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«Defizite sollen gar nicht entstehen»

Die Wädenswiler Sozialvorsteherin setzt auf gezielte Frühförderung bei kleinen Kindern.

Mit Felicitas Taddei sprach Daniela Haag Wädenswil – Kinder sind bei ihren Eltern am besten aufgehoben, findet die Wädenswiler Sozialvorsteherin Felicitas Taddei (FDP). Es gibt aber einzelne Fälle, in denen die Eltern überfordert sind und ihre Kinder vernachlässigen. Um ihre Chancen auf eine erfolgreiche Schulzeit und einen guten Berufseinstieg zu erhöhen, will die Stadträtin die Frühförderung fördern. Die Frühförderung war auch Thema der Veranstaltung zur ausserfamiliären Betreuung im Vorschulalter, welche die Abteilung Soziales letzte Woche organisiert hat. Ihnen liegt die Frühförderung von Kinder am Herzen. Wieso? Frühförderung ist ein Schlüsselbereich, um viele gesellschaftliche Probleme zu vermeiden. Wenn die Eltern Zeit haben, ihre Kinder zu betreuen, ist das immer noch das Beste. Es gibt aber Eltern, denen dies aus verschiedenen Grünen nicht möglich ist. Im schlimmsten Fall bleiben die Kleinkinder den ganzen Tag in der Wohnung, wo der Fernseher dauernd eingeschaltet ist. Niemand unternimmt etwas mit den Kindern oder erzählt ihnen Geschichten. Sie spielen nicht, sondern sitzen mehrere Stunden täglich vor dem Fernsehgerät. Kommen diese Kinder in die Schule, starten sie mit einem grossen Defizit. Dieses Defizit wollen Sie auffangen? Wir wollen, dass gar keines entsteht und alle Kinder mit guten Startchancen in die Schule eintreten können. Weisen Kinder beim Schuleintritt grosse sprachliche oder soziale Defizite auf, erhalten sie kostenintensive Therapien. Nicht alle schaffen es, den Rückstand einigermassen aufzuholen. Sie haben Schwierigkeiten in der Schule und später beim Einstieg ins Erwerbsleben. Wenn die Kinder schon früh gefördert werden, erhöhen sich ihre Chancen, und sie können sich besser integrieren. Es fallen später keine hohen Kosten an. Welche Massnahmen braucht Wädenswil? Wädenswil verfügt über ein grosses Angebot von Krippen, Spielgruppen, Muki-, Vaki-Turnen, Singgruppen und Betreuungsplätzen in Tagesfamilien. Nicht alle Kleinkinder können aber davon profitieren, teilweise weil kein Geld dafür vorhanden ist. Aber auch in finanziell gut gestellten Familien fehlt manchmal die Musse, mit den Kindern altersgerecht Zeit zu verbringen. Diese Familien wollen wir vermehrt erreichen, da die Aktivitäten, die in diesen Einrichtungen angeboten werden und, die Kontakte mit anderen Kindern Spass machen und die ganze Familie davon profitieren kann. Seit kurzem unterstützt die Stadt zwei Spielgruppen, damit diese gezielte Sprachförderung anbieten. Sollen diese Plätze erhöht werden? Nicht alle Spielgruppen möchten gezielt Sprachförderung betreiben, weil sie anderes ausgerichtet sind. Sprachentwicklung und Kontakt mit unserer Mundartsprache findet aber überall statt, wo soziale Kontakte gelebt werden, wo gespielt wird. Diese Kontakte müssen wir gezielt fördern. So bieten wir zum Beispiel Deutschkurse mit Kinderbetreuung an. Schwierig ist, genau die Kinder zu erreichen, welche die Frühförderung am nötigsten hätten. Haben Sie eine Lösung? Das Angebot soll grundsätzlich freiwillig sein. Aber gewissen Eltern kann man die Frühförderung nahelegen. Wir kennen sie teilweise, weil sie einen Deutschkurs besuchen oder mit der Abteilung Soziales oder der Vormundschaftsbehörde in Kontakt sind. Auch die Mütterberaterin und der Kinderarzt erkennen gefährdete Kinder. Es braucht eine Vertrauensbasis, um die Eltern zu überzeugen. Die Frühförderung soll auch durch Mundpropaganda bekannt werden. Wie viele Kinder sind betroffen? Im Kindergarten bekommen von den etwa 200 Kindern pro Jahrgang rund 40 zusätzlichen Deutschunterricht und 30 eine Therapie, weil sie sprachliche, soziale oder andere grosse Lücken aufweisen. Gemäss Jugendhilfegesetz muss eine Gemeinde ein ausreichendes Angebot an Betreuungsplätzen schaffen. Wie gehen Sie diese Aufgabe für Wädenswil an? Das Ziel sollte sein, dass jedes Kind in Wädenswil eine Spielgruppe oder eine Krippe besuchen kann, wenn die Eltern zu wenig Zeit oder Energie für Betreuung, Spiel und Spass haben. In Wädenswil findet man auch einen Betreuungsplatz, wenn man einen benötigt, sogar für Babys. Nur bei den subventionierten Plätzen ist die Nachfrage grösser als das Angebot. Dort gibt es eine Warteliste. Sorgen Sie dafür, dass mehr Plätze geschaffen werden? Wir wollen die Anzahl und das Finanzierungsmodell für subventionierte Plätze ändern. Heute bezahlt die Stadt das Geld an einzelne Einrichtungen in Wädenswil, damit diese vergünstigte Plätze anbieten können. Die neue Ausrichtung wird momentan erarbeitet und wird dann vom Gemeinderat diskutiert und festgelegt. Alle Kinder sollen mit guten Startchancen in die Schule eintreten können, sagt Felicitas Taddei (FDP).Foto: Silvia Luckner (Archiv)

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