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Der Schuhmacher

Samir Touma repariert Schuhe. Sein Verdacht: Schuhe werden oft für den Kopf statt für die Füsse gekauft.

Am Montag beginnt die Arbeitswoche.Auf der «Bellevue»-Seite beginnt der Montagmit einem Interview zum Arbeitsplatz.Wer selber einmal Auskunft geben möchte, melde sich unter bellevue@tagesanzeiger.ch. Mit Samir Touma sprach Marcel Reuss Herr Touma, was ist Ihr Rezept gegen schlechte Montagslaune? Ich brauche keines, weil der Montag für mich der schönste Tag zum Arbeiten ist. Am Montag bringen die Kunden die Schuhe, die sie repariert am Samstag dann wieder abholen. Wo wären Sie lieber als hier? Bei meiner Familie, mit Kollegen oder in der Kirche. Als Assyrer mit aramäischer Sprache, der vor 21 Jahren in die Schweiz gekommen ist, engagiere ich mich in der christlich orthodoxen Kirche. Worauf kommt es an in Ihrem Job? Selbstverständlich, dass ich den Kunden gut bediene, das Handwerk stimmt, die Arbeit sauber ist. Sehen Sie, jede Reparatur ist anders. (Holt einen Schuh). Hier zum Beispiel ist der Absatz kaputt. Ich muss mich fragen, wie viel ich ersetzen soll, muss dann schauen, dass die Höhe stimmt und am Ende darauf, dass der Schuh gerade steht und nicht kippt. Ist das Ihr Traumjob? (Studiert kurz) Ja. Ich habe 2005 als Schuhmacher begonnen. Davor habe ich als Zimmermann und Schreiner gearbeitet, bis ich auf der Baustelle einen schweren Unfall hatte. Zu Hause bleiben wollte ich nicht und habe deshalb nach etwas Neuem gesucht, und die Möglichkeit gefunden, Schumacher zu werden. Heute habe ich ein Geschäft in Oberengstringen und seit kurzem eines in Zürich. Damit bin ich sehr zufrieden. Welche Anekdote werden Sie noch im Altersheim erzählen? Vielleicht die von der Frau, die am Samstag gegen Ladenschluss noch ihre Schuhe vorbeibrachte. Sie müsse sie unbedingt wieder haben, weil ihre Schwester am Abend ein Fest habe. Ich musste die Schuhe dann sohlen und den Absatz erneuern, was ein bis zwei Stunden dauert. Dann habe ich halt bis sechs Uhr gearbeitet. Sie war glücklich, ich auch. Erkennen Sie an sich Anzeichen von Déformation professionelle? Ja. Das Geschäft in Oberengstringen liegt im Zentrum. Auf den Böden dort höre ich sofort, ob ein Mann oder eine Frau unterwegs ist. Wenn die Frau zum Beispiel «auf den Nägeln» läuft, das heisst, der Absatzgummi weg ist, denke ich: «Ah, eine Kundin.» Was fällt Ihnen sonst auf, wenn Sie die Schuhe anderer Leute sehen? Ob die Schuhe für die Füsse gekauft wurden, ob sie also bequem sitzen. Kaufen viele Leute falsche Schuhe? Doch einige, weil sie mit dem Kopf kaufen statt mit den Füssen. Oder wenn sie billige Schuhe kaufen, aus Plastik. Die sind nicht angenehm zum Tragen, schlecht für die Umwelt und für den Schuhmacher kaum zu reparieren. Schuhe aus Leder sind besser. Sie lassen sich bestens reparieren. Macht es Sinn, in Zürich Schuhe mit Ledersohle zu kaufen? Wenn es regnet nicht. Bei schönem Wetter aber sind sie eleganter, und damit man nicht ausgleitet, empfiehlt es sich, eine dünne Gummisohle anzubringen. Diese sieht man fast nicht, und danach kann man die Schuhe sowohl im Sommer als auch im Winter tragen. Zürich wäre eine bessere Stadt, . . . . . . wenn die Zürcher weniger auswärts oder gar im Ausland einkaufen würden. Aber was sage ich, seit sechs Jahren lebe ich mit meiner Familie hier, es hat alles, die Schulen sind gut, ich bin sehr zufrieden. Mit Samir Touma sprach Marcel Reuss Herr Touma, was