Zum Hauptinhalt springen

Der Höllenritt der Fürstlichen

Die AS Monaco, vor 7 Jahren noch ein europäisches Topteam, vegetiert ganz unten in der Ligue 2.

Von Oliver Meiler Es gab mal eine Zeit, da war das Stade Louis II. von Monaco, diese schmucke Arena mit dem Wohnzimmerfeeling, eine noble Adresse, obschon es ja selten ganz voll war. Auch international war das Stadion eine Burg. Da kam so manch bekannter Fussballer ins Fürstentum. Natürlich lockten auch Steuerfreiheit, hohe Löhne und Glamour unter mediterranen Pinien. Aber eben nur peripherisch. Es war die Zeit, als die Association Sportive Monaco, kurz ASM, gegründet 1924, Titel in Serie gewann und sogar im Final der Champions League stand: 2004 war das, vor 7 Jahren – gewissermassen vorgestern. Eine schöne und bizarre Geschichte. Für die Franzosen war die sportliche Klasse der Monegassen etwa das, was für die Schweizer ein langer, stolzer, europäischer Höhenflug des FC Vaduz wäre – der Gast aus dem kleinen Fürstentum mit hegemonischen Ansprüchen. Doch die Vergangenheitsform zwingt sich auf. Nichts ist mehr, wie es einmal war. «Léquipe princière», wie die Fürstlichen auch genannt werden, ist auf einem spektakulären Höllenritt. Im letzten Jahr stieg die Mannschaft erstmals nach 34 Jahren aus der höchsten französischen Profiliga ab. Und da schon die Ligue 1 nicht eben den Ruf einer grossen Meisterschaft geniesst, wird die Ligue 2 selbst von den Franzosen mit generöser Ignoranz traktiert. Man gelobte sofortigen Aufstieg. Fürst Albert liess verlauten, die AS und ihre Geschichte gehörten rauf, in die Aristokratie des Fussballs. Man werde die Schmach des Abstiegs schnell auswetzen. Gehts noch tiefer? Nun, zunächst einmal gehts rasant weiter nach unten. Nach 14 Spielrunden steht Monaco mit 11 Punkten auf dem letzten Platz der bescheidenen Provinzliga: 1 Sieg, 8 Unentschieden, 6 Niederlagen – 13 zu 24 Tore. Zuletzt gab es eine 0:3-Niederlage gegen Nantes. Man liegt hinter Mannschaften mit so bescheiden klingenden Namen wie Istres, Laval, Troyes. «Nice-Matin» fragt alarmiert: «Kann Monaco absteigen?» Noch tiefer, also in die «Nationale», 3. Liga? Und das Lokalblatt findet mindestens drei Gründe, warum die Schmach durchaus noch ausbaubar wäre. Einer davon passt gut zum Image des verwöhnten Fürstentums: Man sei sich in Monaco nicht gewöhnt zu kämpfen. Und die Ligue 2 ist nun mal ein Acker. Der Verein versucht in dieser Saison einen Neuanfang. Viele junge Spieler stiessen direkt aus dem Nachwuchs ins erste Team. Es mangelt ihnen natürlich an Routine, manchen auch an der nötigen Physis. Pech hatte man aber auch mit einigen bekannten Zuzügen: Ludovic Giuly etwa, ein Rückkehrer und ehemaliger französischer Nationalspieler, der als Stürmer schon für den FC Barcelona und Paris Saint-Germain spielte, sollte den Jungen als Captain den Weg zeigen. Doch wegen Verletzungen spielte der 35-jährige Star der Mannschaft bisher erst dreimal. Der norwegische Internationale Thorstein Helstad, der als hoffnungsfroher Topskorer geholt wurde, hat ebenfalls selten gespielt und noch gar nie getroffen. Seit zwei Monaten versucht nun ein neuer Trainer, das Team an seine grosse Geschichte zu gemahnen, den Stolz in den Spielern zu kitzeln, einer, der ganz neu im Fach ist: Der Italiener Marco Simone (43), einst Stürmer bei der AC Milan und bei der AS Monaco, wurde aus dem Fernsehstudio geholt. Simone gab seit einigen Jahren den Experten auf Canal Plus, fiel dabei vor allem wegen seiner wild gegelten Haare und seiner zuweilen virulenten Kritik an Fussballtrainern der Ligue 1 auf, was diese denn auch oft ärgerte. «Als mich der Fürst anrief», sagt Simone, «da habe ich keine Sekunde gezögert.» Und dabei angeblich auf viel Geld verzichtet, das er nebenbei auch noch als Spieleragent verdiente. Simone lebt schon seit vielen Jahren in Monaco, kennt den Klub und dessen Kultur. Er will ein bisschen Arrigo Sacchi und Fabio Capello ins Fürstentum bringen – beides frühere Trainer der AC Milan, unter denen er spielte: Sacchi war ein brillanter Taktiker, Capello ein strenger Schleifer. Er sei kein Magier, räumte Simone zu Beginn des Jobs ein, und das war dann auch bald ersichtlich. In den Sportblogs wurde der frühere Fernsehexperte schnell mit Häme eingedeckt, besonders von den Fans jener Vereine, deren Trainer er davor jeweils streng beargwöhnt hatte. Simone sagte auch schon mal, er schaue nicht auf die Tabelle. Das viele Geschwätz über einen Abstieg ins Bodenlose hindere nur am Arbeiten. Er hat gut reden: Bei Canal Plus ist man so verblieben, dass Simone wieder zum Sender zurückkehren kann, wenn das mit den Fürstlichen nicht klappt, wenn er deren Höllenritt nicht stoppen kann. Man sei sich in Monaco nicht gewöhnt zu kämpfen. Und die Ligue 2 ist nun mal ein Acker.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch