache mit den übrigen hundert Vereinsmitgliedern. Dass der Vorstand in Eigenregie gehandelt hatte, stiess denn auch so manchem Vereinsmitglied sauer auf. Vizepräsident Ulrich Isler, der die Versammlung am Donnerstag leitete, betonte, dass man damals fristenbedingt so rasch habe handeln müssen. «Sonst wäre die Sache mit der möglichen Mieterstreckung so oder so gelaufen gewesen», sagte er. Deshalb habe man auch keine Zeit mehr gehabt, sämtliche Mitglieder vorgängig zu informieren. Zudem wäre man allenfalls dafür verantwortlich gemacht worden, wenn man die Frist ungenutzt hätte verstreichen lassen.Verschiedene Argumente führten bei den Mitgliedern aber offenbar zur Einsicht, dass die Weiterführung des Ladens eine Zwängerei gewesen wäre. Der Laden warf seit längerem wenig Umsatz ab. Im letzten Jahr hatte der Verein einen Verlust von 5200 Franken gemacht, der sich dank der Defizitgarantie der Gemeinde auf eine rote Null reduziert hatte. Zwei Stellen gehen verloren «Ist es wirklich gescheit, gegen Einwohner aus dem eigenen Dorf zu prozessieren?», tönte es etwa aus dem Plenum. Zudem hätte über kurz oder lang ohnehin ein neues Ladenlokal gefunden werden müssen – Mieterstreckung hin oder her. Auch wurde von vielen Mitgliedern die Eigenbedarf-Argumentation der fünfköpfigen Familie akzeptiert. Der Vorstand hatte vergeblich diverse Möglichkeiten in Sachen Standortalternativen ausgelotet. Der Dorfladen wird auch nach dem 31. Juli noch eine Weile weiterexistie-ren, möglicherweise bis zum Jahresende, um eine geordnete Liquidation durchführen zu können. Das Ehepaar Lerch signalisierte diesbezüglich Gesprächsbereitschaft. Die Lerchs bedauerten aber auch den Verlust von Arbeitsplätzen im Umfang von über 200 Stellenprozenten, unter anderem auch demjenigen von Vereinspräsidentin Dora Wälchli. Die einzige einigermassen ernsthafte Perspektive wäre das zentral gelegene Feuerwehrlokal gewesen. Für diese Idee bestand eine grobe Planung ohne Einbezug der Kostenfrage. Gemäss Ulrich Isler hätte das Projekt erst in zwei Jahren konkretisiert werden können. «Es wäre ein steiniger Weg geworden.» Die Feuerwehrlokal-Idee ins Spiel gebracht hatte der Gemeinderat, dies aber mit dem Hinweis, dass der Laden kostendeckend hätte arbeiten müssen. Ebenso mindestens zwei Jahre hätte der Weg über eine politische Initiative gedauert. «Eine solche wäre frühestens im kommenden Dezember vor der Gemeindeversammlung behandelt worden», sagt der anwesende Gemeindepräsident Fritz Jenzer. Schon frühzeitig zerschlagen hatte sich ein allfälliger Umzug ins Postgebäude, in die Bibliothek oder in ein Provisorium. (tih)

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