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Der Bülacher Seelsorger für fast alle Fälle

Res Peter ist Pfarrer bei der reformierten Kirche Bülach und Seelsorger. Seine Spezialgebiete sind die Industrie-, Notfall- und Feuerwehrseelsorge.

Bülach. - «Es kommt schon mal vor, dass der Pager mitten in der Nacht piepst», sagt Res Peter. Dann ist es die Notfallzentrale, die ihn zu einem Unfall oder einem anderen schwerwiegenden Ereignis ruft. Seine Jacke oder sein Gilet kennzeichnen ihn am Schadenplatz für alle erkenntlich als «Notfallseelsorger».

Im Auftrag des Kirchenrats des Kantons Zürich stehen in allen Bezirken ausgebildete Notfallseelsorger auf Abruf bereit. Sie leisten bei einem tragischen Ereignis emotionale erste Hilfe, falls dies von den Beteiligten gewünscht wird und sie nicht lieber psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Am Ort des Geschehens sind Seelsorger für Menschen verschiedener Glaubensrichtungen anwesend.

«Die Betreuung der Eltern beim plötzlichen Tod ihres Kindes werde ich wohl nie vergessen», sagt Res Peter, der auch Mitglied im Kernteam des Care-Teams am Flughafen Kloten ist. Dieses wurde 1997 nach dem Massaker an Schweizer Touristen in Luxor gegründet und kam bereits ein Jahr später nach dem Swissair-Absturz bei Halifax wieder zum Einsatz. Die Care-Organisation setzt sich aus rund hundert Personen zusammen, darunter Ärzte, Psychologen, Pflegende und Seelsorger.

Der 45-Jährige ist auch als Seelsorger der Feuerwehr tätig und steht den Einsatzkräften und ihren internen Care-Teams bei schweren Einsätzen zur Seite. Ausserdem ist er Stellvertreter des Flughafenpfarrers Walter Meier.

Mobbing als grosses Problem

«Theologie hat mich schon immer fasziniert», sagt Res Peter. Sie beinhalte nebst der praktischen Seelsorge auch Philosophie, Geschichte, Sprachen, Lebens- und Glaubensfragen sowie Ethik. Dies kommt ihm in der Industrieseelsorge besonders zugute. Als Nachfolger von Pfarrer Jost Ohler ist er Mitglied in der Personalkommission der Bülacher Industrie. «Ich bin im Gespräch mit den Personalchefs verschiedener Firmen und finde heraus, wo der Schuh drückt», sagt er.

Während seine Vorgänger noch am Fliessband mit den Arbeitern den Kontakt suchten, ist Res Peter vorwiegend präventiv tätig. Vor allem mit Mobbing habe er es oft zu tun, weshalb er zu diesem Thema auch einen Informationsabend anbietet. Dabei werden Wege aufgezeichnet, wie sich Opfer wehren können und wie Mobbing verhindert werden kann. «Christliche Ethik rechnet immer mit dem Konflikt», sagt Res Peter. Der Konflikt sollte aber nicht das letzte Wort haben, die Lösung sei das Ziel.

Ein ethisches Thema ist für ihn auch die Arbeitslosigkeit. Er plädiert für ein garantiertes Grundeinkommen für alle: «Arbeit, die bezahlt wird, bringt Anerkennung und stärkt das Selbstwertgefühl.» Es gehe nicht, dass die einen Arbeit haben und die anderen nicht. Arbeit und Zeit müssen neu gedacht und aufgeteilt werden, in Einkommensarbeit, Familienzeit, Sozialzeit. Das fordert ein Umdenken. So sollte auch der höchste Lohn in einem Betrieb nicht mehr als das 40-fache des tiefsten betragen, ist er überzeugt. «Ich möchte Denkanstösse geben und sehe mich als Begleiter der Gesellschaft», sagt Res Peter, der mitten in einem Nachfolgestudium in lösungsorientierter Seelsorge steckt.

Neue Formen des Gottesdienst

Nebst diesen Spezialgebieten der Seelsorge ist Res Peter als ganz «normaler» Pfarrer im Dienste der Kirche tätig. Gemeinschaft pflegen, in die Tiefe gehen und einen Glauben leben und weitergeben, der frei macht und Kraft gibt, gegen die Ungerechtigkeiten auf dieser Welt einzustehen, sind ihm wichtig. Er ist Projektleiter der «Neuen Gottesdienstform», die neue, moderne Formen des Feierns mit einer Band einführen möchte.

Zudem arbeitet er auch am Projekt «Freiwillige» mit. Die Kirche der Zukunft wird ganz bewusst auf Freiwilligenarbeit aufgebaut. «Kirche ist nur dort ganz Kirche, wo sie von Freiwilligen betrieben wird», sagt er. Wir alle seien berufen, mit den Traurigen traurig und mit den Fröhlichen fröhlich zu sein. Dazu brauche es keine bestimmte Ausbildung. Kirche sei überall dort, wo ein Mensch mit einem anderen Menschen zwei Meilen geht, sagt Res Peter.

Eine Spezialität des Pfarrers ist, dass er seine Predigten seit fünf Jahren frei hält. «Ich lege mir fünf Gedanken zurecht, aus denen ich Einleitung, Hauptteil und Zusammenfassung mache», sagt er. Ausserdem arbeite er mit Bildern, die ihn jederzeit auf den Inhalt zurückführten, sollte er doch einmal den Faden verlieren. Vorbild für die freie Predigt ist ihm seine Kollegin Pfarrerin Ruth Wiesenberg, die seit Jahren frei predigt.

New Yorker Marathon

Res Peter ist zusammen mit fünf Geschwistern, zwei Ponys, einem Esel und zwei Ziegen in Bachenbülach aufgewachsen. Nach seiner Ausbildung zum Primarlehrer hat er in Zürich, Wien und Rom Theologie studiert. Anschliessend hatte er verschiedene Assistenzstellen an den Universitäten Lausanne und Genf inne. Vor fünf Jahren trat er seine Pfarrstelle in Bülach an. Res Peter lebt mit seiner Lebenspartnerin und deren Sohn und Tochter zusammen. Als Teilzeitvater ist er im Einsatz als Fahrer zu Hockeyspielen oder Turnstunden und hört während der Fahrt Hörbücher von Thomas Mann. Als Ausgleich zu seiner anspruchsvollen Arbeit trainiert er täglich für den New Yorker Marathonlauf, den er Anfang November mit seiner Partnerin bestreiten will. «Ich sollte noch drei Kilo abnehmen», lacht er. Am Abend wird er folglich von Bülach nach Oberglatt und zurück rennen.

Pfarrer Res Peter muss jederzeit mit einem piepsenden Pager rechnen.

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