ist Ihr Rezept gegen schlechte Montagslaune? Ich brauche keines, weil der Montag für mich der schönste Tag zum Arbeiten ist. Am Montag bringen die Kunden die Schuhe, die sie repariert am Samstag dann wieder abholen. Wo wären Sie trotzdem lieber als hier? Bei meiner Familie. Zusammen mit Kollegen. Oder in der Kirche. Als aramäischer Syrer, der vor 21 Jahren in die Schweiz gekommen ist, engagiere ich mich in der aramäischen Kirche. Auf was kommt es an in Ihrem Job? Selbstverständlich, dass ich den Kunde gut bediene, das Handwerk stimmt, die Arbeit sauber ist. Sehen Sie, jede Repartur ist anders. (Holt einen Schuh). Hier zum Beispiel ist der Absatz kaputt. Ich muss mich fragen, wie viel ich ersetzen soll, muss dann schauen, dass die Höhe stimmt und am Ende darauf, dass der Schuh gerade steht und nicht kippt. Was ist das Schlimmste, was in Ihrem Job passieren kann? Die Fräse, die ist am gefährlichsten. Die dreht sich pro Minute 180 Mal. Da muss man mit dem Kopf ganz bei der Arbeit sein, sonst passiert schnell etwas. Bei der Schleifmaschine wiederum muss man aufpassen, dass man den Schuh nicht zerkratzt. Ist das Ihr Traumjob? (Studiert kurz) Ja. Ich habe 2005 als Schuhmacher begonnen. Davor habe ich als Zimmermann und Schreiner gearbeitet, bis ich auf der Baustelle einen schweren Unfall hatte. Zu Hause bleiben wollte ich nicht und habe deshalb nach etwas neuem gesucht, und die Möglichkeit gefunden, Schumacher zu werden. Heute habe ich ein Geschäft in Oberengstringen und seit kurzem eines in Zürich. Damit bin ich sehr zufrieden. Welche Anekdote werden Sie noch im Altersheim erzählen? Vielleicht die von der Frau, die am Samstag gegen Ladenschluss noch ihre Schuhe vorbeibrachte. Sie müsse sie unbedingt wieder haben, weil ihre Schwester am Abend ein Fest habe. Ich musste die Schuhe dann sohlen und den Absatz erneuern, was ein bis zwei Stunden dauert. Dann habe ich halt bis sechs Uhr gearbeitet. Sie war zufrieden, ich auch. Erkennen Sie an sich Anzeichen von Déformation professionelle? Ja. Das Geschäft in Oberengstringen liegt im Zentrum. Auf den Böden dort höre ich sofort, ob ein Mann oder eine Frau unterwegs ist. Wenn die Frau zum Beispiel «auf den Nägeln» läuft, das heisst, der Absatzgummi weg ist, denke ich: «ah, eine Kundin.» Was fällt Ihnen sonst auf, wenn Sie die Schuhe anderer Leute sehen? Ob die Schuhe für die Füsse gekauft wurden, ob sie also bequem sitzen. Kaufen viele Leute falsche Schuhe? Doch einige, weil sie mit dem Kopf kaufen statt mit den Füssen. Oder wenn sie billige Schuhe kaufen, aus Plastik. Die sind nicht angenehm zum Tragen, schlecht für die Umwelt und für den Schuhmacher kaum zu reparieren. Schuhe aus Leder sind besser. Sie lassen sich behandeln, ausweiten und bestens reparieren. Macht es Sinn, in Zürich Schuhe mit Ledersohle zu kaufen? Wenn es regnet nicht. Bei schönem Wetter aber sind sie eleganter und damit man nicht ausgleitet, empfiehlt es sich, eine dünne Gummisohle anzubringen. Diese sieht man fast nicht, und danach kann man die Schuhe sowohl im Sommer als auch im Winter tragen. Zürich wäre eine bessere Stadt, ... ...wenn die Zürcher weniger auswärts oder gar im Ausland einkaufen würden, nur weil es dort billiger ist. Aber was sage ich, seit sechs Jahren lebe ich mit meiner Familie hier, es hat alles, die Schulen sind gut, ich bin sehr zufrieden. «Ledersohlen sind eleganter», sagt Samir Touma.Foto: Dominique Meienberg

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