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Der Impfverweigerer und das Veterinäramt trennen sich 1:1

Kantonsrat Urs Hans wurde vom Vorwurf der Tierquälerei freigesprochen.

Von Ruedi Baumann Winterhur – Zuerst mussten Stühle in den grossen Saal des Bezirksgerichts getragen werden – 50 Biobauern aus der halben Schweiz kamen nach Winterthur, um ihren Kollegen in seinem Kleinkrieg gegen das kantonale Veterinäramt zu unterstützen. «Vielleicht habe ich zu fest Werbung gemacht», sagte Urs Hans (59), Bauer und Kantonsrat der Grünen, fast entschuldigend. Doch dann gab er Vollgas – ohne Rechtsanwalt, er allein gegen die «Veterinärbürokratie». Aber mit 40 Jahren Erfahrung als Bauer. Hans war in 26 Punkten angeklagt wegen Verstössen gegen ein halbes Lexikon an Vorschriften. Seiner Ansicht nach hat ihn das Veterinäramt seit 2009 auf der schwarzen Liste und organisiert «als Tierschutzkontrollen getarnte Strafaktionen». Auslöser war Hans’ konsequente Weigerung, seine Tiere gegen die Blauzungenkrankheit zu impfen. Seither werde er von den «Gestapo-Tierschutzbrigaden» – wie er einmal schrieb – regelrecht observiert. Kontrolleure und Polizisten hätten seinen Hof sogar absichtlich an einem Montagmorgen besucht, als er im Kantonsrat sass. Diese Kontrollen ergaben zwei Dutzend Anklagepunkte, die von offensichtlichen Lappalien wie dem Nichtausfüllen von Formularen oder fehlenden Ohrenmarken bei den Tieren bis zu weit schwereren Vorwürfen reichten. Allein der Klagenkatalog ohne Urteil habe – so Hans – bereits zu einer Reduktion der Direktzahlungen geführt. Als Bauer und Tierfreund traf ihn der Vorwurf der fahrlässigen Tierquälerei am härtesten. Ein kerngesundes Rind war gemäss seiner Darstellung in fünf Wochen abgemagert, weil es unter extremem Durchfall litt. Dieser Durchfall wiederum stamme von der Impfung gegen Rauschbrand, die er zwangsweise vornehmen musste. Schulmedizin schlachtet Tiere Als am Morgen «im dümmsten Moment» die Kontrolleure auftauchten, konnte das Rind kaum mehr stehen. Es wurde getötet, und Hans hatte ein weiteres Verfahren am Hals. Die Rechtsanwältin des Veterinäramts sagte vor Gericht, das Tier habe nur noch 165 Kilogramm gewogen, ein Drittel des Normalsgewichts. Und sein Magen sei komplett ausgetrocknet gewesen. Hans habe es unterlassen, dem Tier rechtzeitig professionelle Hilfe angedeihen zu lassen. Hans gelang es, das Gericht in einem fulminanten Plädoyer in geerdeter Bauernsprache vom Gegenteil zu überzeugen. Andere Rinder mit den gleichen Symptomen seien im Tierspital ohne Federlesens getötet worden, weil Paratuberkulose angeblich unheilbar sei. Die Schulmedizin neige dazu, «Tiere unnötig zu schlachten». Ihm aber sei es gelungen, ein Tier mit Homöopathie durchzubringen. Die Richterin nahm es ihm ab, dass er das auch in diesem Fall versucht hatte. Diesen Freispruch quittierten die Bauern mit lauten Bravorufen.Keine Chance hatte Urs Hans gegen viele der weiteren Anklagepunkte. Nach Impfungen gegen die Blauzungenkrankheit seien bei anderen Bauern die Tiere «verreckt wie Fliegen», sagte er zwar. Drastische Nebenwirkungen nach dieser Impfung seien offensichtlich. Trotzdem wurde er verurteilt. Der Richterin waren die Hände gebunden, weil eidgenössische Fachgremien den Zwang eingeführt hatten. Zudem hat auch bereits das Bundesgericht Impfverweigerer gebüsst.Kein Pardon gabs auch wegen mehreren Verstössen gegen das Tierschutzgesetz. Bei einer der häufigen Kontrollen hatte das Amt festgestellt, dass im Laufstall 39 Tiere anwesend waren, es aber nur 37 Liegeboxen gab. Hans sagte, dass wenige Tage vor Fertigstellung des neuen Stalls Schneefall eingesetzt hatte und dass im Stall ohnehin nie alle Tiere gleichzeitig lägen. Damit kam er aber nicht durch. Das Urteil: eine Busse von 2000 Franken und 1000 Franken Gebühren. «Sie können mich schuldig sprechen, aber ich gebe nicht auf», sagte er schon zu Beginn der Verhandlung. Biobauer Urs Hans erhielt eine Busse, weil er seine Tiere nicht gegen die Blauzungenkrankheit impfte. Foto: Beat Marti

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