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Der Rafale landet in Indien den ersten Erfolg

Delhi kauft jenes Flugzeug, das Bern nicht wollte: Der französische Flugzeugbauer Dassault kann Indien 126 Rafale-Jets liefern.

Von Oliver Meiler, Paris In Frankreich reden die Medien von einem «kolossalen Auftrag», vom «Geschäft des Jahrhunderts» gar für Dassault Aviation, den nationalen Kampfjetbauer. Und das Elysée liess schon ausrichten, man freue sich sehr, obschon der Vertrag noch nicht endgültig unterzeichnet ist. Indien schickt sich nämlich an, Dassault 126 Einheiten jenes Kampfjets abzukaufen, den die Franzosen trotz grösster Anstrengung und trotz präsidialen Lobbyierens bisher noch nie ins Ausland verkaufen konnten – den Rafale. Kürzlich entschied sich auch Bern gegen dieses Flugzeug. Die Euphorie über die Premiere scheint also verständlich. In der Schlussrunde schlug Dassault den europäischen Rüstungskonzern EADS und dessen Eurofighter Typhoon, der sich bis zuletzt im Vorteil gewähnt hatte. Gemäss indischer Presse soll der Deal etwa 12 Milliarden Dollar wert sein. Die Aktie von Dassault Aviation machte am Dienstag denn auch einen beträchtlichen Sprung an der Pariser Börse. Ein Communiqué des Konzerns gab es aber nicht. Olivier Dassault, Sohn von Patron Serge und seit kurzem Präsident des Verwaltungsrats, trat nur kurz vor die Mikrofone, die ihm auf der Strasse entgegengestreckt wurden, und sagte: «Das ist eine sehr, sehr, sehr gute Nachricht für die nationale Industrie.» Dassault traut dem Deal nicht Die Zurückhaltung des Konzerns erklärt sich wohl damit, dass die konkreten Verhandlungen jetzt erst beginnen und die indischen Behörden dafür bekannt sind, jedes Detail aushandeln zu wollen. Manchmal treiben sie damit Kunden und Investoren wieder in die Flucht. Auch in diesem Fall warten Hindernisse: Offenbar sieht das Kaufabkommen vor, dass Indien nur 18 Jets direkt aus Frankreich beziehen wird; 108 Rafales sollen auf indischem Boden gefertigt oder zumindest montiert werden. So stellt sich die Frage, ob der Deal am Ende nicht eine Verlegung von französischen Arbeitsplätzen zur Folge haben wird statt einer Stärkung des Industriestandorts. Für Dassault war der Wettbewerbserfolg bitter nötig, vielleicht kam er gar in letzter Minute. Bisher war der französische Staat der einzige Abnehmer des teuren Rafale. Insgesamt bestellte er 300 Jets. Die frustrierte Konkurrenz sah darin einen patriotischen, politischen und protektionistischen Reflex. Kürzlich aber liess Frankreichs Verteidigungsminister Gérard Longuet durchblicken, dass man das Programm nicht weiter stützen werde, wenn sich der Jet nicht exportieren lasse. Die Fabrikation war also gefährdet. Und so fragt man sich in Frankreich, wie stark Dassault den Preis wohl gedrückt hat, um die Inder, die in der Regel immer die billigste Offerte wählen, zu überzeugen – und um gleichzeitig seinen Rafale zu retten. Einige Verkaufshoffnung macht man sich offenbar nun plötzlich auch wieder in der Schweiz, obschon sich der Bundesrat kürzlich für den Kauf von 22 schwedischen Gripen entschieden hat. Wie der schweizerischen Sonntagspresse zu entnehmen war, versucht der französische Flugzeugbauer das Rennen neu zu lancieren – mit einem Brief an die Sicherheitskommission im Parlament, die den Bundesratsbeschluss zum Gripen nochmals genau prüfen will. Man munkelt, der Brief aus Paris enthalte ein neues und stark aufgebessertes Angebot für 18 Rafales. Für Hersteller Dassault ist die Bestellung wohl die Rettung in letzter Minute: Rafale in Aktion. Foto: François Mori (AP, Keystone)

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